Anfang August 2024 hatte sich Architektin und Stadtplanerin Ines-Ulrike Rudolph in Münnerstadt vorgestellt. Das Projekt Landstadt Bayern, das die Idee finanziell und fachlich unterstützt hatte, ein gemischtes Wohnquartier auf dem Treibhausgelände zu errichten, hatte auch ihre Stelle gefördert. Nun ihr der Auftrag beendet.
Im vergangenen Jahr sprach Ines Rudolph als Schnittstellenmanagerin für Umsetzungspartner die Bürgerschaft, Unternehmen oder soziale Bauträger an, veranstaltete Workshops oder Vorträge. Am Ende des Auftrags übergibt sie der Stadt die Ergebnisse aus den Gesprächen und eine Strategie, nach der sich die Stadt weiterhin richten kann.
Was soll am Treibhausareal entstehen?
Doch von Anfang an. Die Stadt will auf dem Treibhausareal, das sie gekauft hat, ein nachhaltiges, sozial gemischtes und facettenreich genutztes Areal entwickeln. Durch Landstadt Bayern war dafür eine umfassende Bürgerbeteiligung möglich. Die Wünsche flossen in den Ideenwettbewerb ein.
Die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Treibhaus, die aus mehreren Planungsbüros besteht, gewann den Wettbewerb, wie das Areal bebaut werden könnte. Die „Arge Treibhaus“ besteht aus dem jungen Planungsbüro Asap aus Würzburg mit Unterstützung der etablierten Büros Dischinger Zierer und Wamsler Rohloff Wirzmüller aus Regensburg.
Auf dem Gelände sollen fünf Höfe á drei Häusern und ein Hof á vier Häusern entstehen: Das sind rund 138 Wohnungen. „Wie genau die Höfe stehen, kann sich noch verändern“, so Ines Rudolph. Die Baukosten belaufen sich auf 2700 bis 4200 Euro pro Quadratmeter.
Was war Ines Rudolphs Aufgabe?
Es soll Wohnraum entstehen für Familien, junge Menschen und Azubis, lokale Arbeitskräfte, Senioren. Auch temporäres Wohnen und Arbeiten, barrierefreie Wohnungen, kleines Gewerbe, und Mehrgenerationen-Wohnen sind Stichpunkte. Wichtig dafür sei ein Mix an verschiedensten Investoren, so die Schnittstellenmanagerin.
„Ich sollte Interessenten eruieren und eine Strategie entwickeln, wie die Stadt auch wirklich zu diesem gemischten Wohnquartier kommt.“ Dies sei nicht die Aufgabe des Architekturbüros, das sich mehr um technische und bauliche Fragen kümmert. Rudolph fungierte daher als Schnittstelle zwischen der architektonischen Planung und den Bedarfen aus der Bevölkerung.
Daher sprach sie die Bürgerinnen und Bürger aus Münnerstadt und dem Umland an, aber auch Unternehmen oder soziale Bauträger. „Professionelle Investoren kommen mit der öffentlichen Ausschreibung von alleine“, so Ines. Die semiprofessionellen und bürgerlichen Investoren müsse man schon zuvor mitnehmen.
Was ist in dem Jahr passiert?
Der Plan zu Beginn ihrer Arbeit Mitte August 2024 war, dass im September die Rahmenplanung durch die Arbeitsgemeinschaft Treibhaus beginnt und beide Stränge parallel laufen. So kam es nicht. „Ist aber nicht schlimm, wir haben die Zeit sehr gut genutzt“.
Begonnen hatte Ines Rudolph im August mit der Grundlagenermittlung, auf die bis Oktober eine Stakeholder-Analyse folgte: eine Analyse aller vom Projekt betroffenen oder daran interessierten. Bei zwei Auftakt-Workshops im September kamen fachliche und politische Vertreter zusammen. Die Treibhaus-Menüs mit Referentenvorträgen im November, März und Juli richteten sich dagegen an die Öffentlichkeit.
Von Oktober bis März begleitete Ines Rudolf die Stadt, die Leistungsbausteine für den Vertrag der Rahmenplanung mit der Arbeitsgemeinschaft Treibhaus festzulegen. Parallel laufen immer wieder Gespräche mit Interessierten und weitere Analysen.
Der Auftrag, der bis 31. Mai 2025 vorgesehen war, wurde letztlich um zwei Monate verlängert – weil viele Interessenten sich in dieser Zeit zurückmeldeten und wegen der Sommernutzung des Treibhaus-Areals.
Ergebnisse aus Rudolphs Arbeit
Was Ines Rudolph nun übergibt: zum einen die Ergebnisse der Stakeholder-Analysen, also welche lokalen Akteure und Unternehmen, welche sozialen Bauträger und öffentlichen Wohnbaugesellschaften Interesse am Projekt haben.
Auch erarbeitete sie eine Interessentenkartei mit rund 50 Interessierten an Mietwohnungen oder Eigentum – 20 davon gehören zu zwei Baugruppen, die sich unter Ines Rudolphs Begleitung gebildet haben. Zudem gibt es ein Kontaktformular und ein Exposé zur Ansprache von Investoren. Auch verfügt die Stadt jetzt über einen Expertenpool, den sie in dieser Zeit aufgebaut hat.
Auch gab die Planerin der Stadt eine Zielmatrix „Qualitäten der Planung und Entwicklung“ mit, die zusammenfasst, was sich im vergangenen Jahr als Ziele der Stadt herausstelle und woran deren Erreichung messbar ist.
Wie geht es weiter?
In der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause beschloss der Stadtrat, die genannte Zielmatrix als Grundlage für weitere Planungen zu nutzen. Auch ein Gestaltungsbeirat solle ins Leben gerufen werden. Zudem solle die Verwaltung prüfen, ob noch in diesem Jahr die bereits länger gewünschte (geförderte) Stelle eines Quartiersmanagements für die Altstadt und das Treibhausquartier geschaffen werden kann.
Diese Stelle würde dann Teile der Aufgaben übernehmen, die zuvor Ines Rudolph innehatte. Weitere Aufgaben wird die Arbeitsgemeinschaft Treibhaus im Rahmen der die Rahmenplanung übernehmen, die derzeit startet. In etwa einem Jahr folgt der Bebauungsplan.
















