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Pflege und Soziales
David Hettiger: Ein Pfleger an der Caritas-Spitze
David Hettiger war zehn Jahre in Miltenberg bei den Johannitern in leitender Funktion tätig, jetzt führt er als Vorstand den Caritas Kreisverband Bad Kissingen.
David Hettiger war zehn Jahre in Miltenberg bei den Johannitern in leitender Funktion tätig, jetzt führt er als Vorstand den Caritas Kreisverband Bad Kissingen. // Benedikt Borst
Bad Kissingen – Der 40-Jährige ist neuer Chef des Verbandes. Wie er dem Personalnotstand begegnet, wo Digitalisierung sinnvoll ist und warum die Tagespflege Sorgen macht.

40 Jahre alt, gelernter Pfleger, seit August neuer Chef der 200 Caritas-Mitarbeiter im Landkreis: Das ist David Hettiger (Main-Spessart). „Ich war immer im sozialen Bereich und in Wohlfahrtsverbänden tätig. Das ist das, was ich gerne mache“, sagt der neue Caritas-Vorstand.

Nachfolger für Anne Hilpert-Böse

Die bisherige Vorständin Anne Hilpert-Böse hat die Caritas nach sieben Jahren an der Spitze aus privaten Gründen verlassen. Bis Ende August hat sie die Geschäfte geleitet und ihren Nachfolger in den ersten Wochen unterstützt. „Es fühlt sich alles sehr frisch an, aber ich fühle mich sehr wohl“, kommentiert der neue Vorstand seine Einarbeitung.

Der gebürtige Würzburger hat nach der Schule die Pflegeausbildung begonnen und 2004 absolviert. Im Anschluss setzte er Studiengänge im Gesundheits- und Pflegemanagement obendrauf und spezialisierte sich auf Wohlfahrtsverbände. „Nebenbei habe ich als Pflegekraft gearbeitet, um das Studium zu finanzieren“, erzählt er.

Ab 2013 war er in Miltenberg für die Johanniter tätig, unter anderem als Geschäftsführer des Ortsverbandes. Nach zehn Jahren wechselt er zur Caritas nach Bad Kissingen. „Die rote Linie in meinem Leben ist die Pflege. Und der christliche Glaube spielt für mich eine tragende Rolle“, sagt Hettiger.

Hauptaufgabe: Pflegekräfte halten

Als die größten Herausforderungen der nächsten Jahre sieht er den Personalnotstand in der Pflege, die Digitalisierung und den Druck, wirtschaftlich zu arbeiten. Die Altenpflege ist mit Abstand der größte Arbeitsbereich. „Der Fokus liegt darauf, dass es hier gut funktioniert“, betont er. Aktuell besuche er die Pflegedienste, um sich einen Überblick zu verschaffen, auch über Anliegen des Personals.

Hettiger meint: „In meinen Augen muss man schauen, dass sich die Kräfte, die man hat, wohlfühlen.“ Es sei wichtig, der Belegschaft Wertschätzung entgegenzubringen und ihre Anliegen ernst zu nehmen, um die „Kräfte, die man hat, zu sichern“. Aufgrund der alternden Gesellschaft werde der Pflegebedarf zunehmen, gleichzeitig scheiden geburtenstarke Jahrgänge aus dem Beruf aus. Der Personalnotstand werde sich verschärfen.

Pflegekräfte aus dem Ausland: Weniger Bürokratie

Pflegekräfte aus dem Ausland sieht er als Teil der Lösung. Hier müsse die Politik dafür sorgen, dass Qualifikationen aus dem Ausland anerkannt werden und dass das Verfahren bis zum Job schneller und unbürokratischer abläuft.

Die Bezahlung des Pflegeberufs sieht Hettiger nicht als Hauptproblem. Zwar sei es wünschenswert, wenn er aufgrund der vielen Belastungen – Leid, schwere körperliche Arbeit, Schichtdienste – besser gestellt würde, aber: „Wenn geklagt wird, dass es grundsätzlich schlecht bezahlt wird, wird das dem Beruf nicht gerecht“, findet er. Er wünsche sich, dass Pflegekräfte positiver über den Beruf reden. Trotz aller Belastungen sei dieser erfüllend und sinnstiftend. Dies stärker zu betonen, sei wichtig, um junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen.

Wo ist Robotik in der Pflege sinnvoll?

Die Digitalisierung des Pflegeberufs sieht er als zweite Herausforderung. Im Management und in der Dokumentation werde das bereits umgesetzt, in der Pflege selbst allerdings noch wenig. Dem Thema Robotik steht Hettiger abwartend gegenüber. „Man muss schauen, wo ist es praxisdienlich und überfordert die Menschen nicht“, sagt er. Der menschliche Kontakt lässt sich in der Grundpflege nicht ersetzen. Zur Beschäftigung von Pflegebedürftigen, etwa für Spiele, sei digitale Technik jedoch „hilfreich, zeitgemäß und nicht verwerflich“.

Als weitere Aufgabe sieht er die Wirtschaftlichkeit. Der Verband sei finanziell stabil, aber: „Im gemeinnützigen Sektor ist es immer eine Herausforderung, eine schwarze Null zu erwirtschaften“, sagt er. Ein Sorgenkind ist die Tagespflege, die seit der Pandemie nicht voll belegt ist. Personal sei vorhanden und man könne Patienten aufnehmen.

Tagespflege kann Patienten aufnehmen

Vor Corona lag die Auslastungsquote bei mehr als 90 Prozent, inzwischen pendelt sie zwischen 40 und 70 Prozent. „Die Tagespflege muss mehr ausgelastet werden. Die Situation ist unbefriedigend und wirtschaftlich für den Verband schwierig“, sagt er. Ein Patentrezept, sie zu steigern, gebe es nicht. In der Pandemie haben die Leute die Angebote gemieden und es haben sich private Versorgungsstrukturen entwickelt. Es sei wichtig, den Leuten die Vorteile der Tagespflege bewusst zu machen.

Ein Pilotprojekt ist es, Kindergärten, die bisher von kirchlichen Vereinen getragen werden, in den Caritasverband einzugliedern. Bei einer ersten Einrichtung wird das aktuell vorbereitet.

Bernd Keller, Vorsitzender des Caritasrates, betont, dass das Gremium hinter dem neuen Vorstand steht. „Herr Hettiger zeigt mit seinem beruflichen Weg, wie gut er für die Verantwortung vorbereitet ist und die Tätigkeit ausfüllen wird“, sagt er. Die Caritas werde für die Menschen im Landkreis da sein.

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