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Für Kinder
Mittagessen kostenlos: das sagt der Kinderschutzbund Coburg
Schulessen
Schüler sitzen beim Mittagessen in der Mensa einer Grundschule. Der Bürgerrat empfiehlt, dass das Essen künftig kostenlos sein soll. // Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv
– Der Bürgerrat empfiehlt kostenloses Mittagessen für Kinder. Der Coburger Kinderschutzbund sagt, warum das höchste Zeit wird. Das Thema ist seit 2007 in der Vestestadt aktuell.

Kein Geld zum Einkaufen. Besonders schlimm ist das, wenn Kinder in der Familie sind und in der Schule täglich ein Pausenbrot brauchen. Bettina Dörfling vom Kinderschutzbund Coburg kennt die traurige Realität:  "Zu uns kommen tatsächlich immer wieder Eltern, weil sie gerade kein Geld haben, um einen Einkauf zu tätigen, weil die Leistung verspätet kommt oder noch nicht ausbezahlt wurde, weil noch Unterlagen fehlen oder die Sachbearbeiterin erkrankt ist. Diese Schnittstelle können viele Familien nicht überbrücken und das ist fatal."

Umso mehr freut sich die Vorsitzende des Kinderschutzbundes über die aktuelle Nachricht aus Berlin: 160 ausgeloste Teilnehmer haben in einem Bürgerrat über Ernährung diskutiert - und nun ihre Empfehlungen für den Deutschen Bundestag vorgelegt. Wichtigster Vorschlag ist ein kostenloses Mittagessen in Schulen und Kitas, derBundestagspräsidentin Bärbel Bas bereits vorgestellt wurde.
Das ist zwar Ländersache, der Bund aber solle dies mindestens zur Hälfte finanzieren. Bisher könnten nur armutsgefährdete Kinder ein kostenfreies Mittagessen erhalten. Die Ausweitung solle die gesunde Ernährung von Kindern fördern, so die Empfehlung. Eingeführt werden könne das kostenfreie Mittagessen staffelweise innerhalb von acht Jahren, beginnend in Kitas.

Das bisherige Prozedere

"Das wäre klasse, wenn das umgesetzt werden sollte! Ich stimme aus tiefstem Herzen dafür, auch wenn es zu Ausgaben für die Kommune und den Staat führt", sagt Bettina Dörfling. "Alle Kinder erhalten ein kostenloses Mittagsessen und die ganze Prozedur der Antragsstellung fällt für Eltern oder Alleinerziehende weg. Das ist ein riesengroßer Aufwand, nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Behörde", weiß die Vorsitzende des Kinderschutzbundes. 

Sie erklärt die Vorgehensweise, die derzeit praktiziert werden muss: Die Bezieher:innen von Bürgergeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag müssen den Antrag an die Schule geben, diesen vorher besorgen und dann an die jeweilige Stelle abgeben, diese prüft und bescheidet das. Jeden Monat erhält die Familie eine Info (in Briefform), dass für den jeweiligen Monat das Mittagessen für Kind X bezahlt worden ist. "Das alles ist ein hoher Personalaufwand und ein Kostenfaktor, der mit dem kostenlosen Mittagessen für alle Kinder wegfallen würde. Es gibt so viele Familien, die trotz Anspruchsberechtigung entweder gar nicht wissen, dass sie das beantragen können oder die entscheiden, dass der Aufwand zu hoch ist oder zu kompliziert. Und dann gibt es viele Familien, die gerade mal so finanziell über die Runden kommen, ohne anspruchsberechtigt zu sein", weiß die engagierte Sozialpädagogin.

"Wir wissen, dass durch die Inflation und die Verteuerung insbesondere von Obst und Gemüse die Familien und damit die Kinder genau auf diese Lebensmittel verzichten müssen, weil sie zu teuer sind. Eltern bemühen sich sehr, dass ihre Kinder nicht leiden, und um das zu managen, haben die Eltern viel Stress."

Der Kinderschutzbund Coburg Stadt und Land hat über die Aktion Sterntaler zu Weihnachten Gutscheine von einem Einkaufsmarkt ausgegeben und 20 Familien beschenkt, die im Leistungsbezug sind. Seit 2007 gibt es die Aktion Sterntaler, die vom Coburger Tageblatt initiiert wurde. Grund dafür waren die weit über 1000 Kinder, die an der Armutsgrenze leben. An dieser Zahl hat sich bis heute nicht viel geändert.  Die Aktion Sterntaler unterstützt Familien jährlich im fünfstelligen Bereich. 

Die Spenden aus der Aktion Sterntaler kamen schon in den Anfangsjahren Kindern zugute, die ein warmes Mittagessen brauchten. Jugendamtsleiter Reinhold Ehl unterstützte die Initiative, weil ihm bewusst war, dass es in Coburg Kinder gibt, die leer ausgehen, weil sich die Eltern das warme Mittagessen an Schulen nicht leisten können. 

Hintergrund

Bürgerrat - Teilnehmer per Zufallsprinzip
Die Empfehlungen des Rates sollen bis Ende Februar in einem Gutachten zusammengefasst werden, das dann im Parlament und in Fachausschüssen diskutiert wird. Es ist der erste Bürgerrat dieser Art. Der Bundestag hatte seine Einsetzung im Mai vergangenen Jahres beschlossen. Die Teilnehmer wurden über ein mehrstufiges Verfahren nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.

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