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Die Wärmeflüsterer
Nahwärme: Wie Hausen die Versorgung selbst in die Hand nimmt
Solche Rohre sollen in Hausen zukünftig Wärme in die Häuser bringen. Doch bis dahin gibt es für Bürgermeister Bernd Ruppert noch einiges zu tun.
Solche Rohre sollen in Hausen zukünftig Wärme in die Häuser bringen. Doch bis dahin gibt es für Bürgermeister Bernd Ruppert noch einiges zu tun. // Foto: Stephan Großmann
Hausen – Hausen plant den großen Coup: Hunderte Bürger des Ortes sollen die Chance bekommen, an ein groß dimensioniertes Nahwärmenetz angeschlossen zu werden. Warum das die Gemeinde zum Vorreiter macht und wann es losgeht.

Noch wirkt er etwas verloren. Noch steht Bernd Ruppert an einem sonnigen Märztag auf einem brachliegenden Acker, noch lässt sich dort im Norden Hausens, an der Forchheimer Straße, nichts von der energetischen Zukunft der Gemeinde erkennen. Doch die Augen des Bürgermeisters leuchten, wenn er von seiner Vision erzählt, wie er die Stuben seiner Einwohner künftig wärmen will. Von der Idee, beinahe den gesamten Ort wärmend miteinander zu verbinden.

Noch ist es Theorie. Noch.

Nahwärmenetz Hausens: Bürgermeister Bernd Ruppert zum aktuellen Stand

Nahwärmenetz Hausens: Bürgermeister Bernd Ruppert zum aktuellen Stand

Nahwärmenetz Hausen: Bis zu 300 Haushalte können angeschlossen werden

Kurz vor dem Ortstermin lädt der CSU-Bürgermeister in sein provisorisches Rathaus ein, um über eins seiner Herzensthemen zu reden. Nahwärme. Unabhängig von fossilen Brennstoffen und schwankenden Energiepreisen wolle er die knapp 3000 Hausener im Hauptort machen. Schon weit mehr als 200 Haushalte haben sich mit einem Vorvertrag ihre Chancen auf einen Anschluss an das knapp 14 Kilometer lange Leitungsnetz gesichert. „Für bis zu 300 Haushalte ist das Netz nach unserer Machbarkeitsstudie ausgelegt“, sagt Ruppert. Weshalb er gerne noch etwas die Werbetrommel rührt, zumal nur ein tatsächlicher Versorgungsvertrag am Ende zählt. Doch er ist bester Laune, „sein“ Projekt scheint gut anzukommen.

Nahwärme: 280 Menschen waren Ende Februar bei der Infoveranstaltung in Hausen.
Nahwärme: 280 Menschen waren Ende Februar bei der Infoveranstaltung in Hausen. // Gemeinde Hausen

Landkreis Forchheim: Gut aufgestellt mit Nahwärmenetzen

Allein dass Hausen ein Nahwärmenetz bekommen soll, ist nicht sonderlich revolutionär. Einige Kommunen im Landkreis Forchheim gehen bereits seit Jahrzehnten mit besten Beispielen voran; etwa Ebermannstadt, Gräfenberg, Hallerndorf, Forchheim und zuletzt Gößweinstein, um nur einige zu nennen. Jedoch sind es die geplanten Dimensionen, die das Hausener Netz von den übrigen abheben.

So soll am Ortseingang, wo einst das Jugendheim Toxic gestanden hatte, noch in diesem Jahr mit dem Bau des Heizwerkes begonnen werden. Darin sollen übers Jahr verteilt aus 300 Lkw-Ladungen Hackschnitzel 8,6 Millionen Kilowattstunden Nutzenergie entstehen. Mehr als genug für die Angeschlossenen. Zumal eine beachtliche Solarthermieanlage den Holzverbrauch in den Sommermonaten einschränken soll.

So könnte das Heizwerk in Hausen einmal aussehen, dass in der Forchheimer Straße entstehen soll.
So könnte das Heizwerk in Hausen einmal aussehen, dass in der Forchheimer Straße entstehen soll. // Visualisierung: Rosbigalle+Glauber Planwerkstatt

Erschlossen werden soll das Nahwärmenetz beinahe über den gesamten Ort, der Trassenplan lässt nur wenige Lücken erkennen. Eine große gibt es aber: Der Ortsteil Wimmelbach geht leer aus, weil die „Wärmenetzbelegungsdichte“ nicht ausreiche. Heißt: Zu wenige Abnehmer, zu weit weg.

Baubeginn in Hausen 2024, Wärme soll ab 2026 fließen

Zurück in den Hauptort: Laut Liefervertrag will die eigens gegründete Nahwärme Hausen GmbH (Geschäftsführer: Bernd Ruppert und Wolfgang Windisch) nicht nur in den kommenden Monaten den mit einigen Straßenbaustellen verbundenen Leitungsbau vorantreiben. Auch übernimmt sie die Verlegung bis in den Heizraum. Ein komplexes Projekt, muss auch Bürgermeister Ruppert zugeben. Und eins, dass sich nur lohnt, weil beispielsweise mit der dann fertigen Mehrzweckhalle, der Kita und der Schule einige Großabnehmer angeschlossen sein werden. Und, weil das Millionenprojekt großzügige finanzielle Förderungen erfährt.

Probleme? Bescheid von Bafa kommt erst spät

Genau dieses Thema ist es, dass Ruppert nachträglich noch die Sorgenfalten ins Gesicht treibt. Nach monatelanger Hängepartie, „ich war schon angespannt“, hält der Gemeindechef seit Februar endlich den Förderbescheid vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Höhe von 6,1 Millionen Euro in den Händen. Nicht nur er selbst, auch Teile des Gemeinderats und Interessenten wurden nervös, weil auch sie lange nichts von der Gemeinde über den Fortschritt hörten.

Doch auch die saß auf glühenden Kohlen. Nun nicht mehr, Ende gut, alles gut.

„Ohne die Zusage hätten wir das Projekt nicht realisieren können“, so Ruppert. Kein Wunder, insgesamt sind fast 16 Millionen Euro angesetzt, für die je zur Hälfte die Gemeinde und die Biomasseheizwerk Forchheim GmbH verantwortlich zeichnen.

Hausens Bürgermeister Bernd Ruppert (CSU): "Jetzt kann es endlich bald losgehen"
Hausens Bürgermeister Bernd Ruppert (CSU): "Jetzt kann es endlich bald losgehen" // Foto: Stephan Großmann

Was die Einwohner für den Anschluss ans Nahwärmenetz bezahlen müssen

Ganz ohne Kosten kommen aber auch die Bürger nicht zu ihrer Nahwärme. Brutto kalkuliert die Gemeinde mit ungefähr 11.900 Euro Anschlusskosten pro Haushalt, wobei die Bafa auch hier nach Antrag gut die Hälfte übernehmen könnte. Die laufenden Verbrauchskosten lägen laut Ruppert etwa gleich mit den Kosten einer bestehenden Heizungsanlage (auf der Homepage der Gemeinde gibt es eine Beispielrechnung). Aber, so listet der Bürgermeister die Vorteile auf, der dann installierte Wärmetauscher, der die über das Netz gelieferte Wärme fürs Haus aufbereitet, ist nicht viel größer als ein Zigarettenautomat. Um dessen Wartung müsse sich der Nahwärmekunde zudem nicht mehr scheren.

So könnte das Nahwärmenetz in Hausen funktionieren (vereinfacht schematisch dargestellt).
So könnte das Nahwärmenetz in Hausen funktionieren (vereinfacht schematisch dargestellt). // Grafik: Gemeinde Hausen

Dominik Bigge: „Hausen hat seine Hausaufgaben gemacht"

Dominik Bigge schaut zufrieden in den Landkreiswesten. „Hausen hat seine Hausaufgaben gemacht“, sagt der Klimaschutzmanager des Landkreises. Aber auch grundsätzlich nehme der Kreis beinahe eine Vorreiterrolle in Sachen Energiewende ein, zumindest, was die Wärmeproduktion betreffe. Zwar läge der Landkreis bei der Erzeugung erneuerbaren Stroms noch unter Bundesdurchschnitt („weil noch Windräder fehlen“), bei erneuerbarer Wärme allerdings darüber. Und was heute das Holz ist (44,5 Prozent der Landkreisfläche besteht aus Wald), könne in 20 Jahren vielleicht eine ganze andere Energiequelle sein. Entscheidend sei, dass es einmal ein Netz gebe. Und: „Jede weitere Wärmepumpe und jedes Nahwärmenetz ist gut für die Energiewende“, sagt Bigge.

Kritik an Nah- und Fernwärme: Intransparente Monopole

Dabei sind Nah- und Fernwärmenetze nicht unumstritten. Die Anbieter hielten lokale Monopole und gestalteten ihre Preise oft so, dass Verbraucher dies nicht nachvollziehen könnten. Ab April solle es laut Deutscher Presseagentur eine Preisplattform geben, mit der der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) und die Arbeitsgemeinschaft Fernwärme (AGFW) Preise transparenter gestaltet wolle. Außerdem, ergänzt Bigge, habe sich das Vertragswesen in der Nahwärmeversorgung in den vergangenen Jahren „deutlich in Richtung Verbraucher gedreht“.

Das sieht auch Bürgermeister Bernd Ruppert so. Er muss wegen des Gebäudeenergiegesetzes sowieso bis spätestens 2027 eine kommunale Wärmeplanung vorlegen, wie er die Heizinfrastruktur klimaneutral umbauen will. „Alle reden ständig von der Energiewende“, sagt er. „Ohne Engagierte vor Ort wird die nicht funktionieren.“

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