Normalerweise tummeln sich auf dem Parkett tanzende Hochzeitspaare, präsentieren stolze Ingenieure ihre Neuheiten oder halten Geschäftsführer Laudationen auf ihre Firmengeschichte.
Wenn es nach Andreas Kunst geht, kann schon bald Forchheims Kultur in seiner Volksbank Eventhalle einziehen.
Für die nach nutzbarem Raum dürstenden Kulturschaffenden klingt das nach einer Chance, für die Chefetage der Stadtverwaltung nach Erleichterung, gewännen sie doch in der zermürbenden Kulturhallen-Frage etwas Zeit.
Volksbank Eventhalle könnte Lösung sein
Stolz führt Andreas Kunst, 50 Jahre alt, studierter Marketing-Experte, durch seine tagsüber meist leere Eventhalle gegenüber des Obi-Marktes.
450 Quadratmeter groß, noch einmal so viel Lagerfläche, moderne Licht- und Soundtechnik, transportable Bars, Hunderte Parkplätze und ein ganzes Team an festen Mitarbeitern. Bestuhlt finden bis zu 350 Menschen Platz, ohne sogar bis zu 600.
Bis zu 200 Tage im Jahr leer
Nur: Bis zu 200 Tage im Jahr steht die Halle leer, es finden nicht täglich Hochzeiten statt, vor allem außerhalb der Sommermonate. „Ich habe der Stadt nun mein Angebot unterbreitet, die Halle künftig für allerlei kulturelle Veranstaltungen nutzen zu können“, sagt Kunst.
Denkbar wäre ein Rahmenvertrag mit der Stadtverwaltung, mittels dessen sie Kontingente buchen und für die Vereine vorhalten könnte. Für die hätte das den Vorteil, etwa direkt beim Kulturamt Termine buchen zu können.
Erste Gespräche mit Forchheims Stadtspitze hätten nun stattgefunden, sagt Kunst. „Gute Gespräche“, schiebt er hinterher. „Nun liegt der Ball bei der Stadt.“
Uwe Kirschstein: „Erste Gespräche laufen“
Oberbürgermeister Uwe Kirschstein bestätigt auf FT-Anfrage die laufenden Gespräche: „Wie vom Stadtrat beauftragt schauen sich Bürgermeisterin Annette Prechtel und ich uns im Moment nach möglichen Interimslösungen um.“ Aktuell sei man mit „zwei Privatleuten“ in Kontakt, so Kirschstein.
Auf der einen Seite Andreas Kunst. Der zweite Name soll weiterhin ein Geheimnis bleiben. Auf Nachfrage halten sich alle im Rathaus bedeckt. Nur so viel: Option 2 müsse erst noch gebaut werden, sagt Kirschstein. Wer, wie, wo, was? Bleibt geheim.
Forchheims Zweiter Bürgermeister Udo Schönfelder hatte Ende November für Aufsehen gesorgt, als er den versammelten Kulturschaffenden der Region eine mögliche Lösung skizzierte – ohne Details zu nennen. Ob es diese in die enge Auswahl der jetzigen Optionen geschafft hat, will er nicht kommentieren.
Aber er könnte sich vorstellen, dass die Entscheidung nicht zwingend eine der Varianten ausschließen müsse: „Wenn eine Halle bereits besteht und die zweite erst entstehen muss, könnte man doch zuerst die eine nehmen, dann die andere. Es muss kein Entweder-oder sein.“
Klarheit frühestens im Februar
Klarheit wird es frühestens im Februar geben, dann wolle man den Stadträten und der Öffentlichkeit die Ergebnisse der Sondierungen präsentieren. Bis dahin bleiben die Fragezeichen fett gedruckt. Und Andreas Kunst der letzte Strohhalm der Forchheimer Kulturszene.
Dabei gibt es dessen Halle schon seit fast acht Jahren. Wirklich ins Auge gefasst worden ist sie bisher kaum.
Kolpingshaus, Rathaus, Soccerhalle: Räume sind rar
Trotz des akuten Mangels, trotz der Tatsache, dass das Kolpinghaus bis mindestens 2029 abgemeldet ist, dass das im Rathaus entstehende Haus der Begegnung nicht vor dem Frühjahr 2025 fertig sein wird, dass die Soccerhalle vom Tisch ist und eine komplett neu gebaute Stadthalle allenfalls als Traumbild taugt.
Eventhalle: Bisher zu teuer?
Das offizielle Hauptgegenargument lieferte bisher die Preistafel. Kunst selbst gibt zu, dass sich kleine Vereine die Mieten bisher nicht leisten konnten.
Mit dem Ende 2022 beschlossenen Mietzuschuss für Vereine, die Räume für öffentliche Veranstaltungen buchen wollen (80 Prozent, maximal 3000 Euro), hat sich das geändert, die Eventhalle könnte somit auch für kleinere Vereine bezahlbar sein.
Zumal Kunst ankündigt, den Ehrenamtlichen bestmöglich entgegenkommen zu wollen. Auch finanziell. „Um die hiesige Kultur zu fördern“, wie er sagt.
Närrische Siedler Lichteneiche: Start in Kulturreigen?
Den neuen kulturellen Reigen im Forchheimer Süden eröffnen die Närrischen Siedler Lichteneiche mit ihrer auf zwei Abende aufgeteilten Prunksitzung am 10. und 11. Februar.
„Wir sind froh, nun doch eine Lösung in der Stadt gefunden zu haben“, sagt Närrische Siedler-Präsident Bernd Uttenreuther. Ohne den Zuschuss der Stadt und das Entgegenkommen Kunsts wäre die Eventhalle wohl nicht in Frage gekommen.
Ob es eine dauerhafte Zwischenlösung sein kann? Laut Uttenreuther ist das ungewiss. „Es kommt darauf an, ob wir es uns auch künftig leisten können.“ Und das haben sie nicht selbst in der Hand.
Bei aller Vorfreude auf den diesjährigen Fasching schielen die Narren also gespannt auf die Forchheimer Stadtpolitik. Wie alle übrigen Kulturschaffenden aus der Region. Nach dem Motto: Die beste Lösung ist die, die wir haben.
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