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Unterwegs an den Hotspots
Streetworker in Coburg: 1000 Kontakte und erste Erfolge
Streetworker im Steinweg in Coburg
Sophia Hoydem und Fabian Pasewaldt sind seit gut einem halben Jahr als Streetworker im Coburger Steinweg anzutreffen – aber nicht nur dort. // Foto: Oliver Schmidt
Coburg – Sophia Hoydem und Fabian Pasewaldt sind seit einem halben Jahr als Streetworker in der Coburger Innenstadt unterwegs. Überrascht sind die beiden, welches die größten Sorgen der Jugendlichen sind. Und dann ist da noch die Sache mit den Handys...

Das Büro von Sophia Hoydem und Fabian Pasewaldt befindet sich im Steinweg 25. Doch das Einsatzgebiet der beiden Streetworker umfasst sehr viel mehr als nur die Coburger Kneipenmeile. So schauen die beiden etwa auch regelmäßig am Theaterpatz, in der Anna-B.-Eckstein-Anlage oder im Gebiet zwischen der Rückertschule und dem ehemaligen Alexandrinenbad vorbei. Das alles nämlich sind „Hotspots“, an denen Jugendliche in der Vergangenheit auch schon mal ordentlich Mist gebaut und zum Beispiel etwas beschädigt haben.

Zur Erinnerung: Auf Antrag der SPD-Stadtratsfraktion war in Coburg wieder „Aufsuchende Jugendarbeit“ eingeführt werden. Das ist die offizielle Bezeichnung für das, was gemeinhin als „Streetwork“ bezeichnet wird. Also Jugendarbeit „auf der Straße“ – dort, wo viele Jugendliche anzutreffen sind.

Im Juni 2023 ging’s los

Den Zuschlag für die „Aufsuchende Jugendarbeit“ hatte der Bamberger Verein „Iso“ bekommen, und im Juni 2023 ging’s los.

Jetzt, nach gut einem halben Jahr, ziehen Sophia Hoydem und Fabian Pasewaldt eine erste Zwischenbilanz. Und die fällt recht positiv aus.

Erste Erfolge der Coburger Streetworker

Was die „Hotspots“ betrifft, können Sophia Hoydem und Fabian Pasewaldt sogar schon erste Erfolge vermelden. So habe sich die Situation zwischen Rückertschule und ehemaligem Alexandrinenbad deutlich beruhigt.

Sophia Hoydem  gibt allerdings zu bedenken, dass die Treffpunkte der Jugendlichen „ständig im Wandel“ seien. Auch die Jahreszeit spiele da eine Rolle. Im Sommer stehe etwa auch der Salvatorfriedhof hoch im Kurs. Zuletzt im Winter hätten sich Jugendliche gerne am und im Bahnhof aufgehalten – „auch, weil sie dort ihr Handy aufladen können.“

Chillen im Coburger Steinweg

Handy aufladen, das können Jugendliche übrigens auch im Steinweg 25. Das Büro von Sophia Hoydem und Fabian Pasewaldt ist regelmäßig geöffnet und dient als unkomplizierte Anlaufstelle. In einer gemütlichen Sitzecke kann zwar auch mal über sehr ernste Themen geredet werden. Doch es lässt sich dort auch einfach nur chillen.

Jugendbüro im Steinweg in Coburg
Hier im Jugendbüro im Steinweg sind die Streetworker regelmäßig anzutreffen. // Foto: Oliver Schmidt

Sophia Hoydem und Fabian Pasewaldt freuen sich, dass sie bereits viele Kontakte zu Jugendlichen aufbauen konnten. In ihrer eigenen kleinen Buchführung ist gar von 1000 Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen die Rede, mit denen sie sich ausgetauscht haben. Interessant: 74 Prozent dieser Kontakte waren männlich (25 Prozent weiblich und ein Prozent Gender-queer).

„Soll ich mich outen?“

Ein Thema, das dabei sehr oft zur Sprache kam, war die geschlechtliche Identität beziehungsweise der Umgang damit. Fabian Pasewaldt erklärt: „Viele Jugendliche sind verunsichert im Umgang mit der Vielfalt.“ Sie würden zum Beispiel wissen wollen, wie sie mit Freunden ob und wie sie sich outen sollen, wenn sie selbst nicht heterosexuell sind. Oft sei es auch ein Thema, wie sie sich vor diesbezüglichem Mobbing schützen können. „Grundsätzlich wollen viele Jugendliche aber auch einfach nur wissen: Warum sind andere Menschen so?“

Als zweites großes Thema hat sich die Wohnungslosigkeit herausgestellt, wie Sophia Hoydem berichtet. Jugendliche würden Rat suchen, weil sie nicht mehr zu den Eltern nach Hause wollen oder können.

Jugendbüro im Steinweg in Coburg
Im Jugendbüro im Steinweg gibt es auch eine gemütliche Sitzecke. // Foto: Oliver Schmidt

Die beiden Streetworker sagen, dass sie bereits viele „sehr offene Gespräche“ geführt hätten. Ihr Ansatz sei dabei stets die „aktivierende Jugendarbeit“. Das bedeutet: „Wir unterstützen die Jugendlichen auf dem Weg zur Selbsthilfe.“

Themen rund um Alkohol oder andere Suchtmittel sind im vergangenen halben Jahr zwar ebenfalls behandelt worden. Doch nicht so häufig, wie vielleicht erwartet.

Mitternachtssport war großer Erfolg

Doch die 29-jährige Sophia Hoydem und der 26-jährige Fabian Pasewaldt sind nicht nur auf den Straßen in der Coburger Innenstadt unterwegs. Auf riesige Resonanz ist es etwa gestoßen, als sie den „Mitternachtssport“ wieder haben aufleben lassen. „Wir hatten jeweils gut 60 Teilnehmer“, erinnert sich Fabian Pasewaldt.

Bislang leider nicht angenommen wurde ein „Bewegungsangebot“, das in der Turnhalle der Rückertschule organisiert worden war. Aber die beiden Streetworker geben noch nicht auf: Nach den Osterferien soll noch ein weiterer Versuch gestartet werden.

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