0
Forchheimer Kultkarren, Teil 7
Das neue Oldtimerglück mit einem 44 Jahre alten VW in Burk
Der VW Käfer ist Kult in Deutschland. Dieses Exemplar gehört seit dieser Woche ganz neu zum Straßenbild in Forchheim.
Der VW Käfer ist Kult in Deutschland. Dieses Exemplar gehört seit dieser Woche ganz neu zum Straßenbild in Forchheim. // Martin Regner
Forchheim – Fahrzeuge sind aus Plastik, piepsen bei jeder Gelegenheit und sehen alle gleich aus? Nein, denn zum Forchheimer Straßenbild gehören auch alte Klassiker. Teil 7: Der „Knatterton“ aus Forchheim-Burk.

Der VW Käfer des Typs 1200 von Lisa Göderer ist 44 Jahre alt und doch ganz neu auf den Forchheimer Straßen: „Den haben wir am Montag erst zugelassen“, erklärt Göderer, die mit ihrer Familie im Stadtteil Burk lebt. Mit dem kultigen Oldtimer erfüllt sich für sie ein Traum, wenn auch in anderer Form als ursprünglich gedacht: „Ich wollte eigentlich immer so einen alten Fiat 500 haben. Aber das ist halt nur ein Viersitzer.“

Zufallsfund bei einer Radtour in der Fränkischen

Göderer wollte ihren Oldtimer aber so viel wie möglich im Alltag bewegen und auch die ganze Familie sollte darin Platz finden. Und die besteht aus ihr selbst, drei Kindern und ihrem Ehemann Edgar. Also kam der Fiat 500 nicht in Frage und es blieb nur die Wahl eines Autos mit fünf Sitzplätzen. Der VW Käfer war dann ein Zufallsfund, auf den die Göderers bei einer Radtour durch die Fränkische Schweiz aufmerksam wurden: „Wir kamen grad mit dem Fahrrad aus dem Wald und da stand der dann vor uns“, erinnert sich Edgar Göderer.

„Und dann habe ich gesehen, dass da ein Schild drin hängt: Zu verkaufen“, ergänzt Lisa Göderer. Mit dem Verkäufer wurde man sich schnell handelseinig und so kam der alte 1200er VW nach Forchheim. Uneins sind sich die Göderers allerdings über die Lackfarbe, die ihre Neuerwerbung trägt: „Mein Sohn hat gesagt, der ist gelb. Für mich ist der aber grün. Und in den Fahrzeugpapieren steht drin, er ist blau.“ Recht pragmatisch beschreibt Edgar Göderer den Farbton des neuen Familienautos: „Der ist zahnpastafarben“.

Welche Farbe hat der Käfer von Lisa Göderer? Ob Gelb, Grün, Blau oder Zahnpasta - das ist in der Familie noch nicht endgültig geklärt.
Welche Farbe hat der Käfer von Lisa Göderer? Ob Gelb, Grün, Blau oder Zahnpasta - das ist in der Familie noch nicht endgültig geklärt. // Martin Regner

Egal, wie die Farbe des Käfers nun heißt: Für Lisa Göderer ist es die Hauptsache, dass es ein anderer Ton ist als das Einerlei aus Grau und Schwarz, mit dem die meisten heutigen Autos lackiert sind. Bunte Farben sind Lisa Göderer ein Anliegen und so ist auch das Familienhaus in Burk in einem kräftigen Dunkelrot gestrichen. Zu dem Bedürfnis, sich mit bunten Farben zu umgeben, passt der alte Käfer gut. War er doch damals auch in kräftigen Lackfarben wie Granatrot, Sumatragrün, Texasgelb oder Leuchtorange erhältlich.

Die Welt des VW Käfers ist bunt, wie dieses Bild von einem Oldtimertreffen beweist.
Die Welt des VW Käfers ist bunt, wie dieses Bild von einem Oldtimertreffen beweist. // thosti57/AdobeStock

Die erste Fahrt nach der Zulassung am Montag war eine Tour mit der ganzen Familie nach Ebermannstadt in die Eisdiele. Und weil der Käfer jetzt quasi zur Familie gehört, hat er natürlich auch einen Namen: „Der heißt Knatterton“, erklärt Lisa Göderer. Ein Name, der dem Auto gut steht. Denn einerseits macht sich der luftgekühlte Boxermotor im Heck mit seinem einst VW-typischen hellen Nageln deutlich bemerkbar. Und andererseits genießt heute nicht nur der VW Käfer Kultfaktor, sondern auch die Detektivfigur „Nick Knatterton“, der einst in der Zeitschrift „Quick“ in spannenden Kriminalfällen ermittelte.

Er läuft und läuft und läuft: Der VW Käfer von Lisa Göderer aus Forchheim-Burk

Er läuft und läuft und läuft: Der VW Käfer von Lisa Göderer aus Forchheim-Burk

Wer genau hinschaut, wird feststellen, dass der 1980 erstzugelassene VW im Laufe der Jahrzehnte an bestimmten Stellen dezent optisch modernisiert worden ist. Etwa mit abgedunkelten Heckleuchten (die wegen ihrer charakteristischen Form in Fan-Kreisen den Beinamen „Elefantenfüße“ tragen). Oder mit einem Sportlenkrad im Innenraum und weißen Blinkern in der vorderen Stoßstange.

An manchen Stellen wurde der alte VW dezent modernisiert, etwa mit einem Sportlenkrad im Innenraum.
An manchen Stellen wurde der alte VW dezent modernisiert, etwa mit einem Sportlenkrad im Innenraum. // Martin Regner

Der Motor mit seinen 34 PS Leistung werkelt im Heck; unter der vorderen Haube verbirgt sich der Ersatzreifen und ein kleiner Kofferraum. Und auch sonst besticht der Oldtimer durch viele zeitgenössische Details wie den verchromten Außenspiegeln, den runden Scheinwerfern und den gummibezogenen Trittbrettern unter den Türen. Wer sich auf die Rückbank falten will, muss zuerst die Lehnen der Vordersitze vorklappen. 

Große Klappe, wenig dahinter: Unter der vorderen Haube findet sich das Ersatzrad und ein kleiner Kofferraum.
Große Klappe, wenig dahinter: Unter der vorderen Haube findet sich das Ersatzrad und ein kleiner Kofferraum. // 

Für Lisa Göderer steht fest: „Das soll ein Auto sein für den Alltag, das möglichst viel gefahren wird. Weil das macht einen Käfer aus.“ Vom Fahrgefühl ist die Burkerin begeistert: „Der fährt sich phantastisch. Da mag man kein neues Auto mehr, wenn man einmal da drin gesessen ist.“ Was sie an ihrem „Knatterton“ besonders schätzt, ist „diese einfache Art des Fahrens, wo man das noch merkt, wenn man den Gang einlegt, und wo nicht dauernd irgendwas rot blinkt.“

Lisa Göderer ist von ihrem Oldtimer begeistert: „Die Form ist zum Verlieben“.
Lisa Göderer ist von ihrem Oldtimer begeistert: „Die Form ist zum Verlieben“. // Martin Regner

„Und auch die Form ist zum Verlieben“, schwärmt Lisa Göderer. Von daher stehen die Chancen gut, dass sich ihr „Knatterton“ bald fest im Forchheimer Straßenbild etabliert. Alles, was ihr zum vollendeten Oldtimerglück noch fehlt, ist eine Garage, in der sie den betagten VW unterstellen kann: „Da haben wir leider noch keine gefunden.“

Lesen Sie auch: 

 

 

Inhalt teilen
  • kopiert!