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Ein Tag in der Notaufnahme
Diagnose unter Druck: Zwischen Sprachhürden und Lebensgefahr
Ein Tag in der Notaufnahme
Dr. med. Franziska Groenen ist Chefärztin in der Notaufnahme. Hier leitet sie gerade einen Medizinstudenten an und erläutert die richtige Durchführung eines Herzultraschalls. // Julia Scholl
Ein Tag in der Notaufnahme
Eine Arbeit, die unter die Haut geht. Einige haben sich sogar die Kennzahl der Coburger Notaufnahme tätowieren lassen, als Zeichen der Verbundenheit mit dem Team. // Julia Scholl
Coburg – Das Team in der Coburger Notaufnahme kämpft täglich um das Wohl ihrer Patienten. Wir werfen einen Blick hinter die Türen, die sich für alle öffnen. Immer.

„Können Sie das Knie bewegen? When did the pain start? Did you fall?“, fragt Christine Metzger, Medizinische Fachangestellte. Knieschmerzen und ein Taubheitsgefühl treiben den Mann mittleren Alters in die Notaufnahme. Doch der russische sprechende Patient kann kaum Englisch, kein Deutsch. Ein Problem, wenn es um medizinische Diagnosen geht und darum, einzuschätzen, wie dringlich es ist. Christine Metzger greift zum Telefon, wie so oft an diesem Tag in der Notaufnahme. 

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Christine Metzger übernimmt die Triage der Patienten. // Julia Scholl

365 Tage, 24 Stunden: Die Notaufnahme ist offen – immer und für jeden. Hier verblassen soziale Unterschiede und kulturelle Hintergründe. Alles suchen eines: Hilfe. Und es wird geholfen, ob Zeckenbiss oder Verkehrsunfall. Auch dann, wenn es eigentlich kein Fall für die Notaufnahme ist.

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Anfahrt Rettungswagen an der Notaufnahme. // Julia Scholl

Der Patient hat immer Recht

Die Coburger Notaufnahme hat zwei Eingänge: einen für Patienten, die ein Rettungswagen bringen muss. Der andere ist für alle anderen. Etwa 35.000 Notfallpatienten kommen jährlich in der Zentralen Notaufnahme am Sana Klinikum Coburg. Ab 11 Uhr, wenn andere schon an Mittagspause denken, geht es in der Coburger Notaufnahme eigentlich erst richtig los, denn dann haben die meisten Hausarztpraxen zu. Das bedeutet: mehr Menschen im Warteraum.

Eine Mutter mit ihrem Kind, das sich den Kopf gestoßen hat, eine Tochter mit ihrer älteren Mutter, die sie eingekotet und desorientiert auf dem Boden gefunden hat, und ein Chemotherapie-Patient mit Bauchschmerzen: Sie alle sind unter den Patienten, die heute darauf warten, dass sich die Türe öffnet und Christine Metzger sie hereinbittet. 

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Mit Schmerzen von zehn läuft man in der Regel nicht mehr selbstständig.

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Christine Metzger Medizinische Fachangestellte

Zwölf Behandlungsräume, davon zwei Schockräume, hält die Notaufnahme vor. Pro Tag sind etwa 17 Pflegekräfte und zehn ärztliche Mitarbeiter im Einsatz, wenn es erforderlich ist, werden aus dem Haus noch Fachärzte hinzugeholt. Doch trotzdem ist nicht immer sofort Platz und Zeit für jeden Patienten.

In der Coburger Notaufnahme wird nach dem Manchester Triage System gearbeitet. Die Einstufung erfolgt aufgrund von Symptomen, Vitalwerten und Schmerzgraden auf einer Skala von eins bis zehn in fünf Kategorien: von Rot (sofortige medizinische Versorgung) bis Blau (sehr niedrige Dringlichkeit). 

Wann bin ich an der Reihe? Die Notaufnahme arbeitet nach dem Manchester Triage System, dass die Dringlichkeit der Behanldung einschätzt.
Wann bin ich an der Reihe? Die Notaufnahme arbeitet nach dem Manchester Triage System, dass die Dringlichkeit der Behandlung einschätzt. // Sana Kliniken AG

Gerade das Einordnen von Schmerzen ist für Patienten nicht immer leicht. „Mit Schmerzen von zehn läuft man in der Regel nicht mehr selbstständig“, sagt Christine Metzger. Und doch gilt am Ende eines: „Der Patient hat immer Recht.“

Die Auswirkungen von Corona

„Triage war vor Corona sicher kein Begriff, den viele außerhalb des medizinischen oder militärischen Bereiches kannten“, erklärt Thomas Bohnke, Fachkrankenpfleger für Notfallpflege, während er mit zügigen Schritten den Gang entlangläuft. Zehn bis 14 Kilometer in einer Schicht, das ist für die Mitarbeiter keine Seltenheit. 

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Oberarzt Kamil Mustafayev und Thomas Bohnke, Fachkrankenpfleger für Notfallpflege, (rechts) schätzen die flachen Hierarchien in der Notaufnahme und das Team. // Julia Scholl

Aus dem Behandlungszimmer, an dem er gerade vorbeieilt, dringt eine Unterhaltung auf Spanisch. Der ältere Patient auf dem Bett scherzt mit der behandelnden Ärztin. Doch der Verdacht ist ernst: Herzinfarkt. „Wir machen einen Herzultraschall“, sagt Franziska Groenen, Chefärztin der Notaufnahme. Die Kommunikation ist nicht ganz einfach, doch ein junger Medizinstudent kann übersetzen. „Und jetzt bist du mal dran“, sagt Groenen und macht den Stuhl frei für den Nachwuchs. Die Notaufnahme sei eine gute Schule: „Man bekommt einen Einblick in die ganze Palette.“

Was gehört in die Notaufnahme?

Acht Jahre lang arbeitete Franziska Groenen in Sonneberg in der Notaufnahme. Seit April leitet sie nun die Notaufnahme in Coburg und ist zusätzlich noch im Rettungsdienst als Notärztin unterwegs. „So bekommt man ein gutes Verständnis für die andere Seite“, sagt sie. Sie weiß auch, wo es Optimierungsbedarf gibt. So wird aktuell zum Beispiel ein einheitliches Modell für die Übergabe mit dem Rettungsdienst implementiert, um Informationen strukturiert zu übermitteln.

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In diesem Raum wird triagiert. Das bedeutet, die Patienten werden nach Dringlichkeit eingestuft. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Einer der Schockräume. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Dr. med. Franziska Groenen ist Chefärztin in der Notaufnahme. Hier leitet sie gerade einen Medizinstudenten an und erläutert die richtige Durchführung eines Herzultraschalls. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Rosie Schnäpp arbeitet schon seit 1998 in der Notaufnahme. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Hier lagert die Arbeitskleidung der Mitarbeitenden. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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In der Notaufnahme heißt es oftmals schnell handeln. Der Raum mit dem Gerät für Magnetresonanztomografie (MRT) ist direkt an einen Schockraum angebunden. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Oberarzt Kamil Mustafayev und Thomas Bohnke, Fachkrankenpfleger für Notfallpflege, (rechts) schätzen die flachen Hierarchien in der Notaufnahme und das Team. // FOTOGALERIE Julia Scholl
Ein Tag in der Notaufnahme
Eine Arbeit, die unter die Haut geht. Einige haben sich sogar die Kennzahl der Coburger Notaufnahme tätowieren lassen, als Zeichen der Verbundenheit mit dem Team. // FOTOGALERIE Julia Scholl
Ein Tag in der Notaufnahme
Anfahrt Rettungswagen an der Notaufnahme. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Anfahrt Rettungswagen an der Notaufnahme. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Abfahrt: Für Arthur Beiersdorf geht es weiter. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Hier lagert die Arbeitskleidung der Mitarbeitenden. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Arthur Beiersdorf ist Auszubildender zum Notfallsanitäter. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Ein Tag in der Notaufnahme // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Auch für die Kleinen ist gesorgt. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Muss ein Patient isoliert werden, kommt er als erstes in diesen Raum. // FOTOGALERIE Julia Scholl
Ein Tag in der Notaufnahme
Via eines Herzultraschalls gehen die Ärzte einem möglichen Herzinfarkt auf den Grund. // FOTOGALERIE Julia Scholl
Ein Tag in der Notaufnahme
Dr. med. Franziska Groenen ist Chefärztin in der Notaufnahme. // FOTOGALERIE Julia Scholl
Ein Tag in der Notaufnahme
Immer den Überblick behalten! Wer liegt wo? Wer wartet noch? Das System weiß alles. // FOTOGALERIE Julia Scholl
Ein Tag in der Notaufnahme
Ein etwas ruhigerer Nachmittag in der Notaufnahme. // FOTOGALERIE Julia Scholl
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Über dieses System wird das Team über eintreffende Rettungswägen informiert. Rot ist dabei die dringlichste Stufe. // FOTOGALERIE Julia Scholl
Ein Tag in der Notaufnahme
Christine Metzger übernimmt die Triage der Patienten. // FOTOGALERIE Julia Scholl
Ein Tag in der Notaufnahme
Anfahrt Rettungswagen an der Notaufnahme. // FOTOGALERIE Julia Scholl
Ein Tag in der Notaufnahme
Anfahrt Rettungswagen an der Notaufnahme. // FOTOGALERIE Julia Scholl
Ein Tag in der Notaufnahme
Rosie Schnäpp arbeitet schon seit 1998 in der Notaufnahme. // FOTOGALERIE Julia Scholl

Fälle wie der vermutete Herzinfarkt gehören eindeutig in die Notaufnahme. Andere hingegen, wie ein einfacher Zeckenbiss, sind hier eigentlich fehl am Platz. In der Notaufnahme werden zum Beispiel auch keine Rezepte oder Krankmeldungen ausgestellt. Da ist man an anderer Stelle im Haus, wie dem ärztlichen Bereitschaftsdienst, eher richtig.

„Unser Ziel im Gesundheitssystem muss sein, den Zustrom der Patienten, die kein Fall für die Notaufnahme sind, zu unterbinden und anders umzuleiten“, sagt Fachkrankenpflegerin Rosie Schnäpp. Sie arbeitet seit 1998 in der Notaufnahme und hat in dieser Schicht quasi den Hut auf. Das Team weiß: Patienten können in den Situationen selbst häufig schwer einschätzen, wie akut es ist. Und es fehlt dann häufig der Weitblick. Perspektivisch soll deshalb ein zentraler Tresen geschaffen werden, der die Patienten je nach Beschwerden erfasst und verteilt. 

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Rosie Schnäpp arbeitet schon seit 1998 in der Notaufnahme. // Julia Scholl

„Time is brain“ 

Es piept durchdringend, Rosi Schnäpps Blick wandert zum Bildschirm schräg über ihr. Von der Leitstelle der nächste Rettungswagen angekündigt – Farbstufe Rot. Etwas, das keinen Aufschub duldet, weiß Rosie Schnäpp. „Wenn wir eine Alarmierung mit der Stufe rot bekommen, ist es etwas Ernstes“, erläutert sie. In diesem Fall besteht der Verdacht auf einen akuten Schlaganfall. „Der Neurologe steht dann schon da. Er macht eine Kurzuntersuchung und dann geht es direkt zur Computertomografie (CT)“, sagt Rosie Schnäpp. In so einem Fall heißt es „Time is brain“ – Zeit ist Hirn. Jeder Moment zählt. Wie so oft in der Notaufnahme.

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