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Große Reunion-Tour
Letzter Gig: Irie Révoltés kommen im Oktober nach Erlangen
Mit ihrer Band Irie Révoltés wollen es die Brüder Pablo und Carlos Charlemoine (in der Mitte, von links) in diesem Jahr noch einmal wissen. Wir haben mit den beiden über ihre Irieunion-Tour gesprochen.
Mit ihrer Band Irie Révoltés wollen es die Brüder Pablo und Carlos Charlemoine (in der Mitte, von links) in diesem Jahr noch einmal wissen. Wir haben mit den beiden über ihre Irieunion-Tour gesprochen. // Jamila K. Grote
Erlangen – Irie Révoltés legten über Jahre die Finger in die politischen Wunden der Republik, vor allem gegen Rechtsextremismus engagieren sie sich stark. Nach der Auflösung 2017 kommen sie heuer zurück – unter anderem nach Erlangen.

Viele ihrer Lieder sind derzeit wieder auf den Demonstrationen gegen Rechtsextremismus zu hören, dabei hatte sich die Band Irie Révoltés aus Heidelberg eigentlich 2017 aufgelöst. Doch in diesem Jahr gehen die beiden Brüder Pablo Charlemoine (alias Mal Élevé) und Carlos Charlemoine (alias Carlito) mit ihrer Crew noch einmal auf eine allerletzte Tour.

Am 20. Dezember soll es in Mannheim das letzte große Konzert geben, bis dahin touren sie durch die komplette Republik. Nach Erlangen in die Heinrich-Lades-Halle kommen sie am 6. Oktober 2025 (Montag).

Wir haben mit den beiden Brüdern vorab über ihre Reunion, Rechtsextremismus und weitere Pläne sprechen können.

Irie Révoltés: Sänger Carlito und Mal Élevé im Interview

Wie hier 2017 kommen die Brüder Mal Élevé (links) und Carlito von Irie Révoltés am 6. Oktober noch einmal nach Erlangen - diesmal werden sie sogar in der größeren Heinrich-Lades-Halle spielen.
Wie hier 2017 kommen die Brüder Mal Élevé (links) und Carlito von Irie Révoltés am 6. Oktober noch einmal nach Erlangen - diesmal werden sie sogar in der größeren Heinrich-Lades-Halle spielen. // Irie Révoltés

Hi, ihr beiden: Die komplette Musikwelt ist aus dem Häuschen, weil ihr wieder da seid. Wie fühlt sich das an?

Carlito: Wir sind überwältigt, es fühlt sich groß an. Wir haben intern fast zwölf Monate besprochen, ob wir das jetzt überhaupt machen sollen. Es war gut für uns alle, nach 20 Jahren mal was anderes zu machen. Wir wohnen überall verteilt, hatten aber weiterhin Kontakt. Vor anderthalb Jahren sprachen wir dann immer häufiger darüber, dass wir uns musikalisch noch einmal zusammenfinden wollten. Daraus ist dann nach und nach die Idee der Reunion entstanden. 

Erfindet ihr euch neu?

Carlito: Wir werden keine neue Musik machen, es gibt schon genug von uns. Eigentlich wollten wir nur das eine Konzert in Mannheim als Pendant zu unserem letzten Gig 2017 spielen und dort unsere Lieder noch einmal feiern. Die Tickets waren rasend schnell weg, das hatten wir so nicht erwartet. So wurde daraus schnell ein ganzes Jahr voller Tournee und Festivals. Dabei wollen wir natürlich noch krasser performen als früher und noch mehr Energie reinstecken.

Trugen die aktuellen politischen Umstände zu eurer Reunion-Entscheidung bei?

Mal Élevé: Das Politische spielt bei uns immer mit. Solche Bands wie wir, die politische Statements setzen, sind (leider) nach wie vor sehr wichtig. Das war aber nicht der Hauptauslöser; bei aller Betrachtung der Realität konnten wir uns vor fast zwei Jahren, als wir die Entscheidung getroffen hatten, noch nicht ausmalen, wie krass 2025 sein wird. 

Dennoch könnte euer Timing nicht besser sein, derzeit gehen wieder Hunderttausende unter anderem gegen Rechtsextremismus auf die Straße. Ihr auch?

Mal Élevé: Auf jeden Fall. Das ist uns auch wichtig, dass unsere Lieder dort immer wieder gespielt werden. Dann können wir immer dabei sein, auch wenn wir es mal selbst nicht schaffen. Das ist so wichtig aktuell. 

Politisches Engagement ist den Jungs von Irie Révoltés seit jeher wichtig.
Politisches Engagement ist den Jungs von Irie Révoltés seit jeher wichtig. // Irie Révoltés

Jetzt gelten die Deutschen – anders als beispielsweise die Franzosen – als gehemmte Demonstrierende. Was können wir uns abschauen?

Carlito: So etwas kann man nicht generalisieren. Das Wichtigste ist, dass sich Leute bewegen. Eine Kategorisierung finde ich eher problematisch. Es ist super, dass so viele Menschen auf die Straße gehen. Ganz egal, wie.

Mal Élevé: Die Leute in Frankreich sind traditionell mehr in Gewerkschaften organisiert, das führt dann beispielsweise zu Generalstreiks. So lässt sich eher noch was bewegen. 

Missstände anprangern und positive Energie verbreiten, so lässt sich Irie Révoltés gut beschreiben. Wie geht das zusammen?

Carlito: Das geht, indem du dich nicht zu Hause verkriechst, sondern hinausgehst und dich erkundigst. So kannst du Energie holen und diese positive Welle mitnehmen, um etwas voranzubringen. Auf diese Weise schafft man mehr, wie wenn man nur aggressiv wäre oder gar nur zu Hause bliebe. Das Letzte, was stirbt, ist die Hoffnung. Und die ist immer positiv. Das ist auch unsere Hoffnung für das Comeback: Dieses Zepter, zu wissen, dass man was tun und sich einbringen kann, an die jüngere Generation weiterzugeben. 

Die Tageszeitung taz hatte eure Musik 2017 einmal als „Antifa-Pop“ beschrieben. Fehlt es in der deutschen Musiklandschaft derzeit an Haltung?

Mal Élevé: Es fehlt auf jeden Fall an Haltung. Zwar hat es sich schon gebessert: Als wir uns 2017 aufgelöst hatten, waren wir noch eine der wenigen. Was schön zu beobachten war, dass es danach immer mehr gab, die sich trauen, Haltung zu zeigen. Viele waren natürlich eher in der Subkultur, manche aber auch in der Popmusik. Da ist aber noch viel Platz nach oben.

Platz nach oben gibt es auch in Erlangen, ihr durftet wegen des regen Interesses sogar in die größere Heinrich-Lades-Halle umziehen. Worauf kann sich Erlangen im Oktober einstellen?

Mal Élevé: Denkt an die letzte Show von uns und multipliziert das mit 100. Wir setzen noch mindestens einen drauf. Ihr könnt euch auf Irie Révoltés freuen, die eine Pause hatten und so viel Energie getankt haben, wie sie noch nie hatten.

Franken spielt in der Geschichte des Rechtsextremismus schon lange eine unrühmliche Rolle. Von daher ist Erlangen eine gute Wahl für eins der seltenen Reunion-Konzerte. Aber euch verbindet ja noch mehr mit der Stadt, oder?

Carlito: Einerseits sind wir schon häufiger in der Gegend gewesen und hatten immer Spaß. Außerdem stammt ein langjähriges Crewmitglied aus Erlangen. Dadurch haben wir noch einmal einen ganz anderen Bezug. 

Also geht’s nach dem Konzert noch auf den Keller?

Carlito: (lacht) Ich trinke persönlich gar keinen Alkohol, für mich nicht. Aber wenn wir Zeit haben, wieso nicht. 

Mal Élevé: Tendenziell hängen wir mit den Menschen immer gerne noch ab. 

Ihr habt bereits angekündigt, nach der diesjährigen Reunion-Tour wieder aufhören zu wollen? Seid ihr wirklich sicher?

Mal Élevé: Das ist sehr sicher. Klar ist es traurig, aber auch die Grundidee des Ganzen. Wir konzentrieren uns jetzt auf dieses Jahr. Dass wir überhaupt nochmal am Start sind, hätten wir 2017 gar nicht gedacht. Umso geiler ist es, das jetzt zu machen; zu wissen, dass es nicht wieder kommt. Und das Hier und Jetzt genießen.

 

Weitere Informationen: Ihre Irieunion-Tour führt Irie Révoltés am 6. Oktober nach Erlangen, 20 geht es in der Heinrich-Lades-Halle los, Tickets und weitere Informationen gibt es unter tickets.irie-revoltes.com. 

 

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