„Ja, ist denn heut’ schon Weihnachten?“ Nein, Herr Beckenbauer, selbstverständlich nicht.
Doch auch wenn noch viele Monate bis zur nächsten besinnlichen Zeit vergehen, tun Forchheims Veranstaltungsplaner und Stadtpolitiker gut daran, sich bereits jetzt über die kommenden Weihnachtsfeierlichkeiten Gedanken zu machen.
Weihnachten 2022 an der Kaiserpfalz: Gemischte Bilanz
Zumal sich die Geister über den Erfolg der 2022er-Interimslösung rund um die Kaiserpfalz durchaus scheiden.
Allen voran der Adventskalender, eins der größten, wenn nicht das größte Highlight im innerstädtischen Eventjahr, wird von den Forchheimern stets mit Spannung erwartet.
Der muss seit Sanierungsbeginn des Rathauses von seinem angestammten Platz, den Fenstern im historischen Magistratsbau, auf der Ersatzbank Platz nehmen.
Nur: Wo soll er künftig hin? Wo erscheint das Christkind, gibt es wieder echte Türchen?
Entscheidung wird Mitte März fallen
Die kurze Antwort auf all diese Fragen lautet: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch überhaupt nicht klar, eine Entscheidung soll aber bereits Mitte März fallen.
Die lange Antwort: Aktuell prüfen die Stadtverwaltung und die im Rathaussanierungsausschuss sitzenden Stadträte drei mögliche Varianten, wie der Adventskalender in den kommenden Jahren ausgestaltet werden soll.
Architekt Stephan Fabi: „Historisches Gebäude beschädigt“
Für schlechte Grundstimmung in den Fraktionen sorgt der mit der Rathaussanierung beauftragte Architekt Stephan Fabi mit einer Hiobsbotschaft: „Der seit 1996 geliebte Adventskalender hat im Laufe der Jahre seine Spuren in dem historischen Gebäude hinterlassen, es beschädigt. Wir brauchen fortan eine andere Lösung.“
Aus der Stadtverwaltung wird die Hiobsbotschaft verstärkt: „Der Adventskalender, so wie vor der Generalsanierung praktiziert, wird nach der Fertigstellung des Rathauses zum Haus der Begegnung in seiner bisherigen Form nicht mehr realisierbar sein“, heißt es.
Ist das nun das Aus für die bundesweit geliebte Tradition im Herzen der Innenstadt?
Drei Varianten werden im Rathaussanierungsausschuss besprochen
Drei unterschiedliche Optionen haben sich die Rathausprojekt-Planer vorab überlegt, über welche im nächsten Rathaussanierungsausschuss (13. März) abgestimmt werden solle.
Variante 1: Auf die Fassade des Rathaushauptgebäudes werden die 24 Türchen des Adventskalenders projiziert. Laut Architekt Fabi sei dies am Magistratsgebäude, wo früher die Fensteröffnungen stattfanden, auf Grund der vielen Fenster dort nicht möglich.
Immerhin sei es bei dieser Variante aber machbar, eine Art Collage aus digitaler Projektion und der tatsächlichen Öffnung eines Fensters für das Christkind zu realisieren.
Kommt der Adventskalender wieder an die Kaiserpfalz?
Variante 2 sieht den Adventskalender wieder als digitale Projektion an der Kaiserpfalz vor, samt preiseverlosendem Christkind auf der Bühne.
Dem Vernehmen nach stößt dieser Vorschlag bei dem Gros der Räte aber auf Ablehnung. Martina Hebendanz spricht für ihre CSU-Fraktion gar von einem „No-Go“.
Oberbürgermeister Uwe Kirschstein: „Wohl auf Rathaus konzentrieren“
Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) fasst es folgendermaßen zusammen: „Wenn wir im März dann eine Entscheidung treffen, werden wir uns wohl auf das Rathaus konzentrieren“.
Genau das hat dann auch Variante 3 im Fokus. Derzufolge könnten auf das Gebäude mit speziellen Strahlern (Gobos) fantasievolle Lichtbilder geworfen werden, das Rathaus würde also dauerhaft illuminiert.
Gleichzeitig könnte das Christkinder aus einem offenen Fenster den Prolog sprechen. Weil laut OB Kirschstein bereits frühzeitig Aufträge vergeben werden müssten, drängt die Zeit für eine Entscheidung.
Aber, das ist den Stadträten unisono anzumerken, selbige wollen sie nicht übers Knie brechen.
Bedeutende Tradition seit 1996
Zu bedeutend die Tradition des 1996 ins Leben gerufenen „schönsten Adventskalender Deutschlands“. Zu groß die Angst davor, dass aus dem beliebten Postkartenmotiv der Fenster-Engel bloß ein „kitschiger Comic-Abklatsch“ würde, wie es ein Stadtrat auf den Punkt bringt.
Zumal man für die Sanierung des Rathauses einen hohen Millionenbetrag ausgebe; da müsse man solch ein Highlight wie den Adventskalender adäquat mitdenken.
Ideengeber Mike Wuttke: „An Traditionen festhalten“
Der damalige Ideengeber für den besonderen Kalender am Forchheimer Rathaus Mike Wuttke bezieht klar Stellung: „Man sollte an liebgewonnenen Traditionen festhalten, der Kalender muss also wieder am Rathaus stattfinden“, sagt er.
Tourismus-Chef Nico Cieslar wirft noch einen weiteren Punkt in die Waagschale: Eigentlich sollte seiner Meinung nach erst ein Gesamtkonzept für den kommenden Weihnachtsmarkt stehen, erst dann ließe sich sagen sicher festlegen, an welchem Ort der Adventskalender am meisten Sinn machte.
Da sei man dran, heißt es aus der Stadt. Und bis Weihnachten sind zum Glück noch ein paar Tage hin.
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