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Lösung gefordert
Zaubert Forchheim doch eine Halle aus dem Hut?
Zaubert die  Stadt eine Halle aus dem Hut?Forchheim & Fränkische Schweiz
Forchheims Musikern und Kulturschaffenden reicht es. Sie fürchten um ihre Existenz, wenn die Stadt das Kulturhallen-Vakuum nicht bald füllt. Ist eine Lösung in Sicht? Aus dem Rathaus kommen widersprüchliche Signale. // Illustration: Carolin Neundorfer; nicoletaionescu, zzve, stock.adobe.com
Forchheim – Die Kulturschaffenden sitzen zwischen den Stühlen: Beim politischen Gerangel um eine Veranstaltungshalle bleiben die Vereine auf der Strecke. Die Stadt stellt eine vage Lösung in Aussicht.

Bernd Froese ist sauer. Seit Jahren kämpfen sein Musikverein Forchheim-Buckenhofen und viele andere Kulturschaffende aus der Königsstadt um geeignete Räumlichkeiten. Die aber fehlen, für ihre Auftritte und Proben hangeln sie sich von Provisorium zu Provisorium.

Ein Bild vergangener Tage: Der Musikverein Buckenhofen spielt 2018 im Kolpinghaus. Zur Spielfreude mischt sich  bei vielen Vereinen heute  Existenzangst.Forchheim & Fränkische Schweiz
Ein Bild vergangener Tage: Der Musikverein Buckenhofen spielt 2018 im Kolpinghaus. Zur Spielfreude mischt sich bei vielen Vereinen heute Existenzangst. // Sonja Schrüfer/Archiv

Immer öfter müssen sie die Stadtgrenzen sogar verlassen. „Es könnte sein, dass der eine oder andere Verein die lange Wartezeit auf geeignete Räume nicht mehr überlebt“, sagt Froese. Aus dem steten Bitten der Vereine ist nun ein erbitterter Hilferuf geworden.

Froese ist nicht allein. Vor allem die im Kulturpuls vernetzten Gemeinschaften fordern immer intensiver eine zufriedenstellende Lösung ein. Man sei Kummer gewöhnt und überbrücke schwere Zeiten schon immer mit Leidenschaft und Spaß an der Sache. Aber der drohe zu vergehen, sagen sie.

Vor allem das Hin und Her habe viele Kulturschaffende verärgert, befindet Literaturbühnen-Leiter Rainer Streng. „Doch wir legen jetzt den Finger in die Wunde, bis sie sich schließt.“

Bei einem Diskussionsabend haben Forchheims Kulturschaffende, hier Rainer Streng, von der Stadtpolitik Lösungen gefordert.Forchheim & Fränkische Schweiz
Bei einem Diskussionsabend haben Forchheims Kulturschaffende, hier Rainer Streng, von der Stadtpolitik Lösungen gefordert. // Stephan Großmann

Lösung wird dauern – oder doch nicht?

Das aber kann dauern. Das Kolpinghaus wird nicht vor 2029 fertig werden, das im Rathaus entstehende Haus der Begegnung nicht vor dem Frühjahr 2025, und die Vision einiger, irgendwann gar eine große Stadthalle zu bauen, steht noch in den Sternen.

Soccerhalle ist vom Tisch

Bis dahin bleibt ein Spielstätten-Vakuum zurück. Die Soccerhalle zu einer teuren, aber pragmatischen Übergangslösung zu ertüchtigen, scheiterte knapp im Stadtrat. Und selbst wenn FGL und SPD die Diskussion wieder aufnehmen und die Soccerhallenlösung reaktivieren wollten, wird sie wohl keine realistische Alternative sein.

Was ließe sich stattdessen tun? Die Rathausspitze sendet diesbezüglich widersprüchliche Signale aus. CSU-Bürgermeister Udo Schönfelder will Hoffnungsschimmer verbreiten, lehnt sich etwas aus dem Fenster.

Udo Schönfelders Notplan bleibt Geheimsache

„Die Stadt befasst sich mit einigen Übergangslösungen. Offiziell dürfen wir noch nichts sagen, aber es laufen Gespräche mit verschiedenen Privatleuten.“ Wer, wo, was und wann? Bleibt Geheimsache.

Nur so viel: „Es wird vielleicht eine schnelle Lösung geben; eventuell schneller noch, als die Soccerhalle zu realisieren gewesen wäre“, sagt Schönfelder. Sein angedachter Zeithorizont ist breit, von einem halben Jahr bis hin zu zwei Jahren sei alles möglich.

Das klingt zu schön, um wahr zu sein, selbst für Bürgermeister-Kollegin Annette Prechtel. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts versprechen“, entgegnet die Grünenpolitikerin. „Alles andere wäre gelogen und ein großer Fehler.“

Erneut bleibt der Beobachter ratlos zurück. Denn ob innerhalb der Stadtverwaltung unterschiedliche Wissensstände vorherrschen oder Zwischenstände anders interpretiert werden, lässt sich von außen nur mutmaßen.

Aber die in diesem Fall demonstrierte Uneinigkeit der Stadtpolitik hinterlässt Spuren bei den ohnehin Verunsicherten. Bernd Uttenreuther von den Närrischen Siedlern bringt es so auf den Punkt: „Wir glauben, dass sich die Politik bemüht. Aber mir fehlt so langsam die Glaubwürdigkeit.“ Und die Zeit drängt.

Raumnot entzieht Existenzgrundlage

Jede Forchheimer Veranstaltung, die außerhalb der Stadt stattfindet, habe eine natürliche Barriere: die Anfahrt.

Bernd Froese, Vorstand des Musikvereins Forchheim-Buckenhofen: „Es könnte sein, dass der eine oder andere Verein die lange Wartezeit nicht mehr überlebt“.Forchheim & Fränkische Schweiz
Bernd Froese, Vorstand des Musikvereins Forchheim-Buckenhofen: „Es könnte sein, dass der eine oder andere Verein die lange Wartezeit nicht mehr überlebt“. // FT/Archiv

Bernd Froese denkt das Problem weiter: Weniger Publikum heißt weniger Einnahmen heißt weniger Möglichkeiten zum Beispiel für Jugendarbeit und Nachhaltigkeit. Den Vereinen, so argumentieren sie unisono, entziehe die chronische Raumnot allmählich die Existenzgrundlage.

Die gute Nachricht für die Kulturvereine könnte lauten, dass sie bei den Verantwortlichen Gehör finden und anderweitig Unterstützung erfahren, zum Beispiel mit dem erst kürzlich beschlossenen Mietzuschuss bis zu 3000 Euro für externe Veranstaltungsräume.

Die schlechte: Solange die von Schönfelder skizzierte Lösung nicht spruchreif ist, bleibt sie ein Luftschloss wie die anderen. Bis dahin müssen Forchheims Kulturschaffende und -fans weiterhin auf viele Veranstaltungen verzichten. Oder Forchheims Ortsschild hinter sich lassen.

 

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