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Wärme der Zukunft?
Heizen mit Holz: Waldbesitzer kämpfen für besseres Image
Heizen mit Holz – egal ob Scheitholz oder Pellets – erfreut sich immer größerer Beliebtheit.Forchheim & Fränkische Schweiz
Heizen mit Holz – egal ob Scheitholz oder Pellets – erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Doch über die Umweltverträglichkeit wird dennoch diskutiert. // maho - stock.adobe
Hallerndorf – Holzheizungen sind in der Fränkischen Schweiz so populär wie fast nirgendwo sonst. Über Sinn und Umweltfreundlichkeit des Wald-Brennstoffs wird aber weiterhin scharf debattiert. Eine Bestandsaufnahme.

Wohlige Wärme strömt vom Kachelofen aus in die gesamte Wohnung. Es knistert im Kamin, in der Luft liegt eine ganz leicht rauchige Note. So romantisch wie diese Vorstellung klingt, ist das Thema in Wahrheit nicht. Heizen mit Holz – wie viele andere Themen rund um Energie- und Wärmewende wird auch dieses zum Teil emotional diskutiert. So auch bei uns in der Region.

Wälder im Landkreis Forchheim: Wichtiger Lebensraum

Ein kleines Waldstück bei Hallerndorf, es ist ein heißer Tag Ende Juli. Eigentlich viel zu sommerlich, um übers Heizen zu sprechen. Aber die großen Holzlaster verraten, dass genau jetzt das Holz gerückt wird, dass wir im Herbst in die Häuser schichten. Die Waldbesitzervereinigung Kreuzberg (WBV) hat nun eine kleine Delegation Interessierter eingeladen, um vor Ort über ihr brennendstes Thema zu sprechen: Holz. Genauer: Holznutzung.

WBV-Geschäftsführer Matthias Koch ist in seinem Element, er spricht über die mehr als 100 Jahre alten Kiefern hinter ihm so, als hätte er sie einst selbst gepflanzt. Und er spricht darüber, was alles nötig sei, um den für die Artenvielfalt so wichtigen Lebensraum Wald zu erhalten.  

Matthias Koch, Geschäftsführer Waldbesitzervereinigung Kreuzberg, klärt über den Zustand heimischer Wälder auf. Sein Fazit: Noch gut, aber pflegebedürftig.
Matthias Koch, Geschäftsführer Waldbesitzervereinigung Kreuzberg, klärt über den Zustand heimischer Wälder auf. Sein Fazit: Noch gut, aber pflegebedürftig. // Stephan Großmann

Denn auch wenn es einem Laien auf den ersten Blick nicht auffallen dürfte, leidet der Wald zusehends. Dafür müssen die Borkenkäfer – wie hier bei Hallerndorf – noch nicht einmal zum großen Problem werden. Die über die Jahre zunehmend starken Hitzetage und die trockenen Böden ließen die Bäume schleichend sterben, sagt Wolf. Kommen dann noch Käfer hinzu, sei das Waldsterben kaum noch aufzuhalten. Die Lösung formuliert Koch so: „Wir brauchen einen starken Eingriff in den Wald, um den wegen des Klimawandels notwendigen Umbau zu schaffen.“

Waldbesitzer: Nur bewirtschafteter Wald sei gut fürs Klima

Mit starkem Eingriff meint der studierte Forstingenieur den Umbau des Waldes, der nur durch kluge Bewirtschaftung möglich sei. Mehr als ein Drittel der Fläche Bayerns ist von Wald bedeckt, davon verteilt sich wiederum mehr als die Hälfte auf etwa 700.000 private Waldbesitzer. So auch in der heimischen Region, allein die 4500 Hektar Waldfläche der WBV Kreuzberg teilen sich knapp 1000 Mitglieder. Genau in dieser Aufsplittung auf Kleinstbestände liegt ein Teil des Problems. Denn kaum einer bewirtschaftet sein Waldstück hauptberuflich, für viele sei es mehr ein Hobby oder gar nur ein unliebsames Erbe. Auch lohne sich der Erlös des Baumertrags nicht immer zwingend, vor allem, wenn das Holz nicht eben als Bauholz für die Wirtschaft taugt.

WBV Kreuzberg: Ernterückstau von 30 bis 40 Jahren

Zu lange sei nichts gemacht worden in den Waldstücken, monieren die Experten. „Die Bestände vom fränkischen Jura bis zum Aischgrund haben einen Ernterückstau von 30 bis 40 Jahren“, sagt Georg Rothlauf, Vorsitzender des WBV Kreuzberg. In anderen Vereinigungen wird es nicht viel anders aussehen. Je älter ein Baubestand wird, desto anfälliger wird er aber für Beeinträchtigungen und Krankheiten. Daher gehen Rothlauf, Koch und andere Holz-Enthusiasten regelmäßig auf PR-Tour, um den Besitzern die Notwendigkeit einer nachhaltigen Bewirtschaftung ihres Waldes zu vermitteln.

Knapp zehn Kubikmeter würden jährlich nachwachsen, sagt Rothlauf. „Selbst wenn wir das alles entnehmen, sind wir in den nächsten Jahren mehr als genug mit Holz ausgestattet.“

Knapp 500.000 Festmeter holz vermarkten die oberfränkischen Waldbesitzer jährlich. Theoretisch wäre sogar noch viel mehr da.
Knapp 500.000 Festmeter holz vermarkten die oberfränkischen Waldbesitzer jährlich. Theoretisch wäre sogar noch viel mehr da. // Stephan Großmann

Das schließt den Kreis zum Kaminofen. Laut Forstwirtschaftlicher Vereinigung Oberfranken vermarkten ihre 14.000 Mitglieder auf einer Fläche von 130.000 Hektar jedes Jahr 500.000 Festmeter Holz. Weil vieles davon nicht die Qualitätskriterien der Sägeindustrie erfüllt, wird dieses als Brennholz verkauft oder zu Hackschnitzeln weiterverarbeitet, die dann beispielsweise in örtlichen Nahwärmenetzen wie Hausen oder Adelsdorf genutzt werden. Laut WBV sei die Hackschnitzelproduktion mittlerweile sogar die wichtigste Einnahmequelle vieler Waldbauern.

Waldbesitzer vs. Umweltbundesamt und Bund Naturschutz

Doch während bei der Produktion von langlebigen Holzprodukten keine Zweifel über deren positive CO₂-Bilanz bestehen, sieht das bei der thermischen Verwertung ganz anders aus. „Holz ist der wichtigste heimische Rohstoff, den wir haben. Holznutzung ist aktiver Umwelt- und Naturschutz“, sagt Bernhard Breitsameter, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbands, auf der einen Seite. „Der intelligent bewirtschaftete Wald hat eine höhere Artenvielfalt als der ungenutzte." Den gespeicherten Kohlenstoff dürfe man nicht nur fürs Bauen nutzen, sondern auch fürs Heizen. Zu viel Holzmaterial würde ansonsten ungenutzt verrotten und weiteres CO₂ ausstoßen.

Bernhard Breitsameter, Präsident Bayerischer Waldbesitzerverband.
Bernhard Breitsameter, Präsident Bayerischer Waldbesitzerverband. // Stephan Großmann

Sowohl das Umweltbundesamt („Zum Heizen von Gebäuden sollte Holz allenfalls in gut begründeten Ausnahmefällen eingesetzt werden, in denen es tatsächlich keine Alternative gibt.“) als auch Verbände wie der Bund Naturschutz (BN) halten dagegen. Bayerns BN-Vorsitzender Richard Mergner: „Auch Heizen mit Holz belastet selbstverständlich das Klima durch das freigesetzte CO₂“. Damit meint er vor allem die großindustrielle Nutzung. Jedoch schränkt Mergner ein: „Weniger kritisch sehen wir die Holz-Eigennutzung von Waldbesitzern, die in der Gesamtmenge kaum ins Gewicht fällt.“

Heizen im Landkreis Forchheim: Holz bleibt wichtig

Und eben jene haben auch Koch, Rothlauf und Breitsameter im Blick. In keinem anderen Bundesland wird so viel mit Holz geheizt wie in Bayern. Dem Mikrozensus 2022 des Statistischen Bundesamtes zufolge heizen im Freistaat 9,7 Prozent der Haushalte überwiegend mit Holz. Am meisten Holz verheizt wird in der Oberpfalz und der Fränkischen Schweiz. Bundesweiter Durchschnitt sind 4,2 Prozent.

Wenn es nach Bayerns Staatsregierung ginge, dürfe dies sogar noch zunehmen. So haben unter anderem Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber Anfang Mai mit dem „Pakt Holzenergie“ Bayern ihre klaren Bekenntnisse zu stärkerer Holznutzung unterstrichen.

Thomas Koch freut’s. Je mehr Fokus auf Holz als Energieträger liege, desto besser könne man auch die kleinen Waldbesitzer dazu animieren, ihren Wald nachhaltig zu bewirtschaften. Bernhard Breitsameter, Bayerns oberster Waldbesitzer, wird deutlich: „Nicht der Wald rettet das Klima, sondern das Holz.“ Schließlich sei nur dann gewährleistet, dass das im Wald gespeicherte CO₂ nicht entzogen wird, sondern im Kreislauf bleibt. Nur Holz allein sieht aber nicht einmal Breitsameter als geeignet, um den winterlichen Wärmehunger der Bayern zu stillen. „Aber als Teil eines hybriden Heizsystems ist Holz unschlagbar.“

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