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Rechtsextreme Tat
Mann wollte Synagoge in Ermreuth abbrennen
In der Silvesternacht hat ein 21-Jähriger eine Scheibe der Synagoge in Ermreuth (Landkreis Forchheim) eingeworfen und wollte dort mit einem Feuerwerkskörper einen Brand legen. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um eine antisemitisch motivie...Forchheim & Fränkische Schweiz
In der Silvesternacht hat ein 21-Jähriger eine Scheibe der Synagoge in Ermreuth (Landkreis Forchheim) eingeworfen und wollte dort mit einem Feuerwerkskörper einen Brand legen. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um eine antisemitisch motivierte Straftat mit einem rechtsextremistischen Hintergrund. // Reinhard Löwisch, Archiv
Signet des Fränkischen Tags von Andreas Kraft
Ermreuth – In der Silvesternacht wollte ein 21-Jähriger die Synagoge Ermreuth anzünden. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um eine antisemitisch motivierte Straftat mit rechtsextremistischem Hintergrund.

Die Tat kommt aus dem Nichts. Was sich viele in der Neujahrswoche nicht vorstellen wollten, ist jetzt Gewissheit: Rechtsextreme verüben auch in den beschaulichen Orten im Landkreis Forchheim antisemitische Anschläge.

Kurz nach der Tat gingen in Ermreuth, einem Ortsteil der Gemeinde Neunkirchen am Brand, viele noch davon aus, dass die kaputte Fensterscheibe in der Synagoge eher ein Unfall oder die Sachbeschädigung eines Betrunkenen waren. Jetzt haben die Behörden vor Ort die Ermittlungen an die Generalstaatsanwaltschaft München weitergegeben. Dort ermittelt der zuständige Staatsanwalt wegen einer antisemitischen Straftat gegen einen 21-jährigen Rechtsextremen aus dem Landkreis Forchheim.

Zeugen melden sich bei der Polizei

Der mutmaßliche Täter konnte bereits gefasst werden, nachdem die Polizei über die Medien Zeugen aufgerufen hatte, sich zu melden. Deren Aussagen und die Bilder aus der Überwachungskamera vor der Synagoge führten die Polizei zu dem Verdächtigen. Laut der Staatsanwaltschaft soll ein 21-Jähriger aus einem Nachbarort die Scheibe der Synagoge absichtlich eingeschlagen haben.

Anschließend versuchte er laut der gemeinsamen Pressemeldung von Polizei und Staatsanwaltschaft einen Feuerwerkskörper zu zünden und durch die zerstörte Scheibe in das geweihte Gotteshaus zu werfen. Offenbar mit dem Ziel, die Synagoge in Brand zu stecken. Glücklicherweise zündete der Feuerwerkskörper nicht. Bis auf das eingeschlagene Fenster entstand kein weiterer Sachschaden.

Verdächtiger auf freiem Fuß

Die Polizei hat den  Tatverdächtigen bereits in der vergangenen Woche  vorläufig festgenommen. Der Ermittlungsrichter am Amtsgericht Bamberg setzte ihn  am Freitag aber wieder auf freien Fuß. Anscheinend geht der Richter davon aus, dass weder Flucht- noch Verdunklungsgefahr besteht. Gegen den richterlichen Beschluss hat die Staatsanwaltschaft Berufung beim Landgericht eingelegt.

Die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus der Generalstaatsanwaltschaft München leitet seit Dienstag die Ermittlungen, weil Polizei und Staatsanwaltschaft in Oberfranken von einem rechtsextremen Hintergrund der Tat überzeugt sind. In den kommenden Tagen sollen die politischen Motive des Tatverdächtigen im Detail ermittelt werden. In der Regel werden dazu auch Computer und Smartphones von Terrorverdächtigen ausgewertet.

Neonazi oder Reichsbürger?

Welchem Milieu der 21-Jährige  zuzuordnen ist, müsse noch geprüft werden, heißt es  auf FT-Anfrage. Ob es sich etwa um einen Reichsbürger handelt oder eher um einen Neonazi, ist noch unklar.  Auch dazu, ob der 21-Jährige in der Vergangenheit schon einmal auffällig war, sagen die Behörden nichts – mit dem Verweis auf die laufenden Ermittlungen.

Bayerns Antisemitismusbeauftragter entsetzt

In München beschäftigt die Tat  auch Bayerns Antisemitismusbeauftragten Ludwig Spaenle, der die Synagoge  im November besucht hat. „Dort wird auf hohem Niveau gegen Antisemitismus gearbeitet“, sagt er dem FT. „Vor diesem Hintergrund ist es besonders perfide, dass sich die Täter ausgerechnet diesen Ort ausgesucht haben.“ Die Einrichtung mit ihrem Profil sei überregional bedeutsam. 

Bürgermeister Walz fordert harte Strafe

In Neunkirchen am Brand ist Bürgermeister Martin Walz (CSU) vor allem froh, dass der Feuerwerkskörper dank „göttlicher Fügung“ nicht gezündet hat: „Zum Glück ist kein größerer Schaden entstanden.“ Jetzt hofft er auf die volle Härte der Justiz. „Jetzt muss ein Exempel statuiert werden, das Täter in  Zukunft abschreckt.“

Die Tragweite der Tat sei erheblich. Gleichzeitig ist ihm wichtig, darauf hinzuweisen, dass das eine „einmalige Geschichte“ sei. Auch im Rückblick seien keinerlei Anzeichen zu erkennen, mit denen sich eine solche Tat angedeutet hätte.

Gleichwohl sei man sich schon bei der Sanierung des Gotteshauses bewusst gewesen, dass eine latente Gefahr antisemitischer Anschläge bestehe. Aus diesem Grund habe  man auch die Überwachungskamera installiert. „Das hat sich jetzt ausgezahlt“, sagt Walz. „Für uns  ist der schnelle Ermittlungserfolg eine Erleichterung“, sagt der Bürgermeister. „Ein großes Kompliment an die Polizei.


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