0
Digitale Souveränität
EU startet Milliardenprojekt für sieben KI-Gigafactories
Rechenzentrum
Die EU möchte sich beim Thema KI aus der Abhängigkeit von den USA und China befreien. (Symbolbild) // Marijan Murat/dpa
von dpa
Brüssel – Knapp 10 Milliarden Euro Fördermittel stehen bereit – wer setzt sich im Rennen um Europas KI-Zukunft durch? Die Telekom, Schwarz Digits und Co. kämpfen um den Zuschlag für die neuen Gigafactories.
Artikel anhören

Die Europäische Union hat einen wichtigen Schritt im globalen Wettlauf um die Künstliche Intelligenz unternommen. Die EU-Kommission eröffnete heute offiziell das Bietverfahren für den Aufbau von bis zu sieben sogenannten AI-Gigafactories. Die Initiative für diese neuen riesigen Rechenzentren ist Teil der Strategie, die europäische KI-Infrastruktur auszubauen und den Zugang zu Hochleistungsrechnern zu verbessern.

Das ambitionierte Vorhaben bündelt bis zu zehn Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln der EU sowie der teilnehmenden Mitgliedstaaten. Durch diese öffentlichen Anschubfinanzierungen sollen wiederum mindestens 20 Milliarden Euro an privaten Investitionen ausgelöst werden, sodass sich das Gesamtvolumen des Programms auf über 30 Milliarden Euro beläuft.

Europäische Alternative zu AWS, Microsoft und Google

Ziel der Initiative ist es, Europa aus der Abhängigkeit von US-amerikanischen Hyperscalern wie Amazon (AWS), Microsoft und Google zu befreien. Die EU möchte dabei eine eigene, souveräne Infrastruktur für den Aufbau fortschrittlichster KI-Modelle etablieren. Die neuen Superrechenzentren sollen Start-ups, dem Mittelstand, der Industrie sowie der Wissenschaft enorm skalierbare Rechenkapazitäten für das Training und das Fine-Tuning von Algorithmen bereitstellen.

EU-Tech-Kommissarin Henna Virkkunen sprach von einem «Meilenstein». «Der Zugang zu Rechenleistung im Gigawatt-Maßstab ist für Europa eine strategische Notwendigkeit, während sich die KI-Entwicklung beschleunigt.»

Wie viel Geld fließt nach Deutschland? 

Deutschland möchte von der großen Fördersumme ein angemessenes Stück abhaben. Erste Pläne, wichtige deutsche Tech-Unternehmen gemeinsam in einer Art «Deutschland AG» antreten zu lassen, scheiterten jedoch, auch weil SAP und Siemens sich bei ihren Interessensbekundungen stark zurückgehalten hatten.

 Nun treten verschiedene Player aus Deutschland getrennt voneinander an und stehen damit auch im Wettbewerb untereinander. Dazu gehören die Deutsche Telekom, Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz-Gruppe (Mutterkonzern von Lidl und Kaufland), der Cloud-Anbieter Ionos, der zusammen mit dem Baukonzern Hochtief auftritt, sowie verschiedene kleinere und regionale Akteure wie Impossible Cloud aus Hamburg oder Blue Swan aus Bayern.

Zwei Leistungsklassen

Die Vergabe der Mittel erfolgt über die europäische Supercomputing-Initiative «EuroHPC Joint Undertaking» (EuroHPC JU). Das Beschaffungsverfahren unterteilt sich dabei in zwei Förderklassen. Die erste Förderklasse sieht die Unterstützung von bis zu vier Projekten vor. In einer ersten Phase können dafür jeweils bis zu 100 Millionen Euro an EU-Mitteln fließen, gefolgt von weiteren bis zu 400 Millionen Euro in Phase zwei. Voraussetzung ist, dass die ausgewählten Standorte in Phase zwei mindestens das Dreifache der Prozessorkapazität der aktuell leistungsfähigsten europäischen KI-Fabrik bereitstellen.

Die zweite Förderklasse richtet sich an bis zu drei noch größere Infrastrukturprojekte. Hier sind bis zu 200 Millionen Euro EU-Förderung pro Projekt in der ersten Phase und bis zu 800 Millionen Euro in der zweiten Phase vorgesehen. Diese Standorte müssen in der zweiten Phase die vierfache Rechenkapazität der heutigen Top-Einrichtung in Europa erreichen.

Teilnahme der Mitgliedstaaten und Zeitplan

Achtzehn EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Schweden, haben eine gemeinsame Beschaffung mit der EuroHPC JU vereinbart. Die beteiligten Länder verpflichten sich, die bereitgestellten EU-Fördergelder durch nationale Mittel zu ergänzen. Bewerben können sich Konsortien oder Zweckgesellschaften, die private Unternehmen, öffentliche Stellen und Investoren zusammenbringen. Gigafactories können wahlweise an einem einzelnen Standort oder als verteiltes, grenzüberschreitendes Netzwerk errichtet werden.

Die Frist für die Einreichung von Angeboten endet am 12. November 2026. Die Vergabeentscheidungen sollen Anfang 2027 fallen, sodass die Bauarbeiten noch im selben Jahr beginnen können.

Inhalt teilen
  • kopiert!