Der Fachkräftemangel macht vor keiner Branche halt. Dieses Mal trifft es die Median Klinik Bad Kissingen. Die Reha-Klinik hat sich zu einem drastischen Schritt entschlossen und schließt die Abteilung Geriatrie.
„Median Klinik Bad Kissingen reagiert auf Fachkräftemangel und finanzielle Engpässe mit strategischer Neuausrichtung“, so ist eine Pressemitteilung des Hauses überschrieben. In Bezug auf den Fachkräftemangel heißt es weiter: „Besonders betroffen sind Rehabilitationskliniken mit geriatrischen Abteilungen, die aufgrund des Personalmangels und nicht ausreichender Finanzierung durch die Kostenträger zunehmend in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt werden.“
Noch nie erlebte „Dimension“ erreicht
Insbesondere die geriatrische Abteilung der Klinik in Bad Kissingen, die über Jahre hinweg eine wichtige Säule im Behandlungskonzept der Klinik dargestellt habe, befinde sich aufgrund der angespannten Fachkräfte- und Finanzsituation an ihrer Belastungsgrenze. „Die finanziellen Belastungen in der Geriatrie steigen kontinuierlich, während gleichzeitig die Nachfrage nach unseren Leistungen im orthopädischen Bereich unverändert hoch bleibt. Die Situation in der Geriatrie hat für uns mittlerweile eine Dimension erreicht, die wir so noch nie erlebt haben“, erklärt Sven Drechsel, Kaufmännischer Leiter der Klinik. „Trotz intensiver Bemühungen sind wir daher leider gezwungen, die geriatrische Abteilung dauerhaft zu schließen.“
Die geriatrische Rehabilitation richtet sich an ältere, meist mehrfach erkrankte Menschen und hat das Ziel, nach einer akuten Erkrankung, einer OP oder einem Unfall die Selbständigkeit und Lebensqualität wiederherzustellen – oder sie möglichst lang zu erhalten.
Wichtig dabei ist, so eine Sprecherin der Klinik, der ganzheitliche Ansatz. „In der geriatrischen Reha werden medizinische, pflegerische, psychologische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Typische Patientinnen und Patienten sind hochbetagte Menschen nach Schlaganfällen, Hüft- oder Oberschenkelhalsfrakturen, Herzinfarkten, größeren Operationen oder schweren Infekten.“
Fokus auch auf Training von Alltagsfähigkeiten
Ein wesentlicher Bestandteil sei auch das Trainieren von Alltagsfähigkeiten wie Anziehen, Waschen, Essen oder die sichere Mobilität. Um das zu erreichen, arbeiten verschiedene Berufsgruppen eng zusammen: Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapeuten und -innen, Ergotherapeuten, Logopäden, Pflegekräfte, Psychologen sowie die Sozialdienste.
Werden die Reha-Ziele erreicht, kann der Patient wieder in die Lage gebracht werden, sein Leben autark zu führen, eine Verschlechterung der Pflegebedürftigkeit werde auch verhindert, so die Sprecherin.
Weiterhin besteht das Kompetenzzentrum Amputation in der Klinik, das 2018 gegründet wurde.
Kaufmännischer Klinikleiter: „Schwierige, aber notwendige Entscheidung“
Dieser Schritt fiel der Klinikleitung nicht leicht, da die geriatrische Abteilung über viele Jahre hinweg in enger Zusammenarbeit mit externen Partnern aufgebaut und erfolgreich geführt worden sei. Drechsel betont: „Die Schließung der geriatrischen Abteilung ist eine schwierige, aber notwendige Entscheidung. Sie ermöglicht es uns, uns auf unsere Kernkompetenz im Bereich Orthopädie zu konzentrieren, und sichert so die langfristige Stabilität der gesamten Klinik.“
Mitarbeiter werden der Orthopädie zugeordnet
Die Median Klinik Bad Kissingen sieht laut Pressemitteilung in der Entwicklung aber auch Chancen: Ein positiver Aspekt der aktuellen Lage sei die Möglichkeit, nahezu alle Mitarbeitenden aus der Geriatrie in die erweiterte Orthopädie zu integrieren. Bis auf das ärztliche Leitungsteam können alle Mitarbeitenden weiterbeschäftigt werden.
„Es ist uns eine große Freude, unseren langjährigen und fachlich versierten Kolleginnen und Kollegen eine neue Perspektive zu bieten“, so Drechsel. „Wir stärken damit die Orthopädie nicht nur personell, sondern stellen auch sicher, dass die wertvolle Erfahrung unserer Geriatrie-Mitarbeitenden im Umgang mit älteren Patienten in der Orthopädie genutzt wird. So bleibt die Expertise in diesem Bereich erhalten und kann in die Zukunft weitergetragen werden.“
Auch Chefarzt Dr. Martin Deffner, der die orthopädische Abteilung leitet, zeigt sich zuversichtlich: „Wir haben in der Orthopädie ein starkes, gut eingespieltes Team und eine ausgezeichnete Infrastruktur. Die Integration der Geriatrie-Mitarbeitenden ist eine hervorragende Gelegenheit, unsere Expertise weiter auszubauen und unseren Patientinnen und Patienten weiterhin eine optimale Versorgung zu bieten.“

















