„Es geht nicht nur um die Tiere, mit denen wir leben, sondern auch von denen wir leben“, erklärt Marianne Wende. Die heute 76-jährige Forchheimerin hat ihr Leben dem Tierschutz gewidmet und wurde dafür 2006 mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet. Nach 37 Jahren als Erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Forchheim gibt sie dieses Ehrenamt nun ab. Aber eines ist klar: Für die Tiere wird sie sich weiterhin einsetzen.
Ob es sich um die Verwahrlosung von Fundtieren, Tiere aus dem illegalen Tierhandel, dem Animal Hoarding oder die Massentierhaltung samt unzumutbarer Zustände handelt − dagegen anzugehen, war für Marianne Wende der Grund, vor ihrem 30. Geburtstag beim Tierschutz in Forchheim nachzufragen, ob sie denn helfen könne.
Marianne Wende war schon als Kind tierlieb
Ihr Vorgänger erklärte ihr, wenn sie helfen wolle, könne sie das natürlich auch beim Tierschutz tun. Das war selbstverständlich für Marianne Wende, die schon als Kind besonders tierlieb war. Und mit einem Tier aus der Umgebung hatte sie schon bald den ersten Fall. Dem sollten viele Tiere folgen.
Wie viele? Ihre Mitarbeiter zählten über 25.000 Tiere, die Wende in ihren 42 Jahren Ehrenamt gerettet hat.
Schwer verkraftbar waren für die Tierschützerin die Fälle von Animal Hoarding. „Tiere, die abgemagert und mit Parasiten übersät waren“, sagt Wende. Sie hat beispielsweise mit ihren Mitarbeiterinnen über 300 Kleintiere in Effeltrich befreit. Ein anderer Fall waren 60 Dackel, die in einer Dreizimmerwohnung gehalten wurden, die Badewanne war mit Exkrementen übersät. „Oft sind es Frauen, die glauben, sie retten Tiere“, erklärt Wende.
Wütend über Tierquälereien
„Wir haben aber auch schon gepflegte Tiere bekommen“, fügt Wende an. Schwer belastet hat die Tierschützerin die Geschichte eines Schäferhundes, der von seinem Besitzer wegen Ungehorsam in der Garage erhängt wurde. „Die Leute haben furchtbare Schreie gehört. Dann war Ruhe“, erinnert sich Wende, die sofort die Polizei informierte. Mit einem Suchhund fand die Polizei die Stelle, an der der Hund beseitigt wurde. Der Tod war für den Hund elendige Qual.
Wende wurde 1985 Erste Vorsitzende des Tierschutzvereins und übernahm dieses Amt bis heute. Wütend ist sie noch immer über Tierquälereien, aber auch über die Tiertransporte aus dem Osten und über Nutztiertransporte. Da müssten viele Tiere leiden und die Transporte hätten bis heute nicht gestoppt werden können. Schlimm sei auch das Wissen, dass die Dunkelziffer bei diesen Transporten sehr viel höher sei.
An manchen Tagen war sogar das Futter gefroren
Unter Wendes Engagement entstand auch der Bau des Tierheims. Vorher brachten sie die Tiere auf der gegenüberliegenden Seite des jetzigen Heims in Baracken unter. „Wir haben mit einem Dieselaggregat für Strom und mit einer Wasserpumpe gearbeitet“, erzählt Wende.
Nachts seien sie dorthin, um Kohle und Holz nachzulegen, damit es nicht gar so kalt war. Trotzdem: „An manchen Tagen war das Futter gefroren“, erinnert sich die Tierschützerin.
Erst als sich ein inzwischen verstorbener Redakteur einen Hund holte, seien diese Zustände durch die Medien bekannt geworden.
„Es war fast immer ein Vollzeitjob“
Der neue Bau wurde geplant und als das alte Tierheim abbrannte, war es wieder Marianne Wende, die sich ans Telefon klemmte und aus Heroldsbach nicht mehr gebrauchte Container als Spende erhielt.
„Es war fast immer ein Vollzeitjob“, sagt Wende, die den Tieren und dem Tierheim zuliebe 1985 ihren Beruf als medizinische Fachangestellte an den Nagel hängte.
„Dankbar bin ich für die vielen Jahre, die ich für die Mitgeschöpfe im Einsatz sein durfte“, sagt Wende. Und für die Menschen an ihrer Seite. Sie verspricht: „Ich werde den Tieren weiterhin beiseite stehen.“
Lesen Sie auch:
















