Es ist ein Problem, gegen das nicht nur Parteien kämpfen. Auch Vereine beklagen immer öfter den mangelnden Zulauf an neuen Mitgliedern, vielerorts werden Spielvereinigungen gegründet. Die Auswirkungen des nachlassenden Engagements hatte zuletzt auch die CSU in Erlangen-Höchstadt zu spüren bekommen. Weil kein Vorstand mehr zustande kam, hatte der Ortsverband Aurachtal die Arbeit niedergelegt – auch in Buckenhof war diese Entscheidung wenige Monate zuvor getroffen worden.
Eine „gesellschaftliche Entwicklung“ hatte der CSU-Kreisvorsitzende Stefan Müller das Problem gegenüber fraenkischertag.de genannt. Immer weniger Menschen seien bereit, sich aktiv in der Politik zu engagieren. Gleichzeitig fehle es aber vor allem an jungen Mitgliedern.
CSU Erlangen-Höchstadt: Mitgliedermangel
Eine Entwicklung, die Konrad Körner nicht weiter verwunderlich findet. „Man muss das ins Verhältnis setzen“, sagt er Bundestagsabgeordnete. „Wenn 50 Prozent der Bevölkerung über 60 sind, ist es falsch zu sagen, es liege nur an den Jungen. Die Alterspyramide ist heute anders als vor 50 Jahren.“
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Auch die Tatsache, dass junge Menschen heute oft längere Ausbildungszeiten hätten und generell mobiler seien, mache es schwieriger, sich jahrelang an einer Stelle zu engagieren. „Wenn man sich dann niederlässt, dann oft mit Partner und Kindern in einer Situation, wo man keine Zeit hat, in der Rushhour des Lebens. Da sind neue Verpflichtungen schwierig“, sagt Körner.
Seine eigene Vita ist also längst nicht mehr gewöhnlich. Schon seit seiner Jugend engagiert sich der Herzogenauracher politisch, bestimmt die Kommunalpolitik seit Jahren als Stadtrat und zunächst als Ortsvorsitzender der JU Herzogenaurach, später auch als Bezirksvorsitzender der Jungen Union Mittelfranken mit. Seit März 2025 vertritt der 32-Jährige seine Region im Bundestag.
Konrad Körner: Steigendes Interesse bei Jüngeren
Dass es künftig leichter werden wird, wieder Mitglieder zu akquirieren, glaubt Körner nicht. „Aber was ich schon merke ist, dass das Interesse für Politik bei Jüngeren wieder steigt. Ich bin zu einem Zeitpunkt in die Politik eingestiegen, als unsere Wirtschaft gut lief. Wir hatten finanzielle Überschüsse. Wir sehen, dass die Leute jetzt durch die andere Weltlage wieder ein neues Interesse entwickeln. Aber es ist noch nicht eins zu eins umzusetzen mit dem Interesse, sich wieder langfristig zu engagieren.“
Dennoch verzeichne die Junge Union im Bezirksverband seit zwei Jahren Zuwächse. „Viele junge Leute engagieren sich bei uns mit Herzblut – und das nicht nur im Hintergrund, sondern auch ganz vorne auf der politischen Bühne“, betont JU-Kreisvorsitzender Nico Engelhardt. Trotz des hohen Altersdurchschnitts der Bevölkerung seien junge Stimmen in der Politik wichtig, betont der Kreisverband, denn „ohne junge Stimmen fehlen wichtige Perspektiven“, zum Beispiel in der Rentendebatte.
Junge Union Erlangen-Höchstadt will Frauen für Politik gewinnen
Dem gesellschaftlichen Wandel will die JU „mit einem klaren Konzept“ begegnen: „Dazu gehören eine gezielte Mitgliederkampagne, persönliche Betreuung, regelmäßige Stammtische sowie starke Ortsverbände mit eigenem Profil, die Themen aufgreifen, die die Menschen bewegen.“ Dennoch habe man bereits jetzt „zahlreiche Engagierte aus dem Ehrenamt, die wirklich etwas bewegen möchten“, betont Nico Kauper, Vorsitzender der JU-Kreistagsfraktion und Bürgermeisterkandidat in Adelsdorf. Wichtig sei es aber, vor allem mehr Frauen für die Arbeit in der Partei zu begeistern.
Wie genau man die „jungen Leute“ aber erreichen soll, dafür gibt es wohl trotzdem noch kein Rezept. „Ich denke darüber nach, wie man das schaffen kann“, sagt Körner und spricht von der „Generation unreachable“, die keine Zeitung lese und deutlich mehr Zeit in den sozialen Medien verbringe, als ihre Vorgänger. „Gerade bei den Leuten unter 25 haben wir ein Problem“, gibt Körner zu. „Mir sagen junge Leute, Alice Weidel sei sympathisch, weil man sie von YouTube kennt“, kritisiert er. Gerade die Sichtbarkeit im Netz sei etwas, woran er selbst daher aktiv arbeite.
JU stellt zwei Bürgermeisterkandidaten
Wichtig sei es seiner Meinung nach aber auch, denen, die den Weg in die Politik fänden, Raum zu geben. „Wenn bei uns jemand in der JU ist, der Bestrebungen hat, wird der mittlerweile gut gefördert. Die Älteren boxen ihn nicht weg, da bin ich kein Sonderfall. Wenn jemand gerne Verantwortung übernimmt, hat er jede Chance – wenn wir die Bürgermeisterkandidaten im Landkreis anschauen, ist das durch die Bank so“, erklärt er und verweist auf Sebastian Singer in Eckental und Nico Kauper, die als junge Kandidaten ins Rennen um die Bürgermeisterämter gehen.
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Und wie sieht es bei anderen Parteien im Landkreis aus? Genaue Mitgliederzahlen kann der SPD-Kreisverband zwar nicht vorlegen. „Aber wir haben in letzter Zeit relativ hohe Zuwächse“, sagt Sprecher Fritz Müller. Das Problem der Partei sei über die Jahre hinweg das hohe Durchschnittsalter gewesen, das oft zu mehr Todesfällen als Eintritten geführt habe. Doch seit Ende 2024 habe sich das geändert.
Zuwachs bei SPD und Grünen im Landkreis
„Im Rahmen der Kommunalwahlen haben wir immer hohe Zuwächse“, sagt Müller. „Aber was mich sehr freut, ist, dass es viele junge Leute sind, die beitreten. Wir brauchen die jungen Leute, weil sie eine andere Perspektive mitbringen. Wir tun viel, um dem Generationenwechsel vorzugreifen.“
Auch bei den Grünen im Landkreis sieht es gut aus. „Immer mehr Menschen kommen zu uns, weil sie spüren: Jetzt ist die Zeit, aktiv zu werden“, erklärt Co-Vorsitzende des Kreisverbands und Herzogenauracher Bürgermeisterkandidatin Patrizia Siontas. „Unsere Neumitglieder sagen es klar: Der Rechtsruck macht ihnen Sorge, aber gemeinsam können wir unsere Demokratie schützen! Sie wollen Klimaschutz, der niemanden zurücklässt. Sie wollen eine gerechte Gesellschaft, in der alle teilhaben können. Und sie wollen mit uns eine sichere Zukunft gestalten.“
















