Draußen Regen. Drinnen wolkig bis heiter.
So lässt sich die aktuelle Lage des Medizintechnik-Konzerns Siemens Healthineers in aller Kürze zusammenfassen. Das, was die Führungsriege der Healthineers AG am Donnerstag, 7. Mai, über die aktuelle Performance des Konzerns verkündet, liest sich wie ein durchwachsener Wetterbericht.
Weltlage macht Siemens Healthineers weiterhin zu schaffen
Draußen Regen.
Draußen meint vor allem die unsichere geopolitische Lage, die den Weltkonzern aus Franken genauso trifft wie andere. Dazu zählen die erneut steigende Inflation, weiterhin belastende Handelszölle und Währungseffekte sowie anhaltende Lieferkettenprobleme, unter anderem wegen der Kriege im Nahen Osten. „Schwieriges Umfeld“, nennt das Healthineers-CEO Bernd Montag am Donnerstag.
Sorgenkind Labordiagnostik: Steht Trennung bevor?
Und, ganz entscheidend, anhaltende Probleme der Sparte Labordiagnostik. Vor allem auf dem chinesischen Markt mit seiner staatlichen Beschaffungspolitik und der lokalen Konkurrenz dort. Daher bereiten die Vorstände den sogenannten Carve-out vor, also eine eigenständige Aufstellung. Man schaffe derzeit „Grundlagen für verschiedene Optionen“, heißt es. Verkauf, Börsengang – Stand jetzt noch alles möglich. Und nötig.
Siemens Healthineers: Gegenwind bringt Gewinnwarnung
Dieser Regen lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: CEO Montag und Finanzchef (CFO) Jochen Schmitz rechnen für das laufende Geschäftsjahr nur noch mit einem Wachstum von 4,5 bis 5 Prozent. Bislang standen 5,0 bis 6,0 Prozent in der Planung. Den bereinigten Gewinn je Aktie schätzen sie nunmehr auf 2,20 bis 2,30 Euro statt wie bisher 2,20 und 2,40 Euro.
Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erzielte Siemens Healthineers einen Gesamtumsatz von 5,7 Milliarden Euro – ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der bereinigte Betriebsgewinn (EBIT) lag bei rund 839 Millionen Euro, was einer Marge von 14,7 Prozent entspricht – belastet vor allem durch Handelszölle und den schwachen Dollar.
Bildgebung rettet Resultat vor schlechterem Abschneiden
Der Kurs der seit Monaten strauchelnden Aktie rutschte nach dieser fast schon deutlichen Gewinnwarnung am Donnerstagmorgen erwartungsgemäß weiter nach unten. Doch es gibt auch gute Nachrichten. CEO Bernd Montag: „Obwohl das Umfeld schwierig bleibt, ist unser synergetischer Kern aus Imaging und Precision Therapy weiter mit gutem Momentum auf Kurs.“ Worte, die vor allem an den mitarbeiterstarken Standorten Erlangen und Forchheim gerne gehört werden.
Warum Forchheim und Erlangen als Vorzeigestandorte dastehen
Neben dem regnerischen Gesamtumfeld reißt der Himmel über Franken also auf. Ganz anders als die Sparte Labordiagnostik (-6,5 Prozent) schafft das Imaging-Segment (CT, MRT, Röntgen) ein Umsatzwachstum von 6,1 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal des Vorjahres.
Und darin liegt das Herzstück der hiesigen Standorte; mit der MRT-Fertigung in Erlangen und der CT-Fertigung in Forchheim mit insgesamt gut 11.000 Beschäftigten.
Healthineers: Bald noch mehr Beschäftigte in Forchheim?
„Dieser Geschäftsbereich läuft sehr gut“, sagt Montag auf FT-Nachfrage. Explizit wird die Photon-Counting CT (PCCT) – die nächste CT-Generation, die maßgeblich in Forchheim entwickelt und produziert wird – als Wachstumstreiber genannt.
Sowohl Forchheim als auch Erlangen sind im Imaging-Bereich konzentriert. Eine Abspaltung der schwächelnden Diagnostik-Sparte könnte den Fokus noch stärker auf die fränkischen Kernprodukte lenken, was sich strukturell sogar positiv auf die regionalen Standorte auswirken dürfte.
Allein in Forchheim arbeiten mittlerweile gut 4800 Menschen auf dem Siemens-Healthineers-Campus. Damit stellt der Medizintechniker den mit Abstand größten Arbeitgeber des Landkreises. Tendenz steigend? CEO Montag will dies zumindest nicht ausschließen. Man rechne perspektivisch mit einer Zunahme der Beschäftigung in der Region, sagt er auf Nachfrage.
Healthineers haben fast 500 Millionen Euro in Forchheim investiert
Weitere Indizien für eine feste Verankerung und möglicherweise weiteres Wachstum sind beispielsweise das im November 2025 eingeweihte Forchheimer High-Energy Photonics Center (HEP) sowie das neue Halbleiterwerk (Kristallzucht für CT-Detektoren) direkt nebenan. Investitionssumme: fast 500 Millionen Euro. Neue Arbeitsplätze: etwa 900. Die lokale Produktion von Detektorkristallen reduziert die Zoll-Anfälligkeit im CT-Bereich langfristig.
Trotz der Querelen um Gewerbesteuerrückzahlungen und der damit verbundenen Haushaltskrise in Forchheim ist das eine gute Nachricht für Stadt und Landkreis.
Wie es mit der Abspaltung von der Siemens AG weitergeht
Weiter im wolkigen Nebel bleiben die großen Pläne zur endgültigen Abspaltung von der Siemens AG. Siemens will seine verbleibende Beteiligung an Siemens Healthineers von derzeit etwa 67 Prozent auf 30 Prozent reduzieren und die Papiere an die Aktionäre der Siemens AG übertragen. Anfang 2027 sollen die Aktionäre darüber entscheiden.
Healthineers-Chef Bernd Montag macht keinen Hehl daraus, dass er diesen Schritt gerne früher gesehen hätte. Schließlich agiere „sein“ Konzern bereits seit dem Börsengang im Jahr 2018 unabhängig vom ehemaligen Mutterkonzern. Aber immerhin sei die endgültige Eigenständigkeit nun „greifbar“.
















