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Integrationsprobleme
Ist das Maß voll? Forchheimer fremdeln mit den Fremden
Immer mehr Geflüchtete brauchen eine Bleibe – auch im Landkreis Forchheim. Während es manch einem Nachbarn bereits zu viel ist, wird die Zahl der Hilfesuchenden weiter steigen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Immer mehr Geflüchtete brauchen eine Bleibe – auch im Landkreis Forchheim. Während es manch einem Nachbarn bereits zu viel ist, wird die Zahl der Hilfesuchenden weiter steigen. // Daniel Peter
Buckenhofen – In ihrer Fluchtheimat treffen Hilfsbedürftige nicht selten auf Vorbehalte. Auch im Landkreis Forchheim, wie etwa in Behringersmühle und Buckenhofen. Woran das liegt und was sich ändern müsste.

Ein regennasser Nachmittag an der Buckenhofener Straße.

Nichts deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass der Stadtteil im Forchheimer Nordwesten mit einem „massiven Überfremdungsproblem“ zu kämpfen hat, gar zu einem „Ghetto verkommt“.

So behauptet es jedenfalls ein aufgeregter Nachbar in einem Brief an Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein, der unserer Redaktion vorliegt. Darin weist der Anwohner auf die aus seiner Sicht massiven Missstände rund um die beiden fast nebeneinander liegenden Flüchtlingsunterkünfte hin.

Zwei Asylunterkünfte in der Buckenhofener Straße nebeneinander

Im ehemaligen Gasthaus „Zur Sonne“ in Buckenhofen sind etliche Geflüchtete untergekommen – das ist nicht die einzige Unterkunft für Asylbewerber in dem Forchheimer Stadtteil. Das gefällt nicht allen Nachbarn.Forchheim & Fränkische Schweiz
Im ehemaligen Gasthaus „Zur Sonne“ in Buckenhofen sind etliche Geflüchtete untergekommen – das ist nicht die einzige Unterkunft für Asylbewerber in dem Forchheimer Stadtteil. Das gefällt nicht allen Nachbarn. // Stephan Großmann

Seinen Schilderungen nach hätten die Buckenhofener rund um die beiden Anwesen an der Ortsdurchfahrt Angst, seien eingeschüchtert ob der multikulturellen Präsenz, hätten schon knifflige Situationen mit den Geflüchteten erlebt.

Nur wenige Meter von der anderen Asylunterkunft in der Buckenhofener Straße steht diese zweite Unterkunft.Forchheim & Fränkische Schweiz
Nur wenige Meter von der anderen Asylunterkunft in der Buckenhofener Straße steht diese zweite Unterkunft. // Stephan Großmann

Zwar spricht sich der Briefschreiber, dessen Name der Redaktion bekannt ist, auch dafür aus, „Integrationsmöglichkeiten und soziale Harmonie zu fördern“. Aber eben nicht geballt in Buckenhofen.

Bis Jahresende kommen weitere 220 Geflüchtete in den Landkreis Forchheim

Gesicherte Zahlen, wie viele der knapp 1000 in der Stadt Forchheim untergebrachten Geflohenen in Buckenhofen eine vorübergehende Bleibe gefunden haben, liegen nicht vor.

„Wir bemühen uns, die Menschen gleichmäßig zu verteilen“, sagt Frithjof Dier, der am Landratsamt Forchheim für die Unterbringung und Verteilung der Ankommenden verantwortlich zeichnet.

Insgesamt stehen aktuell knapp 1800 Namen auf Diers landkreisweiter Liste, bis Ende des Jahres kommen noch einmal mindestens 220 hinzu. „Auch für die haben wir in unseren 93 Unterkünften im Landkreis noch Platz. Aber danach wird es eng.“

Wohnungen für Geflüchtete bleiben Mangelware

Daher ist er mit seinem Team stets auf der Suche nach neuen Wohnungen oder Gebäuden, die er nutzen könne. Oft mietet das Landratsamt Immobilien von Privatleuten zu festen, von der Regierung von Oberfranken vorgegebenen Preisen.

„Immerhin müssen wir als Landkreis Forchheim diese Kosten nicht selbst stemmen – die übernimmt der Freistaat“, erklärt Dier. Und doch gerät auch er langsam an die Grenze des Machbaren. Neue Wohnungen zu finden sei immer schwieriger, geschweige denn Personal, das sich um die Abwicklung kümmert. Hinzu gesellen sich weitere lähmende Probleme.

Forchheims Stadträte werden auf Asylthema angesprochen

Wie in Buckenhofen. Wenngleich viele angesprochene Nachbarn die tiefen Sorgen des Briefschreibers nicht teilen, lassen sich vorhandene Probleme nicht wegdiskutieren.

CSU-Stadtrat Thomas Werner etwa wohnt selbst dort, wird oft auf das Thema angesprochen. Wenn plötzlich zahlreiche Migranten in ein Wohngebiet ziehen, falle das natürlich im Ortsbild auf. „Ich sage das wertungsfrei, eine Überfremdung erkenne ich nicht.“

Aber dass einige mit den Asylunterkünften ein Problem hätten, müsse man erkennen. Und handeln.

Kriminalitätsschwerpunkt Buckenhofen? Das sagt die Polizei

Der stellvertretende Leiter der Forchheimer Polizeiinspektion Thomas Weidner kann das mulmige Sicherheitsgefühl einiger Anwohner nicht mit Fakten belegen.

Zwar habe es einige Polizeieinsätze rund um die Asylunterkünfte gegeben. Aufsehenerregend war etwa die Suche nach einem vermissten Bewohner vor einigen Monaten, an der auch ein Hubschrauber beteiligt war. Auch seien für Abschiebungen vorsichtshalber nicht selten mehrere Streifen vor Ort.

„Aber in Buckenhofen ist kein Kriminalitätsschwerpunkt zu erkennen“, sagt er. Es sei wichtig, nicht alles in einen Topf zu werfen. Heißt, dass es sich nicht immer um eine Straftat drehe, nur weil Polizei vor der Unterkunft stehe.

Zu wenige Kitaplätze in Forchheim

Wo sich offen Probleme zeigen, ist die Kinderbetreuung. Aber auch die habe nur indirekt mit den Geflüchteten zu tun. SPD-Stadträtin Kerstin Neubauer wohnt ebenfalls in Buckenhofen und leitet eine Kindertagesstätte in dem Stadtteil.

„Trotz einiger Erweiterungen gibt es nach wie vor zu wenig Plätze. Viele Geflüchtete kommen aber mit Kindern, was die Situation zusätzlich verschärft.“

Wie könnte Integration im Landkreis Forchheim besser gelingen?

Was also tun, um besorgten Bürgern wie dem Briefschreiber ihre Ängste zu nehmen und gleichzeitig für gelungene Integration zu sorgen?

Offizielle Anlaufstellen wie das Landratsamt spielen beim weiteren Ankommen nur eine kleine Rolle. „Wir können ihnen vielleicht ein Dach über dem Kopf bieten. Von Integration rede ich schon lange gar nicht mehr“, sagt Frithjof Dier.

Dafür kommen dann beispielsweise die Beratungsstellen kirchlicher Träger oder das Netzwerk Asyl und Integration ins Spiel. Diese hauptsächlich durch ehrenamtliche Arbeit gestützten Initiativen begleiten Geflüchtete unter anderem bei Amtsgängen, helfen bei den vielen Formularen, geben Deutschunterricht und leisten rechtliche Beratung. Immer mit dem Ziel, den Menschen auch in Deutschland ein würdevolles Leben zu ermöglichen.

Und sie bestenfalls fest in die Gesellschaft zu integrieren. Nur kommen auch die allmählich an ihre Belastungsgrenzen beziehungsweise arbeiten schon längst darüber hinaus.

In den kommenden Monaten und Jahren werden weitere Geflüchtete in den Landkreis kommen. Auch nach Buckenhofen. Ob das Zusammenleben gelingt, haben alle gleichermaßen in der Hand.

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