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Bauarbeiten
Braucht’s die Großbaustelle Nordring?
Thomas Ahnert kommentiert.
Thomas Ahnert kommentiert. // Gerhild Ahnert
Bad Kissingen – Da gibt es doch Straßen in Bad Kissingen, die dringender saniert werden müssten, meint unser Kommentator.

Ich gebe zu, dass ich zunächst nicht ganz durchgeblickt habe, dass ich etwas verwirrt war, als ich am Donnerstag die Zeitung in die Hand nahm. Ich blieb gleich an der ersten Überschrift hängen.

„Nordring wird Großbaustelle“ stand da. Und darunter erfuhr ich, dass die Arbeiten ein Jahr dauern werden und: „Diese Einschränkungen kommen auf Autofahrer zu.“

Horrorszenen

Und dann werden mir verschiedene Horrorszenen von eingeschränkter Zweispurigkeit bis Vollsperrung vorgeführt, die ausgeklügelte Umleitungen erforderlich machen, unter anderem auch durch das Wohngebiet Bad Kissingen-Nord-Ost. Das kann ja was geben!

Aber dann denke ich an die letzte Großbaustelle mit Vollsperrung für den Garitzer Kreisel, und ich beruhige mich. Denn da hatte sich das Umleitungssystem nach kurzer Eingewöhnung schnell etabliert und bewährt.

Eine der glattesten Oberflächen

Aber dann komme ich doch wieder ins Grübeln: Der Nordring zwischen dem Kino, also der alten Ausfahrt der Daley Barracks und der Einmündung Salinenstraße soll saniert werden!

Wieso denn das? Darauf wäre ich nie gekommen. Wieso ausgerechnet ein Straßenstück, das in Bad Kissingen eine der glattesten Fahrbahnoberflächen hat!

Von Glasfaser ist nicht die Rede

„Damit leisten wir einen erheblichen Beitrag zur Modernisierung unserer Straßen“, meinte Oberbürgermeister Dirk Vogel. Die Fahrbahn werde neu gemacht, die Stadtwerke würden Teile ihres Gas-, Wasser- und Stromnetzes ertüchtigen (gab es da schon akute Probleme?). Von Glasfaserkabel (modern) war offenbar nicht die Rede.

Die tatsächlich recht breite Staatsstraße soll verschmälert werden zugunsten eines Fuß- und Radweges. Dafür müssen die Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Gehweg geopfert werden – doch eigentlich Garanten für Sicherheit.

Das sei unterm Strich ein Beitrag zu Erhöhung der Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer.

Nur wenige Radfahrer unterwegs

Damit ich nicht falsch verstanden werden: Ich weiß, wie wichtig Radfahrer sind. Aber ist ihre Sicherheit am Nordring wirklich so gefährdet, dass akuter Handlungsbedarf besteht?

Als Unfallschwerpunkt ist mir dieser Ringabschnitt noch nie aufgefallen – vermutlich deshalb, weil dort nur sehr wenige Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind.

Denn schließlich ist ja der Weg durch den Kurpark eine attraktive Alternative. Und vielleicht sind deshalb wenige oder gar keine Radler auf diesem Abschnitt zu Schaden gekommen, weil die Fahrbahn so breit ist.

Nicht unsinnig, aber aufschiebbar

Ich bin kein Straßenbaufachmann. Für mich klingen die ins Auge gefassten Maßnahmen nicht unsinnig, aber aufschiebbar. Denn der OB hat absolut recht, wenn er feststellt, dass die Stadt viele marode Straßen hat und einen deutlichen Investitionsstau vor sich herschiebt.

Und ich denke, wir haben da an anderen Stellen dringenden Handlungsbedarf, auch im Sinne der Tourismusförderung, wie etwa eine durchgehende Erneuerung der mittlerweile vollkommen vernarbten Schönbornstraße, der Haupteinfallstraße ins Weltkulturerbe.

Vielleicht sollte die Stadt (oder die Zeitung) mal eine Umfrage starten, welche ihrer Straßen die Kissinger für die schlechteste halten und entsprechend reagieren.

Platz eins: Wankel-/Liebigstraße

Für mich ist die Schönbornstraße nur auf Platz 2. Mein Spitzenreiter ist die Wankel-/Liebigstraße. Wenn ich da runtergefahren bin, halte ich an und ziehe am Auto alle Schrauben nach. Aber es gibt wirklich noch genug andere Straßen.

Und man könnte auch begonnene Aktion des Servicebetriebes, die Fahrbahnmarkierungen aufzufrischen, erkennbar fortsetzen. Seit die Straßenbeleuchtung nur noch gefährlich funzelig ist, sind auch die Kontraste durch unscharfe Fahrbahnränder nivelliert worden.

Da gibt es einige Gefahrenstellen und fahrerische Unsicherheiten, wie am höchsten Punkt der Kissinger Straße mit ihrer nicht einsehbaren Kurve.

Traum von OB Zoll verwirklichen

Und man könnte vielleicht einen Traum von OB Christian Zoll (reg. 1990 – 2002) verwirklichen: das Verschwinden der „katzenkopf-gepflasterten“ Kurven für die amerikanischen Panzer.

Drei gab es; zwei sind bereits verschwunden: an der Ausfahrt von den Daley Barracks in den Ring und an der Abzweigung Ostring/Wendelinusstraße.

Die dritte, scharfe, laute und bei Nässe gefährliche Kurve am unteren Ende der Bergmannstraße Richtung Bahnhof versteckt sich noch unter Bäumen. Zoll hatte die Kosten jedes Jahr in den Haushaltsplan eingestellt, und jedes Jahr wurde der Posten wieder gestrichen. Die Umgebung hat sich offenbar an die Geräuschkulisse gewöhnt.

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