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Kippt Verdi die Termine?
Sonntags-Shopping: Forchheims Händler bangen um Highlights
Drei verkaufsoffene Sonntage soll es in diesem Jahr geben. Die Händler freuen sich drauf – doch es könnte etwas dazwischenkommen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Drei verkaufsoffene Sonntage soll es in diesem Jahr geben. Die Händler freuen sich drauf – doch es könnte etwas dazwischenkommen. // Stephan Großmann
Forchheim – Forchheims Einzelhändler kämpfen nach wie vor mit Problemen – verkaufsoffene Sonntage kämen ihnen gerade recht. Davon soll es heuer drei geben. Wenn die Gewerkschaft nicht noch vor Gericht zieht.

Endlich wieder einmal entspannt shoppen, ohne auf die Alltagsuhr schauen zu müssen, und zwar mit der gesamten Familie. Dazu ein buntes Jahrmarkttreiben rund um die Hauptstraße, vielleicht sogar mit etwas Kultur garniert.

Drei solcher Sonntage könnten die Menschen in diesem Jahr in Forchheim erleben – wenn nichts mehr dazwischenkommt.

Wann verkaufsoffene Sonntage in Forchheim stattfinden sollen

Wenn es nach der Stadtverwaltung der Kreisstadt geht, steht den sonntäglichen Vergnügungen nichts im Wege.

An den bereits für den 21. Mai, 1. Oktober und 5. November terminierten Jahrmärkten sollen auch Forchheims Geschäfte zwischen 13 Uhr und 18 Uhr geöffnet haben dürfen.

Am 4. März fand der erste Jahrmarkt nach Corona statt. Ab Mai sollen auch die Geschäfte offen haben.Forchheim & Fränkische Schweiz
Am 4. März fand der erste Jahrmarkt nach Corona statt. Ab Mai sollen auch die Geschäfte offen haben. // Johannes Theiler

Zumindest jene, die im Kernstadtbereich unmittelbar um das Markttreiben angesiedelt sind. So regelt es die neue „Verordnung über verkaufsoffene Sonntage 2023“, für welche Forchheims Stadträte mit Ausnahme der SPD jüngst grünes Licht gegeben haben.

Handel zeigt sich erfreut über Verordnung

Der Innenstadthandel zeigt sich erleichtert. „Das ist eine gute Nachricht, wir brauchen die verkaufsoffenen Sonntage“, sagt zum Beispiel Marion Amtmann, die ihr Bettenhaus in der Hauptstraße betreibt.

Ähnlich äußern sich weitere Gewerbetreibende auf Nachfrage. Auch wenn sie an jenen Tagen keine Umsatz-Hochs erwarten – das Signal, für ihre Kunden da zu sein, sei ihnen wichtig.

Heimforteil Forchheim: „Ganze Stadt profitiert von verkaufsoffenen Sonntagen“

Beantragt hatte die zeitweise Loslösung von dem vor allem in Bayern sehr strikten Ladenschlussgesetz die Händlervereinigung Heimforteil.

Die Ladeninhaberin Petra Dietzel ist Teil des Vorstands. „Ich denke, dass die ganze Stadt davon profitiert, wenn an diesen Sonntagen auch die Geschäfte geöffnet haben.“

Petra Dietzel, Händlervereinigung Heimforteil: „Stadt profitiert, wenn an  Sonntagen Geschäfte geöffnet haben“Forchheim & Fränkische Schweiz
Petra Dietzel, Händlervereinigung Heimforteil: „Stadt profitiert, wenn an Sonntagen Geschäfte geöffnet haben“ // Barbara Herbst

Bayerns Ladenschlussgesetz besonders strikt

Laut Bayerischem Ladenschlussgesetz ist der Sonntag tabu. „Die Läden können von Montag bis Samstag von 6 bis 20 Uhr öffnen“, heißt es da.

Maximal an vier Sonn- und Feiertagen im Jahr dürften aber verkaufsoffene Sonntag festgesetzt werden. Dies geht jedoch nur in Verbindung mit einer Veranstaltung oder einem Markt.

Und: Es muss nachgewiesen werden, dass die Veranstaltung außen herum und nicht das Öffnen der Läden als Besuchermagnet wirkt. Geschieht der Nachweis nicht, können Gerichte die städtischen Verordnungen wieder kassieren.

Sonntagsruhe: Verdi behält sich rechtliche Schritte vor

Fallen Forchheims verkaufsoffene Sonntage doch noch ins Wasser?Forchheim & Fränkische Schweiz
Fallen Forchheims verkaufsoffene Sonntage doch noch ins Wasser? // Stephan Großmann

Das passiert immer dann, wenn es offizielle Beschwerden oder gar Klagen gegen die Ausnahmen gibt.

Während das Landratsamt Forchheim als Rechtsaufsichtsbehörde in diesem Fall lediglich eine räumliche Begrenzung einfordert, will die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi unter Umständen rechtliche Schritte gegen die geplanten Sonntage einleiten.

Gewerkschaftssekretär Paul Lehman sagt auf FT-Nachfrage: „Die Unternehmen denken zu wenig an die Beschäftigten, der Sonntagsschutz steht für uns im Vordergrund. Zudem fehlt uns beim Forchheimer Konzept die überregionale Bedeutung.“

Für die Genehmigung verkaufsoffener Sonntage dürften laut Lehmann nicht die „Umsatzinteressen der Händler“ ausschlaggebend sein. Genau diesen Umstand sehe er hier aber als erfüllt an.

Ob und in welcher Form Verdi gegen die Verordnung vorgehen wird, könne er zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht konkret sagen.

Paul Lehmann, Gewerkschaftssekretär Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft VerdiForchheim & Fränkische Schweiz
Paul Lehmann, Gewerkschaftssekretär Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi // FT/Verdi

Bayerischer Handelsverband: „Brauchen Rechtssicherheit“

„Leider stehen verkaufsoffene Sonntage in vielen Kommunen auf rechtlich wackeligen Beinen“, sagt der Sprecher des Bayerischen Handelsverbands Bernd Ohlmann. Er begrüßt als Branchenvertreter die sonntäglichen Ausnahmen ausdrücklich.

„Sonntag ist der Haupteinkaufstag im Internet. Davon kann an diesen Tagen auch der stationäre Handel etwas profitieren“, sagt er. Und moniert: „Wir brauchen Rechtssicherheit, weil die Aktionen meist aufwendig und teuer in der Vorbereitung sind.“

Forchheimer Händler hoffen auf verkaufsoffene Sonntage

Positiv bleiben wollen die Handeltreibenden, dass in der Stadt wieder mehr los sein könnte.Forchheim & Fränkische Schweiz
Positiv bleiben wollen die Handeltreibenden, dass in der Stadt wieder mehr los sein könnte. // Stephan Großmann

Auch Petra Dietzel von Heimforteil hofft, dass die verkaufsoffenen Sonntage stattfinden können. Zumal es die Regularien den Veranstaltern schon schwer genug machten, solche Events auf die Beine zu stellen.

Nur drei statt vier: Entscheidung über Jahrmärkte zu spät gefallen

So sind heuer sowieso nur drei geplant, obwohl vier theoretisch möglich gewesen wären. Weder am ersten Nach-Corona-Jahrmarkt am 5. März waren die Ladentüren geöffnet noch werden sie es während des kommenden Jahrmarktes am 4. April sein.

Der Grund: Die Entscheidung über die Jahrmärkte ist erst sehr spät gefallen, die gesetzlichen Fristen zur Vorplanung konnten schlicht nicht mehr eingehalten werden.

Händler erwarten viele Besucher in Forchheimer Innenstadt

Die drei anvisierten Termine wollen sich die Händler dick im Kalender anstreichen, auch weil sie nach den Erfahrungen des März-Marktes viele Besucher in der Innenstadt erwarten.

Forchheims Handel habe wegen Corona, Internetkonkurrenz und städtischen Baustellen nach wie vor zu kämpfen, sagt Petra Dietzel. Verkaufen alleine reiche nicht mehr.

„Ohne den Kunden ein Einkaufserlebnis zu bieten, wird es nicht funktionieren.“

Egal an was für einem Tag.

 

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