Ganz oben auf der Liste der Teams, die in der Bayernliga 2025/26 um den Aufstieg spielen, standen der SC Eltersdorf und der FC Eintracht Bamberg. Die einen verpassten den Sprung in die Regionalliga im Sommer um Zentimeter, die anderen kommen aus der vierten Liga, haben viel Qualität gehalten und dazubekommen.
Doch wenn die Quecken am Freitag (19 Uhr) am Freitag zum Prestigeduell in den Elsner-Sportpark laden, haben nur die Gastgeber eine breite Brust. Eltersdorf erklomm am Samstag erstmals in dieser Saison die Tabellenspitze, gewann beim zuvor daheim ungeschlagenen Spitzenreiter Neumarkt.
Acht der vergangenen zehn Partien gewann die Mannschaft von Bernd Eigner, hat sich Stück für Stück nach oben gearbeitet. Und damit das geschafft, was dem FC Eintracht bislang misslingt. Denn der Tabellenachte erlitt beim 0:1 gegen Gebenbach am Wochenende nicht nur einen sportlichen Rückschlag, sondern war auch emotional mit der Verletzung von Christopher Kettler gefordert.
Mit sieben Punkten Rückstand zum Aufstiegsplatz und einem prall gefüllten Lazarett fährt das Team von Jan Gernlein nun nach Eltersdorf.
Bayernliga Nord: Bernd Eigner spricht über Bamberg
Bernd Eigner hat das natürlich mitbekommen. Er ist gebürtiger Bamberger, lebt bis heute in der Domstadt, arbeitet bei Siemens in Erlangen. Vom SC Stettfeld über den SC 08 Bamberg ging sein Stern auf, bis in die Bundesliga schaffte es der Verteidiger, spielte 1997/98 23 Mal für Sankt Pauli im Oberhaus.
In Eltersdorf befindet sich Eigner im schon zehnten Jahr als Trainer des SCE, dessen Gesicht viele beim FC Eintracht ausgebildete Akteure um Kapitän Maximilian Göbhardt und Robin Renner bilden. Auch Eigner hält den Draht zum FCE, hat zu ehemaligen Trainern wie Christoph Starke ein enges Verhältnis. Am Café Rondo oder den Brauereien der Stadt besprechen Eigner und Co. von Zeit zu Zeit die Lage der Dinge.
Und so ist es das Duell mit den Domreitern für den 53-Jährigen natürlich kein normales Spiel, wie er im Interview verrät. Eigner erklärt, warum er mehrfach kurz davor stand, Eltersdorf zu verlassen. Wie der Aufstiegs-K.O. im Elfmeterschießen in Aschaffenburg nachwirkte. Und was er den Verantwortlichen des FC Eintracht rät.
Bernd Eigner, wie hat Ihnen der Schlenkerla-Bock geschmeckt?
Bernd Eigner: Ich habe den Anstich leider verpasst, obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte. Das hat aber nicht geklappt. Dafür war ich beim Keesmann-Bockbieranstich, der war gut.
Sie arbeiten in Erlangen, trainieren seit 2016 in Eltersdorf, aber wohnen in Bamberg. Warum passt dieses Setting für Sie?
Weil ich Spaß und Freude daran empfinde, wie ich die Dinge verbinden kann. Ich bin gebürtiger Bamberger und kann mir nicht vorstellen, hier wegzuziehen. Die Stadt ist urgemütlich, man hat so viele Möglichkeiten. Meine Frau kommt aus Nordrhein-Westfalen, wenn Freunde von da kommen, sind die hellauf begeistert. Die bald zehn Jahre in diesem Setting waren kein Fehler.
SC Eltersdorf nach Sieg in Neumarkt Tabellenführer
Ihre Mannschaft ist seit dem Wochenende Tabellenführer. Vier der letzten fünf, acht aus zehn Spielen hat der SC Eltersdorf gewonnen. Ist Ihr Team aktuell auf dem bisherigen Höhepunkt der Saison?
Ja, schon. In den letzten Spielen merke ich diesen Drive, den wir in der starken Rückrunde der Vorsaison hatten. Die meisten Spieler sind in einer Topverfassung, wir haben Angeschlagene, aber im Sommer auf einen breiten Kader geachtet. Es herrscht ein besonderer Geist in der Truppe, das gefällt mir sehr.
24 Tore hat ihr Team erzielt, stellt mit 14 Gegentreffer die beste Abwehr. Das sah zum Saisonstart anders aus, ein Treffer stand nach vier Spielen zu Buche. Wie sehr wirkte die verlorene Aufstiegsrelegation gegen Viktoria Aschaffenburg nach?
Man muss sagen, dass es viel knapper nicht hätte laufen können. Wir vergeben dicke Chancen zum 1:0, gehen nach dem späten 0:1 in die Verlängerung. Dort treffen wir den Pfosten, spielen überragend und verpassen im Elfmeterschießen den Aufstieg. Diese Enttäuschung muss man zulassen. Ich werde nie vergessen, mit Max Göbhardt heulend in den Armen zu liegen, weil die Jungs sich das so sehr gewünscht hatten.
Von daher war abzusehen, dass die neue Saison nicht leicht wird. Wir haben deshalb in der Vorbereitung viel auf Teamebene gearbeitet, sind nach Österreich gefahren. Zum Saisonstart hat man gesehen, dass wir trotzdem noch nicht bereit waren.
Und dann?
Irgendwann hat es Klick gemacht. Die Jungs haben gemerkt, dass es so keinen Spaß macht, vor allem wenn man verliert. Nach dem Start hatte ich Sorge, dass es ganz schwierig wird, das wäre auch verständlich gewesen. Aber mit den Ergebnissen kam das Selbstvertrauen, dann auch das Fußballerische.
Ihr Team schreibt wieder positive Geschichten. Tobias Herzner kam nach langer Verletzung zurück, Geremi Pereira ist für sein Heimatland Sri Lanka zum Nationalspieler geworden.
Eine tolle Geschichte für Geremi, leider hat er sich beim Nationalteam verletzt. Er ist wieder hier und im Lauftraining, fehlt Freitag aber noch. Tobias Herzner ist unser Dienstältester. Ich bin sehr froh, dass er noch ein Jahr drangehängt hat. Jetzt erlebt er seinen fünften Frühling. Seine Spielintelligenz zählt in unserem Team zum obersten Regal, sein Mitwirken ist für uns absolut wichtig.
Kaderplanung in Eltersdorf: "Wir müssen kreativ sein"
Herzner, Ihr spielender Co-Trainer André Karmann, Moritz Stark, die Bamberger Fraktion um Renner, Göbhardt: Ihr Team hat viel Erfahrung, viele Säulen, die teils lange bei den Quecken sind. Was Sie nicht haben ist der klassische Torjäger. Braucht es den nicht, um aufzusteigen?
Wir können uns den Knipser nicht leisten. Wir müssen kreativ sein, auch deshalb haben wir Yannik Jassmann aus der Kreisliga geholt, Felix Rippert kam aus der Bezirksliga von Mögeldorf, spielt ein starkes erstes Jahr. Solche Transfers zu tätigen, ist unsere Aufgabe. Aber es ist auch normal, dass man ihnen Zeit geben muss, sie nicht einfach drei, vier Klassen überspringen. Bei uns teilt sich das Toreschießen auf viele Schultern auf. Dadurch sind wir unberechenbarer, das ist sicher ein Vorteil. Aber mit einem 20-Tore-Knipser wären wir schon aufgestiegen.
Sie sind in Ihrer neunten Saison beim SC Eltersdorf, schnitten nie schlechter als Platz 6 ab, spielten ein Jahr Regionalliga. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Die Grundvoraussetzung ist eine solide Vereinsführung, mit der man ehrlich spricht. Unser Manager Joachim Uhsemann und ich haben freie Hand bei Neuverpflichtungen. Wenn wir nicht die Mittel haben, um aufzusteigen, dann passen wir die Ziele eben an. Und dann ist das Gefühl hier einfach ein großer Faktor. In Neumarkt waren gefühlt alle Spieler der Startelf langjährige Spieler. Wir sind ein absolut familiär geführter Verein, in dessen Gaststätte jeder jeden kennt. Es macht mich stolz, seit Jahren mit Max Göbhardt, Thomas Dotterweich und vielen anderen zu arbeiten. Wir haben keine Spinner im Team, jeder weiß, was das Verein kann.
Trotzdem gab es immer wieder mal Gerüchte, dass Sie die Quecken verlassen. Wie konkret war es mit ihrem Abschied vom SCE?
Es gab zwei Situationen. Einmal nach der Relegation in Aschaffenburg, als ich zu unserem Manager Joachim Uhsemann ging und aus der Enttäuschung heraus infrage stellte, ob ich nochmal die Kraft habe. Aber da weiß er mich zu händeln, riet mir drüber zu schlafen, ein Bier zu trinken.
Und auch im Jahr davor, als wir durch ein 0:1 bei Fortuna Regensburg am letzten Spieltag die Relegation verspielten, sogar noch Meister hätten werden können, habe ich gegrübelt. Da habe ich mich zwei Tage eingeschlossen, war ungenießbar. Robin Renner, Max Göbhardt, Manu Stark, "Dotti" und die anderen, die so lange da sind, haben mir damals geholfen. Sie sagten, dass sie das Feuer noch haben und wir nicht einfach aufhören können.
"Der Bamberger Weg ist richtig"
Bernd Eigner, wie steigt man aus der Bayernliga auf?
Dafür brauchst es Konstanz und vor allem die Siege gegen die Teams von unten. In unserem Aufstiegsjahr haben wir unsere Konkurrenten Vilzing und Seligenporten nicht geschlagen. Aber wir haben unten alles weggemacht, das ist die Basis.
In diesem Jahr gibt es diese Einteilung der Teams bislang nicht.
Das stimmt, es gibt keine klassische Spitzenmannschaft, auch wir sind das nicht. Entscheidend bleibt, dass man in jedem Spiel die Einstellung auf den Platz bringt. Das ist nicht immer leicht umsetzbar, aber es ist das wichtigste in dieser engen Bayernliga.
Viele Trainer hatten den SC Eltersdorf und den FC Eintracht als Aufstiegsfavoriten auf dem Zettel. Warum trifft das aktuell nur auf Ihr Team zu?
Ich habe Bambergs Mannschaft erst zweimal gesehen, dazu kann ich mir kein Urteil bilden. Grundsätzlich ist es so, dass bei uns vieles gewachsen ist. Wir haben und hatten unruhige Phasen, aber der Verein schenkt mir immer Vertrauen. Zudem hatten wir in den vergangenen Jahren immer die beste Defensive, pflegen diese Ordnung. Deshalb sind wir vorne dabei und wollen es auch bleiben. Für Bamberg ist es schwierig, als Absteiger bist du automatisch Favorit.
Wie sehen Sie grundsätzlich den FC Eintracht Bamberg aufgestellt?
Der Weg, den Sascha Dorsch und seine Vorstände mit dem Verein gehen, ist richtig. Gerade in Bezug auf die Vergangenheit mit den Insolvenzen ist er alternativlos. Daher muss man ruhig bleiben, auch nach einem Abstieg. Die Regionalliga ist brutal, es ist in allen Belangen, ob Strukturen oder Spieler, sehr hart, sich mit Profiteams zu messen. Diese Erfahrung haben wir auch gemacht.
Wie ist Ihr Verhältnis zu Jan Gernlein?
Gut, wir pflegen einen ehrlichen Austausch, auch weil er mit Max Göbhardt zusammenarbeitet. Jan war einer der Ersten, der uns nach dem Aschaffenburg-Rückspiel eine starke Leistung attestierte, uns zum Auftreten gratuliert hat.
Am Freitag kreuzen Sie die Klingen mit Gernleins Mannschaft, die ohne ihren Kapitän auskommen muss. Was erwarten Sie für ein Spiel?
Christopher Kettler habe ich nach dem Unfall geschrieben, er war mein Spieler, das gehört sich so. Wir haben in der aktuellen Situation vielleicht Oberwasser, aber Bamberg darf man nie unterschätzen. Sie stehen stabil, die drei Gegentore beim ATSV Erlangen waren eine Ausnahme. Ihre jungen Talente haben viel Tempo, ob Paul Kraußold, Nico Zietsch oder Luis Nüßlein, an dem wir auch dran waren. Ich erwarte ein Spiel, das von der Tagesform entschieden wird. Vor allem aber freue ich mich auf dieses Flutlichtspiel am Freitagabend.

















