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Von Bränden und Geistern
Trinkt eine Schnaps-Prinzessin eigentlich Schnaps?
Denise Meyer in ihrer Brennerei in Unterlauter.
Denise Meyer stellt zusammen mit ihrem Vater in Unterlauter Destillate her und verkauft sie auf Wochenmärkten. Im November letzten Jahres wurde sie zur Destillatprinzessin gekürt. // Foto: Hannah Niederfeld Paterson
Unterlauter – Denise Meyer aus Unterlauter trinkt selbst kaum Alkohol. Trotzdem ist sie Destillatprinzessin. Was treibt sie an? Und warum darf man eigentlich nicht „Schnaps“ sagen?

Denise Meyer schmeckt nicht, sie riecht. Mit ihrer Nase erschnüffelt sie schokoladige oder zitronige Duftnoten und manchmal trifft sie ins Schwarze. „Das ist ein Himbeergeist!“, ruft sie dann. Aber eigentlich mag sie es nicht, wenn die Leute ihr ein Glas unter die Nase strecken und fragen „Na, was ist das?“. Quasi als Test, der beweisen soll, dass sie sich als Destillatprinzessin den Titel auch wirklich verdient hat.

Was muss man können, um Destillatprinzessin zu werden?

Doch so einfach sei das nicht mit dem Bestimmen. Denn die Destillate riechen nicht einfach nach Birne, Pflaume oder Walnuss. Sie riechen fruchtig oder würzig. Eher erdig oder auch mal blumig. Und um Destillatprinzessin zu werden, musste Denise Meyer schließlich nicht nur an Destillaten riechen und diese bestimmen, sondern auch in einem Vortrag ihr Wissen und ihre Leidenschaft für Destillate präsentieren. Denn das hochprozentige Getränk, das vom normalen Volk als Schnaps bezeichnet wird, ist für Denise Meyer eine Leidenschaft.

Destillats Prinzessin Denise Meyer aus Unterlauter mit ihrer Krone.
Denise Meyer im Garten ihrer Eltern mit Krone. Zwei Jahre trägt sie den Titel als Destillatprinzessin – Von 2024 bis 2026. // Foto: Hannah Niederfeld Paterson

Wer also von Schnaps statt von Destillaten spricht, outet sich als Nicht-Kenner. Als Herunterkipper, statt Genießer. „Genuss“, dieses Wort verwendet Denise Meyer oft, wenn sie über ihre Destillate spricht. Sie wolle jungen Leuten das Handwerk der Brenner und Brennerinnen wieder näher bringen. Ihnen zeigen, dass es nicht nur Bier oder Wein gibt und man Alkohol in Maßen genießen kann, statt ihn in Mengen herunterzukippen.

Was ist was: Brand, Geist, Schnaps, Likör und Destillat

Denise Meyer ist Edelbrandsommelière, Imkerin, Obstbaumwartin, staatlich geprüfte Brennerin und Destillats Prinzessin. Zusammen mit ihrem Vater betreibt sie die Lautertaler Edelbrennerei & Imkerei. Die Brennenrei und Imkerei ist ein Nebenerwerb. Denise Meyer trägt T-Shirt und Shorts und erzählt in einem ungezwungenen Plauderton. Sie erklärt den Unterschied zwischen Brand, Likör und Destillat: „Bei einem Brand wird der Alkohol ausschließlich aus der vergorenen Frucht gewonnen. Bei einem Geist werden Früchte in Neutralalkohol eingelegt. Ein Likör kann ein Brand oder Geist sein, er zeichnet sich durch den hohen Zuckergehalt aus. Und Destillat, das ist der Überbegriff für alle drei Getränke.“ Es scheint sie trotzdem nicht weiter zu stören, dass die meisten Leute ihre Destillate als Schnaps bezeichnen.

Das Logo der „Lautertaler Edelbrennerei“, die Brennerei von Denise Meyer und ihrem Vater.
Das Logo der „Lautertaler Edelbrennerei“, die Brennerei von Denise Meyer und ihrem Vater. // Foto: Hannah Niederfeld Paterson

Experimentieren statt Betrinken

Denise Meyer trinkt selbst wenig Alkohol, wie sie sagt. Proben auf Destillats Messen spuckt sie wieder aus, oder riecht nur an ihnen. „Als Teenager habe ich schon mehr getrunken. Ich bin oft feiern gegangen und damals gab es dann halt Jacky Cola oder Berentzen.“ Doch heute sei Alkohol für sie Genuss und nicht der Wunsch, ihre Sinne zu betäuben. Und vor allem mache es ihr einfach Spaß, Dinge herzustellen, auszuprobieren und zu experimentieren. Eine Birne, die zu einem trägen Gewässer mit beißendem Geruch wird. Eine Erdbeere, die als Aufstrich auf dem Brot landet und Blütennektar als flüssiges Gold zum Tee.

Destillats Prinzessin Denise Meye
Denise Meyer bei der Arbeit. // Foto: Hannah Niederfeld Paterson

Dass sie selbst wenig trinkt, sei unter Brennern und Brennerinnen nicht unüblich, wie Denise Meyer sagt. „Das ist wie bei einem Metzger: Wenn man den ganzen Tag mit Wurst in der Arbeit zu tun hat, dann hat man nach Feierabend nicht schon wieder Lust auf Wurst.“ Doch das heißt nicht, dass die Destillate ihr nicht schmecken. Anders beim Honig: „Honig esse ich gar nicht, er schmeckt mir einfach nicht.“ Was den Schnaps angeht, begeistert sie die Herstellung: Erst wachsen die Früchte, dann müssen sie geerntet werden und zerkleinert und vergoren werden. Am Ende wird alles destilliert und aus der Frucht wurde ein Brand. Ein Prozess von Wachsen und Vergären.

Die Krone der Destillats Prinzessin Denise Meyer
Birne, Apfel, Kirschen: Die Krone der Destillats Prinzessin Denise Meyer. // Foto: Hannah Niederfeld Paterson

Alkohol – Gift oder Genuss?

Wissenschaftlich betrachtet sind die Destillate, die Denise Meyer und ihr Vater herstellen, ein Nervengift. So wie alle alkoholischen Getränke. Lange kursierten Gerüchte über das gesunde Glas Wein und angeblich unbedenkliche Mengen von Alkohol. Im Jahr 2023 stellt die WHO klar: „Beim Alkoholkonsum gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge.“

Denise Meyer sagt, sie würde Menschen nie zum Trinken animieren. Ihr sei es sehr wichtig zu respektieren, wenn Menschen nicht trinken wollen. „Ich finde es wichtig, Alkohol nur in Maßen zu trinken und ihn zu genießen.“ Wenn jemand gar keinen Alkohol trinkt, sei das natürlich auch gut. „Aber wenn man trinkt, dann ist es besser zu genießen, lieber mehr Geld auszugeben und langsam zu trinken.“ Alkohol solle kein Mittel zum Zweck, sondern der Zweck an sich sein. 

 

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