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Wieder geht Kultur leer aus
Null Euro geplant: Kolpingshaus Forchheim bleibt so marode
Am Kolpingshaus in Forchheim wird sich vorerst nichts tun, geschweige denn ein Kulturzentrum entstehen. Das hängt auch mit Forchheims Haushaltskrise zusammen.
Am Kolpingshaus in Forchheim wird sich vorerst nichts tun, geschweige denn ein Kulturzentrum entstehen. Das hängt auch mit Forchheims Haushaltskrise zusammen. // Foto: Stephan Großmann/Archiv
Forchheim – Maroder Leerstand statt dringend benötigter Kulturstätte: Forchheims Kolpingshaus bleibt unsaniert. Seit Jahren schon gerät das Projekt stets ins Stocken. Nun geht auch noch völlig das Geld aus.

Die Wurst begleitet die Kunst durch die Jahrhunderte. Spätestens mit dem Schlagerhit Stephan Remmlers aus dem Jahr 1986 ist jedem bekannt, dass alles bis auf die Wurst ein Ende habe. Jetzt, fast 40 Jahre später, ist klar, dass Remmler Unrecht hatte. In Forchheim hat so manche Begebenheit kein Ende; etwa die Querelen um das Wohngebiet Philosophenviertel oder das Gezerre um ein frisch saniertes Kolpingshaus.

Kolpingshaus Forchheim: Keine Sanierung in den kommenden Jahren

Nun zeichnet sich zumindest beim Kolpingshaus ein vorzeitiges Ende ab. Aber nicht so, wie es sich Forchheims Kulturwelt noch im September 2022 vorgestellt hatte. Von einem Baubeginn Mitte 2025 war damals die Rede, ab 2029 wollte man das 500 Meter südlich des Paradeplatzes gelegene Haus zum modernen Kulturzentrum umgebaut haben. Letzten Ideen der Stadtplaner zufolge sollte der 432 Quadratmeter messende große Kolpingsaal bis zu 540 Sitzplätze fassen, auf denen Besucherinnen und Besucher beliebte Events wie das ZirkArt-Festival, Konzerte in Orchestergröße, Chöre sowie große Musik-Ensembles genießen könnten.

Mit großer Wucht hat die aktuelle Haushaltskrise Forchheim im vorigen Sommer auf den finanziellen Boden der Tatsachen zurückgeworfen, wo die Königsstadt vorerst verharren muss. Nicht mehr möglich sind solche Prestigeprojekte wie die zum Glück bereits beendete Umgestaltung des Paradeplatzes und die zum Glück bereits begonnene Sanierung des Rathauses. Zahlreiche weitere Projekte, nicht minder prestigeträchtig für das erfolgsverwöhnte Forchheim, drohen derzeit sogar ganz von der langen Bank herunterzufallen.

Königsbad, Kolpingshaus, Kellerwald: Forchheims Streichliste ist lang

Wie dem beinahe festgezurrten Haushaltsentwurf für das Jahr 2025 zu entnehmen ist, dominieren solch prominenten Projekte wie die Attraktivierung des Königsbades und die Sanierungen im Kellerwald die Streichliste der Kämmerin. Und das Kolpingshaus. Wörtlich heißt es in dem Text von Forchheims Finanzchefin zur Haushaltskonsolidierung: „Wichtig ist der Verwaltung der Fokus auf Pflichtaufgaben und der Verzicht auf Projekte wie Königsbad und Kolpingshaus“. Diesen Worten lässt sie Taten folgen, in der Zeile 1029 des Investitionsplans prangt beim Thema Kolpingshaus eine große Null. Heuer genauso wie in den Jahren bis 2028.

Kolpingshaus Forchheim: Ein Ende in Raten

Nachdem die Regierung von Oberfranken im April 2024 der Stadt für ihr großes Vorhaben keine Fördergelder in Aussicht gestellt hatte, wollte die Verwaltung eigentlich weitere potenzielle Fördergeber ansprechen. Und parallel dazu die Planungen für zwei Bauphasen vorantreiben. Phase 1: Sanierung des Bestands, versehen mit der Absicht, die „große Version“ realisieren zu wollen. Phase 2: Anbau des angedachten Foyers und weiteren Anbauten zum kommunalen Kulturzentrum.

Dass es am Kolpingshaus weitergehen müsse (FGL-Bürgermeisterin Annette Prechtel nannte die Realisierung des Kulturzentrums Kolpingshaus im April 2024 „alternativlos“), darüber herrscht im politischen Forchheim fraktionsübergreifend mehr oder weniger Konsens. Bis zuletzt, diskutabel bleiben allenfalls bautechnische Details.

Haushaltssperre Forchheim trifft auch Kulturlandschaft

Dann kommt der Sommer 2024, Forchheim wird von einer gigantischen Gewerbesteuerrückzahlung ausgeknockt. Haushaltssperre, Besetzungsstopp, Nachtragshaushalt. Die Nachwehen spüren Bürger, Verwaltung, Stadträte. Und die Kolpingshaus-Verfechter. Für dieses Projekt vorerst keinen einzigen Cent einplanen zu wollen, markiert einen neuen Tiefpunkt in Forchheims Kulturhallen-Misere.

Immer wieder ist das bereits seit 2012 andiskutierte Megaprojekt schon früher an seine Grenzen geraten. Den Anfang des jeweiligen Endes datieren die Beteiligten unterschiedlich.

Manche sagen, schon die Unterzeichnung des 99 Jahre gültigen Erbpachtvertrags habe die Stadt in die nun auszubadende Bredouille gebracht, andere begründen es mit Pech zu Beginn der Bauplanungen. Wegen der Rathaussanierung und dem Ende der Jahnhalle sollte zunächst ein provisorischer Umbau des Kolpingshauses einen Kulturbetrieb bis zur Fertigstellung des Rathauses gewährleisten.

Bei den Vorbereitungen zum Umbau werden im Mai 2020 gravierende Baumängel entdeckt. Weil das Holz im Dachstuhl mit Schädlingen befallen ist, muss das Kolpingshaus wegen möglicher Einsturzgefahr der Decken sofort gesperrt werden. Ende.

Es folgten mühevolle Recherchen seitens der Stadt, was für eine Kulturhalle eine Stadt wie Forchheim braucht. Die einen sprechen von mindestens 800 Plätzen und einer großen Halle auf der grünen Wiese, den anderen reichen 400 hübsch hergerichtete Plätze im Bestand. Fakt ist, dass Forchheim derzeit weder das eine noch das andere zu bieten hat.

Rathaussanierung und Soccerhalle kein Ersatz

Zwar liegt die Generalsanierung des Rathauses mittlerweile im Zeitrahmen, das für Veranstaltungen nutzbare „Haus der Begegnung“ rückt in mit langen Armen greifbare Nähe (Ende 2026 Stand jetzt). Doch der Veranstaltungssaal wird viel kleiner sein, als es der große Kolpingsaal war. 

Auch der immer wieder ins Spiel gebrachte Neubau einer großen Kulturhalle mit bis zu 800 Plätzen liegt bis auf Weiteres auf Eis. Und eine Wiederbelebung der Idee, die Soccerhalle als Interimskulturhalle zu nutzen, dürfte nach dem politischen Tauziehen vor zweieinhalb Jahren unrealistisch sein. 

Närrische Siedler: Nicht überrascht, aber traurig

Kulturschaffende blicken derweil weiterhin bang auf die Veranstaltungszukunft in der Stadt. Zwar hätten sich die Närrischen Siedler für ihre Prunksitzung mittlerweile mit der Sporthalle des Ehrenbürg-Gymnasiums gut arrangiert, wie Vereinsvorsitzender Bernd Uttenreuther erklärt. Wurst sei ihnen das Kolpingshaus dennoch nicht, sagt er. „Wir vermissen unseren Kolpingsaal schon sehr“, sagt Uttenreuther auf die vielen Prunksitzungen am Kolpingplatz zurückblickend.

Wurst ist das Aus der Kolping-Sanierung auch der übrigen Kulturszene nicht. Oder den Stadträten. Oder der Verwaltung. Einzig ändert das nichts daran, dass das Kolpingshaus wieder einmal vor seinem Ende steht.

 

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