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Ungleiche Entlohnung
Wer im Landkreis Forchheim am meisten verdient
Der Landkreis Forchheim ist bei den Gehältern im bayerischen Mittelfeld.  Aber auch innerhalb der Region gibt es große Unterschiede.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Landkreis Forchheim ist bei den Gehältern im bayerischen Mittelfeld. Aber auch innerhalb der Region gibt es große Unterschiede. // Wolfilser - stock.adobe
Forchheim – Wer in Erlangen wohnt, verdient bayernweit am meisten. Wie es in Forchheim aussieht und warum Frauen viel weniger bekommen, zeigt die FT-Datenanalyse.

Ungleichheit ist messbar. An kaum einer anderen Zahl ist das besser abzulesen als an dem, was auf der Gehaltsabrechnung monatlich gedruckt steht. Rechnet man Steuerklassen hinzu und zieht die Beiträge unter anderem für Rente und Soziales ab, wird das noch deutlicher.

Regionale Unterschiede bei den Löhnen und Gehältern

Aber schon alleine die enormen Unterschiede bei den Bruttobezügen weisen auf große Lücken hin.

3663 Euro. Über so viel Einkommen verfügten laut den neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit Ende vergangenen Jahres Vollzeitbeschäftigte in Bayern im Mittel (Median).

Regional gibt es große Unterschiede: So verdienten die Erlanger am meisten (5091 Euro), Schlusslichter sind die Landkreise Coburg, Hof, Kronach und Lichtenfels (Median jeweils unter 3000 Euro).

Inflation frisst Gehaltssprünge auf

Zwar sind in den vergangenen Monaten viele Gehälter angestiegen. Vor allem jene Branchen, die eine starke Gewerkschaft oder gar eine Tarifbindung hinter sich wissen.

Die allgemeine Verteuerung aber (die Inflationsrate in Deutschland lag im Juli bei 7,5 Prozent) gleichen selbst die größten Sprünge nicht aus.

Landkreis Forchheim ist Mittelfeld in Bayern

Der Landkreis Forchheim bewegt sich mit einem mittleren Einkommen von 3418 Euro im Mittelfeld der bayerischen Landkreise. „In größeren Städten wird meist etwas mehr verdient als auf dem Land“, erklärt Frank Bittel, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg.

Frank Bittel, Bereichsleiter Agentur für Arbeit Bamberg-CoburgForchheim & Fränkische Schweiz
Frank Bittel, Bereichsleiter Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg // Moritz Brückner/Archiv

Das sei aber durch geringere Mieten und geringere Lebenshaltungskosten ausgeglichen.

Eklatante Lohnlücken klaffen

Zwischen den fast 20.500 Vollzeitbeschäftigten im Landkreis Forchheim gibt es große Unterschiede im Lohngefüge. Vor allem die Qualifizierung spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Wer einen akademischen Berufsabschluss aufweist, verdient im Mittel 6259 Euro. Das ist viel mehr, als Beschäftigte mit einem nicht-akademischen Abschluss (3293 Euro) und ganz ohne Berufsabschluss (2662 Euro) verdienen.

Die Gutverdiener im Landkreis arbeiten dabei hauptsächlich in der Industrie (etwa Metall und Elektro). Hinzu kommen einige Ärzte, Dienstleister etwa im Immobilienbereich und Beschäftigte im Baugewerbe. Spitzenreiter: Informationstechnik.

IT-Bereich hat die meisten gut bezahlten Jobs

Von 958 im Bereich „Informatik und andere IT-Berufe“ aufgeführten Beschäftigten verdienen 753 mindestens 5000 Euro Brutto.

„Qualifizierung lohnt sich auf jeden Fall“, sagt Frank Bittel. Auch in anderen Bereichen. „Die Baubranche wird aufholen (müssen), was die Löhne betrifft.“ Schuld sei der sich durch den demografischen Wandel noch verschärfende Fachkräftemangel in allen Branchen.

Nachhaltigkeit und Work-Life-Balance

„Die Arbeitgeber müssen sich neu aufstellen, um in Zukunft Leute zu bekommen und zu halten.“ Geld spiele dabei eine Rolle, aber noch mehr andere Faktoren wie Nachhaltigkeit und Work-Life-Balance.

Gender Pay Gap

Eine weitere eklatante Lücke klafft noch immer bei der Bezahlung zwischen Männern und Frauen. Erstens sind im Landkreis Forchheim viel weniger Frauen als Männer Vollzeit beschäftigt.

Und die verdienen dann erheblich mehr. Während Männer über ein mittleres Einkommen von 3596 Euro verfügen, landen Frauen mit 2922 Euro weit darunter. Satte 19 Prozent weniger.

Häufiger in der Pflege und in der Kita

Ein Erklärungsversuch: „Frauen ergreifen häufiger Berufe, die schlechter bezahlt sind“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Christine Galster.

Christine Galster, Gleichstellungsbeauftragte Landratsamt ForchheimForchheim & Fränkische Schweiz
Christine Galster, Gleichstellungsbeauftragte Landratsamt Forchheim // Barbara Herbst

Gemeint sind Tätigkeiten in der Pflege, Kita und Co. Aber das sei nur die halbe Wahrheit. Darüber hinaus nähmen Frauen in der Regel seltener als Männer an berufsbezogenen Weiterbildungen teil, so Galster.

„So nehmen bei Schulungen am Arbeitsplatz im Durchschnitt 43 Prozent der Frauen und 57 Prozent der Männer teil. Der Grund dafür ist unter anderem, dass Frauen häufig in Teilzeit und seltener in Leitungspositionen arbeiten sowie zudem noch vermehrt unbezahlte Sorgearbeit, wie zum Beispiel Kindererziehung oder familiäre Pflegetätigkeiten wahrnehmen.“

Selbst bei gleichen Berufen weniger Verdienst

„Selbst bei gleichen Berufen verdienen Frauen im Schnitt weniger“, sagt Galster. Das Entgelttransparenzgesetz habe zwar eine Grundlage für mehr Gerechtigkeit geschaffen. „In der realen Arbeitswelt erfolgt aber eine tatsächliche gerechte Bezahlung bisher noch nicht in allen Bereichen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

Ändern müsse sich ihrer Meinung nach zweierlei: „Frauen müssen in Gehaltsverhandlungen selbstbewusster werden. Gleichzeitig sollten die Einsteller ihre Vorurteile gegenüber Frauen abbauen.“

Arbeitsmarkt: Was muss sich ändern?

Mehr Frauen in Beschäftigung bringen, gering Qualifizierte weiterbilden, ausländische Fachkräfte nachhaltig in den hiesigen Arbeitsmarkt integrieren, Gehaltsungerechtigkeiten endlich auflösen: Auf die Arbeitgeber in der Region sowie die Arbeitsagenturen kommt noch viel Arbeit zu.

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