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Vorab-Analyse
OB-Wahl 2026: Wer seinen Hut werfen will - und wer nicht
Wer wirft seinen Hut in den Ring für die OB-Wahl 2026? Viele halten sich noch bedeckt - doch es gibt bereits klare Meinungen.
Wer wirft seinen Hut in den Ring für die OB-Wahl 2026? Viele halten sich noch bedeckt - doch es gibt bereits klare Meinungen. // Illustration: Franziska Schäfer
Forchheim – 2026 sind Kommunalwahlen in Bayern. Doch schon jetzt lohnt sich eine Nachfrage, wer sich bereit fühlt, Forchheims oberstes Amt bekleiden zu wollen. Eine Überraschung lauert von rechts außen.

Udo Schönfelder wirkt selten schlecht gelaunt. An jenem 14. Mai wirkt er so fröhlich wie lange nicht. Es ist 16 Uhr, das Außenthermometer zeigt 24 Grad Celsius an, in der Aula der Ritter-von-Traitteur-Schule startet die jüngste Sitzung des Stadtrats. Nur ist es nicht SPD-Oberbürgermeister Uwe Kirschstein, der sich als Sitzungsleiter mit den Lokalpolitikern durch die Agenda hangelt. Der weilt auswärts auf einer Tagung. So übernimmt Schönfelder die Leitung des Gremiums. Eine mit Grinsen versehene Spitze hier, ein Witz dort zeigen die gute Laune am Vertretungssteuer. Ein Symbol für mehr?

Frühjahr 2026 wählt Bayern Bürgermeister und Kommunalgremien

Es mag nach viel Zeit klingen, bis in Forchheim wieder um Sitze in den kommunalen Parlamenten und Rathaussesseln gebuhlt wird. Im Frühjahr 2026, ein genauer Termin steht bis dato noch nicht fest, werden die Machtverhältnisse in den 2056 Gemeinden und 71 Landkreisen Bayerns eventuell neu verteilt. Schon jetzt wird deutschlandweit viel über Wahlen gesprochen (Europawahl am 9. Juni, Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg am 1. September, Bundestagswahl zwischen August und Oktober 2025), da lohnt sich ein früher Blick in Forchheims Politik-Blase. Wer will, wer kann 2026 die Stadtspitze übernehmen?

Forchheim hat gleich drei Rathauslenkende auf einmal

Aktuell – und das ist neu in Forchheims Geschichte – residieren gleich zwei Bürgermeister und eine Bürgermeisterin im Rathaus. Als Oberbürgermeister konnte sich Uwe Kirschstein 2020 erst in einer Stichwahl gegen Udo Schönfelder durchsetzen, das Wahlkampf-Trio komplettiert Bürgermeisterin Annette Prechtel von der Forchheimer Grünen Liste. Statt als Verlierer aus dem OB-Rennen zu gehen, regieren beide seither mit. Schönfelder sitzt dem Finanzausschuss vor und steuert alle Kellerwald-Themen, Prechtel ist Vorsitzende des Haupt-, Personal- und Kulturausschuss und kümmert sich um Kultur- und Umweltfragen.

Umfrage in Forchheim: Wer will (noch einmal) OB werden?

Und, werfen sie alle ihren Hut noch einmal in den Ring?

1. Uwe Kirschstein (SPD), Oberbürgermeister

Uwe Kirschstein, Oberbürgermeister Forchheim (SPD)Forchheim & Fränkische Schweiz
Uwe Kirschstein, Oberbürgermeister Forchheim (SPD) // Barbara Herbst

Fangen wir beim Chef persönlich an. Der 1977 geborene Rheinland-Pfälzer sitzt seit zehn Jahren im Forchheimer Stadtrat, verlor 2014 allerdings die erste Forchheimer OB-Stichwahl seit 1990 deutlich gegen den damaligen Amtsinhaber Franz Stumpf (CSU). Der legte 2016 jedoch sein Amt nieder, bei den Neuwahlen gewann er die Stichwahl knapp gegen den gemeinsamen Kandidaten von CSU und Jungen Bürgern Ulrich Schürr. Seit dem 1. April 2016 ist er OB, 2020 verteidigte er seinen Posten.

Und 2026? Laut der SPD-Ortsvorsitzenden Anna Röser sei es zwar noch zu früh, um etwas Konkretes zu sagen. „Aber ich würde mir natürlich wünschen, dass er weiterhin zur Verfügung steht“, sagt sie. Hoffen können Kirschstein-Fans.

Im FT-Sommerinterview sagte er im August 2023: „Projekte, die ich anfange, möchte ich beenden, das war schon immer in meinem Berufsleben so. Es gibt einige laufende Themen, die sogar über den Wahltermin 2026 hinausreichen, wie das Haus der Begegnung. Deshalb sage ich auch gleich, gerne noch einmal das Amt bekleiden zu wollen. Darüber werden dann allerdings die Wählerinnen und Wähler entscheiden.“ Auf eine aktuelle Anfrage liegt bis Redaktionsschluss noch keine Antwort vor.

2. Udo Schönfelder (CSU), Bürgermeister

Kellerwald-Bürgermeister Udo Schönfelder (CSU)Forchheim & Fränkische Schweiz
Kellerwald-Bürgermeister Udo Schönfelder (CSU) // Ronald Heck

Bedeckt halten sich die Christsozialen. Wenngleich Schönfelders verlorene Kandidatur vor vier Jahren noch an ihm nagen könnte und er öffentliche Auftritte qua Bürgermeisteramt offenkundig gerne wahrnimmt, blockt auch er offiziell allzu frühe Spekulationen über die in zwei Jahren anstehende Personenwahl ab. Viel konkreter kann – oder möchte – auch CSU-Ortsvorsitzender Thomas Werner zumindest öffentlich noch nicht werden. „Vor Herbst wird sich in Sachen Personalie sicher nichts tun“, sagt er.

Im Vergleich zu anderen Parteien gäbe es in Reihen der CSU sicher einige junge Kolleginnen und Kollegen, die sich wohl selbst den Posten zutrauen würden. Seien es – rein spekulativ – ein Fraktionsvorsitzender Josua Flierl, der sich stets meinungsstark in jeder Stadtratsdebatte einschaltet. Sei es – rein spekulativ – eine in Stadtrat und Kreistag erfahrene Martina Hebendanz. Oder – rein spekulativ – gar Alt-OB-Tochter Julia Stumpf?

Ob sie sich letztlich gegen Schönfelder durchsetzen könnten, ob sie das überhaupt wollten und ob sich gar weitere in Stellung brächten, bleibt Glaskugelleserei. Thomas Werner verrät nur so viel: „Ich werde garantiert nicht kandidieren.“

3. Annette Prechtel (Grüne, FGL), Bürgermeisterin

Annette Prechtel (FGL), Bürgermeisterin ForchheimForchheim & Fränkische Schweiz
Annette Prechtel (FGL), Bürgermeisterin Forchheim // FT/Stadt Forchheim

Kein Aussageglück auch bei den Grünen. „Aus unserer Sicht ist jetzt noch nicht der Zeitpunkt, öffentlich Überlegungen zur OB-Wahl anzustellen“, schreibt Annette Prechtel auf Anfrage. Teil zwei ihrer Antwort ließe sich für politische Beobachter zwar schon als Mini-Wahlkampf-Auftakt lesen („Wir legen unseren Fokus derzeit viel mehr auf Themen, die wir noch in dieser Amtsperiode bewegen wollen in Sachen Klimaschutz, Verkehrspolitik, Stadtentwicklung und Kultur.“). Statt Debatten und Diskussionen „unnötig zuzuspitzen“, wolle man „durch starke Sacharbeit und gute Zusammenarbeit im Stadtrat noch einige Themen voranbringen“. Gesprochen wie eine wahre Oberbürgermeisterin. Rein spekulativ selbstverständlich.

Und die anderen?

Video-Kommentar vom Autor Stephan Großmann

Kommentar von Digitalredakteur Stephan Großmann

Kommentar von Digitalredakteur Stephan Großmann

4. Junge Bürger, Freie Wähler, FDP, AfD

Voraussichtlich heraushalten werden sich die Jungen Bürger. Wie Stadtrats-Fraktionschef Philipp Blümlein sagt, plane man derzeit keine Kandidatur, sondern konzentriere sich auf „eine starke Liste für den Stadtrat“.   

Die Freien Wähler könnten sich laut ihrem Vorsitzenden Manfred Hümmer schon vorstellen, einen Kandidaten aufzustellen. „Es steht im Raum, aber konkret ist noch nichts.“ Hümmer selbst hatte jedoch bereits angekündigt, „Stand Heute" nicht wieder antreten zu wollen, potenzielle Bewerber aus der zweiten Reihe stehen aktuell (noch) nicht Schlange.

Tobias Lukoschek, hiesiger FDP-Chef, lässt selbiges verlautbaren: „Wir werden vielleicht einen Kandidaten stellen“, sagt er. Ob es wie 2014 wieder Sebastian Körber sein könnte, kommentiert er nicht (genauso wenig wie Körber selbst). Aber: „Die FDP 2024 ist größer und hat mehr zu bieten als damals, da gibt es auch über mögliche Kandidaten mehr Abstimmungsbedarf.“

Große Ambitionen hegt auch die AfD. Obwohl die in Teilen rechtsextreme Partei spätestens mit dem Austritt ihres einzigen Stadtrats-Mitglieds Matthias Machts im Mai über kein prominent vertretenes Mitglied mehr verfügt, wolle man laut dem Kreisvorsitzenden Oliver Hammrich sogar „nicht nur einen Kandidaten“ stellen.

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