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Vesteblick
Der Junge muss an die frische Luft
Oliver Schmidt
Oliver Schmidt // Coburger Tageblatt
Coburg – Zu alt für die Szenekneipe aber zu jung für die Seniorengruppe? Und dann klingelt bei dem Coburger auch noch das Telefon…

Midlife-Crisis? Ach was, dieses Wort kennt der sich immer noch jung und dynamisch fühlende Coburger überhaupt nicht. Okay, es ist ein reichlich blödes Gefühl, in der Szenekneipe im Steinweg von der Bedienung gesiezt zu werden – und zwar als so ziemlich einziger Gast weit und breit. Doch bislang konnte er sich trösten, dass sein Flehen („Bitte: Duzt mich!“) meistens sofort erhöht wurde. Danke.

Szenenwechsel, „Haus am See“ in Wüstenahorn: Der Coburger ist ganz begeistert, was in diesem Bürgerhaus alles los ist. Bei einem Rundgang ergeben sich viele nette Gespräche. Im Gegensatz zur Szenekneipe im Steinweg muss sich der Coburger hier auch nicht besonders alt vorkommen. Doch dann wird er von einer Seniorin gefragt, die zu einer Spielgruppe gehört: „Wie alt sind Sie denn eigentlich?“ Der Coburger nennt eine Zahl, die wirklich nur ganz knapp über 50 liegt. Daraufhin die Seniorin: „Wir sind alle Ü60 – nur noch wenige Jahre, dann können Sie mitspielen!“ Davon abgesehen, dass der Coburger natürlich auch sofort in die Gruppe aufgenommen worden wäre: Jetzt braucht er erst einmal frische Luft.

Zuhause klingelt das Telefon. Der Coburger hatte sich bereiterklärt, an einer Umfrage für ein Forschungsprojekt teilzunehmen. Die junge Frau vom Forschungsinstitut möchte zunächst wissen, wie viele Personen im Haushalt leben. „Fünf“, sagt der stolze Familienvater. Daraufhin die Gegenfrage: „Fünf Personen? Wohnen Sie wohl in einer WG?“ Nein. Diese Zeiten sind schon längst vorbei…

Jetzt überlegt der Coburger, wo er schneller Trost finden kann: in der Szenekneipe oder im „Haus am See“?

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