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Zähes Projekt in Bad Brückenau
Marberg reicht’s: Bürgerbaum wird jetzt Chefsache
Bürgerbaum Bad Brückenau: Streit der Statiker
Mitarbeiter Mario Schießer kümmert sich auf dem Betriebsgelände der Firma Heidelmeier um die verpackte Stahlstange des Bürgerbaums. // Kerstin Junker
Bürgerbaum Bad Brückenau: Streit der Statiker
Der Bürgerbaum liegt etwas versteckt am Rand des Betriebsgeländes der Firma Heidelmeier in Bad Brückenau. // Kerstin Junker
Bad Brückenau – Das einstige Vorzeigeprojekt von Stadt und Bürgerverein schleppt sich seit Monaten dahin. Jetzt spricht Bürgermeister Jan Marberg deutliche Worte in Richtung Statiker.
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Eigentlich sollte der Bürgerbaum längst den Platz vor dem Alten Brückenauer Rathaus schmücken. Stattdessen fristet die stattliche Stange ein Dasein am Rande des Betriebsgeländes der Firma Heidelmeier – verpackt, darauf wartend, aufgestellt zu werden. Dass das Aufstellen nicht gelingt, liegt an unterschiedlichen Ansichten des Bürgervereins „Wir für Bad Brückenau“ und des von der Stadt beauftragten Statikers zur Standfestigkeit des Baums. Zuletzt gab es Entwicklungen, aber keine guten.

Aufgabenteilung vereinbart

Am Anfang war noch alles in Ordnung: Stadt und Bürgerverein vereinbarten, dass erstere die Statik veranlasst und bezahlt. Letzterer erklärte sich für die Finanzierung und den Bau des Baums bereit.

Die Stadt beauftragte das Bad Brückenauer Ingenieurbüro Ditzel mit den Berechnungen. Die Firma Heidelmeier, deren Chef Hans-Jörg Heidelmeier gleichzeitig Vorstand im Bürgerverein ist, baute einen Baum aus Stahl, 18 Meter hoch, 2,5 Tonnen schwer. 49 Vereinswappen, dazu Zunftfiguren, Kranz, Stadtwappen und zwei Schilder für den Zunftspruch sollte die rot-weiß lackierte Stange einmal tragen.

Bürgerbaum Bad Brückenau: Aufstellung verschoben
Begutachtung des Bürgerbaums in einer Werkhalle der Firma Heidelmeier: (von links) Werkstattleiter Heinrich Propp, technischer Zeichner Mario Schießer, Statiker Alfred Ditzel, Hans-Jörg Heidelmeier, Bauhofleiter Michael Krug. // Kerstin Junker

Doch dann begann eine Hängepartie. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs gossen im Oktober 2024 vor dem Alten Rathaus eine Bodenplatte. Acht Gewindestangen wurden mittels sogenannter Klebeanker in den Beton integriert. Auch eine Anschlussplatte aus Stahl war gefertigt.

Bürgerbaum für Bad Brückenau: Platte auf Fundament gesetzt
Mitarbeiter des Bauhofs und der Firma Heidelmeier brachten die Anschlussplatte für den Bürgerbaum zu dessen künftigem Standort am Alten Rathaus. // Hans-Jörg Heidelmeier

Schon damals kamen in der Firma Heidelmeier Zweifel auf: Passen Ditzels Berechnungen zum fertigen Baum? Sind Fundament und Verankerung nicht zu klein beziehungsweise zu schwach dimensioniert?

Eigenen Statiker beauftragt

Hans-Jörg Heidelmeier beauftragte einen weiteren Statiker aus Neuhof bei Fulda. Der habe den Verdacht bestätigt, sagt er. Fundament und Verankerung wären durch den Baum um 34 Prozent überlastet. Der Unternehmer blies die Aufstellung und die für den 5. Dezember 2024 geplante Einweihung des Bürgerbaums ab.

Auch das Angebot des Büros Ditzel, die Verbindung von Basis und Baum durch weitere Knotenbleche zu stärken und die Last des Baums so besser zu verteilen, stimmte Heidelmeier nicht um. Da helfe auch nicht, dass Ditzel die volle Verantwortung übernehmen wolle. „Wenn der Baum umfällt, sitzen wir mit im Boot.”

Krisengespräch im Januar 2026

Ein weiterer, für den Frühling 2025 geplanter Einweihungstermin verstrich. Inzwischen liegt die Bodenplatte samt Gewindestangen wieder unter Pflastersteinen begraben.

Anfang 2026 ein Hoffnungsschimmer. Der Statiker des Büros Ditzel, der Prüfstatiker aus Neuhof und  Bürgermeister Jan Marberg (SPD) saßen am 20. Januar „in konstruktiver und angenehmer Atmosphäre“ zusammen, so Marberg. Laut ihm erging an Ditzel der Auftrag, zeitnah nachzuweisen, dass seine Berechnungen stimmen. Dieser habe Kontakt zum Hersteller der Klebeanker aufnehmen wollen. 

Fehlender Nachweis

Doch der statische Nachweis liegt bis heute nicht vor. Am Dienstag, 26. Januar, schrieb Marberg nach eigenen Angaben Ditzel eine erste Erinnerungsmail – und wurde am 27. Januar auf die folgende Woche vertröstet. Am 28. Januar mahnte Marberg ein Ergebnis noch in derselben Woche an; man wolle keine Zeit verlieren. Keine Reaktion.

Anfang Februar versuchte der Bürgerverein, Bewegung in die Sache zu bringen: Er schickte eine Aufstellung über die bisherigen Kosten des Projektes Bürgerbaum an die Stadt: Es sind rund 40.000 Euro. Marberg leitete die Rechnung an Ditzel weiter – ohne neue Erkenntnisse zu bekommen.

Zwei weitere Kontaktaufnahmen verliefen ähnlich. Zwischenzeitlich herrschte gar Funkstille. Inzwischen nennt der Bürgermeister die Angelegenheit eine „Posse sondergleichen“. Sie rücke die Stadt in schlechtes Licht.

Bürgerbaum Bad Brückenau: Streit der Statiker
Der verpackte Bürgerbaum in der Nahansicht. // Kerstin Junker

In dieser Woche meldete sich Ditzel bei Marberg mit der Bitte, einige technische Infos bei Heidelmeier einzuholen. Das wird der Bürgermeister persönlich tun. „Fakt ist: Der Bürgerbaum wird aufgestellt. Dafür wurde zu viel Zeit und Geld investiert. Wir müssen zeigen, dass wir zielorientiert arbeiten.”

Marberg sagt mit Blick auf den Statiker aber auch, dass es der letzte Versuch sei, die Zusammenarbeit zu einem guten Ende zu bringen. „Wir brauchen ein Ergebnis, ob die statische Standsicherheit gegeben ist oder nicht.“ Klappt das nicht, muss die Stadt sich „anderweitig umgucken oder den Baum auf andere Weise realisieren“. Ein Weg: weitere statische Berechnungen einholen.

Auch der Bürgerverein will wissen, ob und wie es weitergeht. „Müssen wir das Fundament, den Standort oder den Baum selbst ändern?“, fragt Hans-Jörg Heidelmeier. Stand jetzt müsse der Verein das Projekt für gescheitert halten.

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