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Vesteblick
Eine der größten Herausforderungen
Kommentar Bild Christiane Lehmann
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Coburg – Es gibt Fakten, denen sich keiner verschließen kann – Kinder, Eltern und Pädagogen sind betroffen.

Donnerstag, 5. Stunde, Deutsch, Aufsatzthema „Beschreibe Dein Zuhause“. Die junge Lehrerin steht in der Mitte des Klassenzimmers, schaut auf die über die Hefte gebeugten Köpfe und weiß: Jedes 5. Kind davon ist von Armut betroffen, wohnt nach einer Scheidung oder Trennung bei nur einem Elternteil, jedes 6. ist psychisch auffällig, jedes 3. hat einen Migrationshintergrund.

Bei fünf bis zehn Prozent der Kinder in einer Klasse wurden bei Schuluntersuchungen motorische Koordinationsstörungen festgestellt, bei etwa fünf Prozent wurde ein Aufmerksamkeitsdefizit (ADHS/ADS) diagnostiziert. Fünf Prozent haben eine Rechenschwäche (Dyskalkulie), acht Prozent eine Lese-Rechtschreibschwäche.

Ein bis zwei Kinder haben schon sexuellen Missbrauch erlebt. Jedes vierte Kind wird hin und wieder auf den Po geschlagen und jedes zehnte kassiert Ohrfeigen (seit 2000 gesetzlich verboten).

Während die Kinder schreiben, setzt sie sich ans Pult und zieht des Lehrplan Plus aus ihrer Tasche. Im Artikel 1 des Bildungs- und Erziehungsauftrags für die Grundschule heißt es: „Ausgangspunkt des gemeinsamen Lernens und Lebens in der Grundschule bildet die vorhandene Vielfalt an Erfahrungen, Kompetenzen und Interessen, die Kinder mit- und einbringen. Die Grundschule stärkt und fordert alle ihr anvertrauten Schülerinnen und Schüler ganzheitlich und knüpft an ihre sozialen Kompetenzen sowie ihre biografischen, sprachlichen, kulturellen, weltanschaulichen und religiösen Erfahrungen an.“ Sie schlägt das Buch zu und schaut ihre Schüler an. Einer nach dem anderen legt den Stift weg.

Zeit, der Realität ins Auge zu schauen.

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