0
Wahlbetrug in Wülfershausen
Bürgermeister tritt laut CSU-Chef aus Partei aus
260112_csu_grabfeld_nje_dsc_3671333.jpg
Christof Herbert, CSU-Kreisvorsitzender in Rhön-Grabfeld (links), fordert Wülfershausens Bürgermeister Wolfgang Seifert (rechts) zum Parteiaustritt auf. // Daniel Peter (Archivbild)
Signet des Fränkischen Tags von Thomas Pfeuffer,Hanns Friedrich,Michael Endres,Gerhard-Jirko Fischer
Wülfershausen/Bad Neustadt
Wülfershausen/Bad Neustadt – Der CSU-Kreisverband hat den Bürgermeister von Wülfershausen zum Parteiaustritt aufgefordert. Das sagen Steffen Vogel und die designierte Landrätin Sonja Rahm dazu.

Wie geht es weiter nach dem Wahlbetrug in Wülfershausen, den Bürgermeister Wolfgang Seifert eingeräumt hat? Noch am Tag der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Schweinfurt hat der CSU-Kreisvorsitzende Christof Herbert den beschuldigten Wolfgang Seifert aufgefordert, aus der Partei auszutreten. Parallel wird ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet.

„Wir, der CSU-Kreisverband Rhön-Grabfeld, distanzieren uns von diesem Vorgang, sind erschüttert und verurteilen diesen auf das Schärfste“, so Herbert in einer Stellungnahme gegenüber dieser Redaktion. „Nachdem Wolfgang Seifert selbst die Vorwürfe eingeräumt hat, fordern wir ihn auf, aus der CSU auszutreten“, heißt es vom CSU-Kreisverband.

CSU-Kreisvorsitzender: „Kein Platz in unserer Partei“

„Für einen derartigen Umgang mit demokratischen Grundsätzen ist kein Platz in unserer Partei“, schreibt Herbert. Wolfgang Seifert habe sich „aus unserer Sicht durch sein Verhalten insgesamt für die Übernahme politischer Ämter disqualifiziert.“

Foto Main-Post - 10196418
CSU-Bezirksvorsitzender Steffen Vogel bezieht Stellung zum Fall Wülfershausen. // Lukas Reinhardt

Auch Steffen Vogel, Bezirksvorsitzender der CSU Unterfranken, bezog am Donnerstag Stellung zu dem Fall. „Ich bin sehr betroffen von der ganzen Angelegenheit“, sagt Vogel. „Wolfgang Seifert hat Vertrauen zerstört, mutmaßlich eine Straftat begangen und wird nunmehr die Konsequenzen zu tragen haben. Er hat einen schweren Fehler gemacht, den er mit Sicherheit selbst sehr bereut.“

Ihm gegenüber habe Seifert erklärt, „dass er aus der CSU austreten wird, was nur richtig und konsequent ist“, erklärt der Bezirkschef. Er wünsche der Gemeinde Wülfershausen, dass im Ort wieder Ruhe einkehrt und ein Neuanfang gelingt.

VG-Vorsitzende äußert sich bei der Bürgerversammlung

Bei einer Bürgerversammlung in Saal am Mittwochabend sagte Cornelia Dahinten, die Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft (VG), zu der Wülfershausen gehört: „Ich bin fassungslos, kann aber keine weiteren Angaben machen. Nur so weit, dass Seifert Stellvertreter Willi Irtel nun die Amtsgeschäfte führt.“ Saals Bürgermeisterin verwies auf die Pressemitteilungen der Staatsanwaltschaft.

Foto Main-Post - 10433520
Cornelia Dahinten, Saals Bürgermeisterin und VG-Vorsitzende, zu der auch Wülfershausen gehört. // Thomas Hälker

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltungsgemeinschaft Saal, bei der die Auszählung der Stimmzettel am 8. März erfolgte, hätten korrekt gehandelt, betont Dahinten. Immer sei man in engem Kontakt mit dem Landratsamt gewesen. „Es verwundert uns und mich alle, wie es durch Wolfgang Seifert dazu kommen konnte“, sagte die VG-Vorsitzende.

Der Fall beschädige nicht nur die Gemeinde Wülfershausen, sondern die ganze Region. „Ich bin zutiefst erschüttert und mir fehlen die Worte. Es ist Wahnsinn, was da passiert ist“, sagte Dahinten.

Designierte Landrätin Sonja Rahm: Für das Dorf einen Weg nach vorn finden

Erschüttert von den Ereignissen in Wülfershausen zeigt sich auch Sonja Rahm. „Da hätt‘ ich in 100 Jahren nicht dran gedacht, dass er so etwas macht“, kommentiert die künftige Freie-Wähler-Landrätin für Rhön-Grabfeld die Wahlmanipulationen. Sie kenne Wolfgang Seifert schon sehr lange. Er sei immer sehr engagiert und geradlinig aufgetreten, sagte Rahm.

Sonja_Rahm.jpg
Sonja Rahm, die designierte Landrätin von Rhön-Grabfeld, will die Dorfgemeinschaft von Wülfershausen unterstützen. // Steffen Schneider, Bilderschmiede

Wichtiger als die Rückschau sei ihr allerdings der Blick nach vorn, erklärte Rahm. Es gehe jetzt vor allem um die Zukunft von Wülfershausen. Der Ort sei durch die Ereignisse „geschlagen“. Sie stehe mit Verantwortlichen in Wülfershausen in Verbindung und wolle helfen, einen Weg nach vorn zu finden. Entsprechend gehe es nun darum, ein Team zu bilden, das in dieser schwierigen Lage bereit ist, Verantwortung für die Gemeinde zu übernehmen. Sie habe ihre Unterstützung zugesagt und angekündigt, bei den entsprechenden Treffen dabei zu sein.

Inhalt teilen
  • kopiert!