Es ist das größte Straßenbahnprojekt Deutschlands, das die Erlanger Bürger am 9. Juni mit einem klaren Ja beschieden haben. Durch eine Verlängerung der Nürnberger Straßenbahn sollen die Städte Erlangen, Herzogenaurach und Nürnberg dann per Schiene verbunden und damit auch Institutionen wie die Friedrich-Alexander-Universität, das Klinikum oder große Firmen wie Schaeffler besser und schneller zu erreichen sein. In der Theorie könnten laut Angaben des Zweckverbands Stadt-Umland-Bahn 47 Millionen Pkw-Kilometer auf die Schiene verlegt werden – jährlich.
Seit dem Bürgerentscheid ist es ruhiger um die StUB geworden, Diskussionen über fehlende Gewerbesteuern und die Haushaltssperre haben den öffentlichen Diskurs bestimmt. Hinter den Kulissen gehen die Planungen allerdings stramm weiter, wie der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn auf Anfrage der Redaktion bestätigt.
Baubeginn soll 2028 in Nürnberg erfolgen
„Aktuell konzentrieren wir uns auf den Nürnberger Teil, also den Streckenabschnitt von der Haltestelle Am Wegfeld bis Reutles, da wir hier im kommenden Jahr die Planfeststellungsunterlagen einreichen möchten. In Vorbereitung darauf werden derzeit noch Details in Nürnberg geklärt“, so der Zweckverband. An der Nürnberger Haltestelle „Am Wegfeld“ ungefähr auf Höhe des Flughafens, wo aktuell die Straßenbahnen 4 und 10 enden, sollen Mitte 2028 auch die Bauarbeiten beginnen. Erst ab 2031 soll die StUB dann laut aktuellen Plänen Abschnitt für Abschnitt in Betrieb genommen werden.
Dass die Planungen auf Hochtouren weiterlaufen, zeigt zum Beispiel auch die Tatsache, dass die Stadträte von Erlangen, Herzogenaurach und Nürnberg einer Änderung der Verwaltungsvereinbarung zugestimmt haben. Bestand vorher für alle Mitgliederstädte die Möglichkeit, noch bis Baubeginn aus dem Projekt auszusteigen, haben sich ab dem 1. August alle dazu verpflichtet, einem Austritt nicht mehr zuzustimmen. „Das ist wichtig, damit sich die drei Partner auch aufeinander verlassen können“, heißt es von Seiten des Zweckverbandes.
Auch die Planungen zum Ostast, der die östlichen Gemeinden im Landkreis an das Netz anbinden und so für eine bessere Verbindung zur Stadt sorgen soll, stehen nicht still. „Da sich die Planung des Ostastes auch im Fördermittelantrag für das L-Netz wiederfinden muss, befinden wir uns in den finalen Zügen der Vorplanung – das ist die Planungstiefe, die wir mit den Landkreisen vereinbart haben, um den Ostast förderungsseitig möglich zu halten“, so die Aussage des Zweckverbandes. „Die Ergebnisse werden wir Ende Oktober in einem Ostastforum vor Ort vorstellen. Die Fortführung der Planungen geschieht dann vorbehaltlich entsprechender politischer Entscheidungen in den zugehörigen Landkreisen.“ Der Begriff „L-Netz“ bezeichnet übrigens den ursprünglichen Streckenverlauf von Nürnberg über Erlangen nach Herzogenaurach, „T-Netz“ hingegen steht für das L-Netz inklusive der Ostast-Erweiterung.
Bündnis LIBOS ist erleichtert über Bürgerentscheid
Da der östliche Teil des Landkreises in den vergangenen Jahren steigende Einwohnerzahlen verzeichnet hat, gibt es dort schon länger den „Wunsch nach einer bedarfsgerechten und nachhaltigen Verbindung zu den östlichen Gemeinden im Schwabachtal und zur Stadt Erlangen“, hieß es erst kürzlich in einer Pressemitteilung des LIBOS Bündnisses (Landkreisübergreifendes Interkommunales Bündnis Ostast StUB). Der positive Ausgang des Bürgerentscheids habe „große Bedeutung für die Gemeinden im Schwabachtal“, dazu zählen Buckenhof, Spardorf, Uttenreuth, Marloffstein, Dormitz, Hetzles, Neunkirchen am Brand, Kleinsendelbach, Eckental, Heroldsberg, Igensdorf, Weißenohe und Gräfenberg, wo das Netz an das bestehende Netz der Gräfenbergbahn angeschlossen werden soll.
Des Weiteren weist das Bündnis darauf hin, dass für die weitere Planung in Zusammenarbeit mit den Landkreisen Forchheim und Erlangen-Höchstadt sowie dem Zweckverband StUB und der Stadt Erlangen bereits Schritte festgelegt worden sind. „Demnach sehen die LIBOS-Gemeinden als Nächstes die Durchführung eines Raumordnungsverfahrens für den Ost-Ast der StUB und die Einreichung des Fördermittelantrags für das L-Netz, der wie mit den Landkreisen vereinbart, einen Nutzen-Kosten-Indikator für das T-Netz beinhalten wird, vor“, so die Mitteilung.
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