Gericht
Alkoholfahrer muss seinen Führerschein abgeben
Den Führerschein muss ein Alkoholfahrer aus dem Landkreis Kulmbach abgeben.
Den Führerschein muss ein Alkoholfahrer aus dem Landkreis Kulmbach abgeben.
Foto: Symbolbild: Uli Deck, dpa
F-Signet von Michael Benz Fränkischer Tag
Kulmbach – Nach einer Berufungsverhandlung kommt ein Mann aus dem Landkreis Kulmbach mit einer deutlich geringeren Strafe davon.

Der Landkreisbürger wollte in einer Nacht Ende Oktober 2021 von Bayreuth nach Kulmbach fahren. Doch schon bald kam er von der Straße ab und kollidierte mit mehreren Stahl-Schutzbügeln am Gehweg. Schaden: 750 Euro, Auto Totalschaden.

0,87 Promille

Das weitaus größere Problem: Er hatte 0,87 Promille intus. Die Strafe kam umgehend: Das Amtsgericht Kulmbach verdonnerte den Marokkaner wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs zu 60 Tagessätzen à 30 Euro sowie zu einem Führerscheinentzug. Eine Neuerteilung dürfe erst nach acht Monaten erfolgen.

Genau hier hakte Rechtsanwältin Dorrit Franze vor dem Landgericht ein: „Mein Mandant hatte sich extrem kooperativ gezeigt und wies während der Schadensaufnahme durch die Polizei keinerlei Ausfallerscheinungen auf. Dass er zitterte, ist normal. Dabei sind viele Menschen aufgeregt.“

Und auch gerötete Bindehäute seien während Nachtfahrten nicht unnormal. Bei dem dort erhöhten Bordstein könne ein solcher Unfall sehr schnell passieren, habe ihm auch die Polizei bestätigt. „Er braucht seinen Führerschein dringend für die Berufsausübung.“

Vorsitzender Richter Torsten Meyer regte deshalb eine Verurteilung wegen fahrlässiger Trunkenheit an: „Schließlich wurden erhebliche Sachwerte nicht beschädigt“ (der reine Schaden an den Schutzbügeln habe bei lediglich 308 Euro gelegen). Dem Vorschlag der Rechtsanwältin, keinen „Regelfall“ zu sehen (hier sind sechs Monate Entzug das Minimum ), sondern einen „Sonderfall“, vermochte er sich indes nicht anzuschließen. Und auch die Staatsanwaltschaft betonte: „Trunkenheit im Straßenverkehr ist das Mindeste.“

Einsichtiger Angeklagter

Nach kurzem Gespräch mit seiner Anwältin kam dann die Einsicht, was dem Mann nochmals eine Verbesserung seiner Position brachte und vom Gericht als Geständnis gewertet wurde: „Ich wusste, dass ich zu viel getrunken hatte. Ich hätte mich nie hinter das Steuer setzen dürfen.“

Er müsse jetzt auf Zulagen verzichten und fahre mit dem Rad zur Arbeit. Von den verbliebenen 1000 Euro zahle er noch fast 200 Euro Kindesunterhalt. Deshalb müsse man einen „Sonderfall“ sehen und ihm den Führerschein belassen, so Dorrit Franze.

„Nein“, urteilte Vorsitzender Meyer, „es bleibt beim Führerscheinentzug.“ Allerdings reduzierte er nochmals die geforderte Strafe des Staatsanwaltes auf 40 Tagessätze à 30 Euro, weil der Mann geständig gewesen sei. „Wir haben dabei den hohen Eigenschaden und die finanziellen Möglichkeiten berücksichtigt. Sie können den Antrag auf Wiedererteilung sicher schon nach vier Monaten stellen, denn das Verfahren dauert ja.“ Der Verurteilte nahm noch im Gerichtssaal das Urteil an und gab seinen Führerschein ab.

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