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Ziele trotz Weltlage im Blick
Stellenabbau, Rüstung & Roboter: So geht es Schaeffler heute
Quo vadis, Schaeffler? Bei der Jahrespressekonferenz spricht Schaeffler-CEO Klaus Rosenfeld von weiterhin herausfordernden Zeiten. Im Gepäck hat er halbwegs ernüchternde Zahlen – und große Ziele.
Quo vadis, Schaeffler? Bei der Jahrespressekonferenz spricht Schaeffler-CEO Klaus Rosenfeld von weiterhin herausfordernden Zeiten. Im Gepäck hat er halbwegs ernüchternde Zahlen – und große Ziele. // Foto: Stephan Großmann
Herzogenaurach – Rüstung, Roboter und Raumfahrt sollen die Zukunft des Herzogenauracher Konzerns Schaeffler nachhaltig sichern. Wie sich das auf die Standorte in Franken auswirkt und ob weitere Stellen in Gefahr sind.

Vorsichtig. Optimistisch. Vorsichtig optimistisch. So lässt sich beschreiben, wie der Herzogenauracher Weltkonzern Schaeffler auf seine aktuelle Lage und die eigene Zukunft blickt. Viele Themen beeinflussen schon lange das Geschäftsgebaren des Zulieferermultis mit Sitz in Franken. So bleibt trotz eines „soliden Geschäftsjahres 2025“ (Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld) unter dem Strich erneut ein Verlust stehen. Und unter die kolportierte Aufbruchstimmung mischen sich neue Fragezeichen.

Schaeffler Herzogenaurach: Konzernspitze auf Jahrespressekonferenz

Klaus Rosenfeld blickt in die Runde. Es gibt keine Fragen mehr. Der 59-jährige Vorstandsvorsitzende der Schaeffler AG stöpselt das Headset ab, schiebt seine Brille zurecht und verlässt die Jahrespressekonferenz. Viel haben er und sein Finanzvorstand Christophe Hannequin in der guten Stunde zuvor über die aktuellen Herausforderungen, Chancen und Krisen gesprochen.

Stellen sich den Fragen auf der Jahrespressekonferenz (von links): Schaeffler-Konzernsprecher Axel Lüdeke, Vorstand Finanzen und IT Christophe Hannequin,  und Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld
Stellen sich den Fragen auf der Jahrespressekonferenz (von links): Schaeffler-Konzernsprecher Axel Lüdeke, Vorstand Finanzen und IT Christophe Hannequin, und Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld // Foto: Stephan Großmann

Ergebnisse für das Jahr 2025: Unterm Strich rote Zahlen

Darüber, dass die Umsatzerlöse im vergangenen Jahr um 3,4 Prozent auf 23,4 Milliarden Euro gesunken sind. Darüber, dass das operative Ergebnis zwar um 11,1 Prozent auf 936 Millionen Euro zugelegt hatte. Aber auch, dass der Nettoverlust mit 424 Millionen Euro noch deutlich spürbar sei, aber sinke. Ohne die Sondereffekte wie die Integration des 2023 übernommenen E-Antriebsspezialisten Vitesco sowie die Abfindungen für Ex-Mitarbeitende wäre gar ein Gewinn von 148 Millionen Euro möglich gewesen.

E-Mobilität-Sparte soll ab 2028 Gewinn machen

Aktuell ist der Schaeffler-Konzern in vier Sparten und acht Produktfamilien aufgeteilt. Im Kerngeschäft des fränkischen Zulieferers, dem Automobilbereich, setzt das Unternehmen verstärkt auf Elektroantriebe. So sind die Umsätze dort um sieben Prozent auf fünf Milliarden Euro gestiegen. Dass man allerdings noch immer beachtliche rote Zahlen schreibt (operatives Minus von 805 Millionen Euro), soll spätestens 2028 der Vergangenheit angehören.

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„Die Welt ist in Unordnung. Aber wir lassen uns von unseren Zielen nicht abbringen.“

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Klaus Rosenfeld, Vorstandsvorsitzender Schaeffler AG Klaus Rosenfeld Vorstandsvorsitzender Schaeffler AG

Doch auch Bereiche wie Powertrain & Chassis („entwickelt sich positiv seit Jahren“), Vehicle Lifetime Solutions („starker Ergebnisbringer“) und Bearing & Industrial Solutions („nicht mehr so schwierig wie 2024“) zeigen laut Rosenfeld nach oben. Große Hoffnung setzt die Schaeffler-Führung auf die bereits genannten Zukunftsfelder, mit denen man bis zum Jahr 2035 immerhin bereits zehn Prozent seiner Umsätze generieren wolle.

Drei Gründe, warum Schaeffler sich „gut behaupte“

Kurzum: Man behaupte sich mit seinen 110.000 Mitarbeitenden in 100 Werken weltweit gut in einer „Welt in Unordnung“ (Rosenfeld).

Hierzu tragen vor allem drei Dinge bei:

  1. Die Transformation der Schaeffler Gruppe zur Motion Technology Company, die fortan immer stärker produktorientiert statt sektoral denken will.
  2. Die Stärkung der Kerngeschäfte auf der einen Seite und die immer stärkere Fokussierung auf die „neuen Wachstumsfelder“ humanoide Robotik, Verteidigungsindustrie und Raumfahrt.
  3. Das von Schaeffler als Ergebnisverbesserungsprogramm lancierte Programm, um weltweit Kosten vor allem durch Stellenabbau zu sparen, geht laut Rosenfeld „schneller vonstatten als gedacht“.
Grund zur Freude für Schaeffler-CEO: Das sogenannte Ergebnisbereinigungsprogramm bringe schneller  Ergebnisse als gedacht. Ein Baustein davon: Der Abbau von weltweit 4700 Stellen.
Grund zur Freude für Schaeffler-CEO: Das sogenannte Ergebnisbereinigungsprogramm bringe schneller Ergebnisse als gedacht. Ein Baustein davon: Der Abbau von weltweit 4700 Stellen. // Foto: Stephan Großmann

Wie sich die aktuelle Lage auf die Standorte in Franken auswirkt

Losgelöst von der betriebswirtschaftlichen Bewertung der aktuellen Transformationsphase haben die Weichenstellungen konkrete Auswirkungen auf Standorte in Franken und Tausende Menschen, die in der Region arbeiten. Schließlich wirkt sich der angestoßene Abbau von weltweit 4700 Stellen hierzulande sehr aus. So sollen in Deutschland 2800 Jobs wegfallen, 700 davon allein an der Konzernzentrale in Herzogenaurach.

Gedämpfte Euphorie: Nach Angaben des Unternehmens sollen europaweit 4700 Stellen wegfallen, etwa 700 davon allein in Herzogenaurach.
Gedämpfte Euphorie: Nach Angaben des Unternehmens sollen europaweit 4700 Stellen wegfallen, etwa 700 davon allein in Herzogenaurach. // Foto: Stephan Großmann

75 Prozent des geplanten Jobabbaus bereits fast abgeschlossen

Schaeffler beschäftigt in Herzogenaurach, Höchstadt und Erlangen zum Stichtag 31. Dezember 2025 etwa 9200 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor waren es noch 10.600 Menschen. Auf Nachfrage von fraenkischertag.de konkretisiert CEO Klaus Rosenfeld seine Aussage, laut derer „beinahe die Hälfte der angepeilten 4700 Stellen“ konsolidiert werden konnte.

So haben 2206 Menschen das Unternehmen bis Ende 2025 planmäßig verlassen. Mit bereits vereinbarten Altersteilzeitregelungen erreiche das Stellenabbau-Programm sogar bereits die 75-Prozent-Marke, so Rosenfeld. Er zeigt sich zuversichtlich, das Programm „bald abgeschlossen“ zu wissen. Ob danach weitere Abbauprogramme zu befürchten seien, wird Rosenfeld in der Pressekonferenz gefragt. Seine Antwort: ein klares Jein. Zwar gebe es im Moment „keinen Anlass, zu glauben, das nächste Programm startet bereits übermorgen“. Aber man müsse schon die Entwicklungen im Auge behalten und bei Bedarf reagieren.

Wachstumsmärkte: humanoide Robotik, Verteidigung und Raumfahrt 

Immerhin will Schaeffler dem immer härteren Gegenwind in der Automotive-Industrie nicht tatenlos zuschauen. Wie bereits geschrieben, sollen die Wachstumsmärkte humanoide Robotik, Verteidigung und Raumfahrt schnellstmöglich (Rosenfeld: „vielleicht sogar schon vor 2035“) einen großen Beitrag zu einem bald wieder positiveren Konzernergebnis beitragen.

Eins der Wachstumsfelder, mit denen Schaeffler in die Zukunft blickt: humanoide Robotik.
Eins der Wachstumsfelder, mit denen Schaeffler in die Zukunft blickt: humanoide Robotik. // Foto: Stephan Großmann

Doch welche Rolle die fränkischen Standorte bei der Transformation des Geschäftsfokus spielen werden, kann oder will Rosenfeld an diesem Tag nicht beantworten. In welchen Werken wird welche Produktionslinie umgestellt, welche Mitarbeitenden beschäftigen sich künftig mit welchen Bauteilen? „Dafür ist es zu früh“, sagt Rosenfeld. Immerhin werden schon heute zentrale Robotik-Bauteile in der Region gebaut, beispielsweise Aktoren (vergleichbar mit Muskeln und Gelenken beim Menschen) in Höchstadt an der Aisch.

Neues Rüstungszentrum in München – gut für Franken?

Eins verrät Rosenfeld dann doch. So will Schaeffler das Zentrum seines Verteidigungsgeschäfts als Tochterunternehmen in München ansiedeln. Die Produktion hierfür wäre in der Nähe sinnvoll. Eine konkrete Aussage zur Bedeutung der fränkischen Standorte sowohl im Kerngeschäft als auch in den Wachstumsfeldern bleibt Rosenfeld auch nach der einstündigen Fragen-Antwort-Runde schuldig. Auch die Mitglieder der Arbeitnehmervertretungen wollen sich auf Anfrage nicht äußern.

Für die Beschäftigten aus der Region und jene, die auf die Wertschöpfung der Schaeffler AG anderweitig angewiesen sind, endet dieser Tag ohne neue Hiobsbotschaft. Und somit: vorsichtig optimistisch.

 

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