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Export als Jobtreiber
Risiko oder Chance? So abhängig ist Forchheim vom Welthandel
Die Wirtschaft im Landkreis Forchheim steht auf solidem Fundament – dank außergewöhnlich hoher Exportorientierung, aktiver Investitionsbereitschaft und starker industrieller Basis. Doch die weltweite Konjunktur sendet klare Warnsignale.
Die Wirtschaft im Landkreis Forchheim steht auf solidem Fundament – dank außergewöhnlich hoher Exportorientierung, aktiver Investitionsbereitschaft und starker industrieller Basis. Doch die weltweite Konjunktur sendet klare Warnsignale. // Illustration: Franziska Schäfer
Landkreis Forchheim – China, USA und die Welt: Warum die Unternehmen im Landkreis Forchheim im oberfränkischen Vergleich am meisten von der Exportwirtschaft abhängig sind– und das auch eine gute Nachricht sein kann.

Die globale Wirtschaft befindet sich im Frühjahr 2026 in einem schwierigen Fahrwasser. 

Handelskonflikte – allen voran die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China – bremsen den Welthandel empfindlich aus. Der anhaltende Krieg im Nahen Osten, der sich zum sogenannten „Irankrieg“ ausgeweitet hat, treibt Energiepreise und Rohstoffkosten in die Höhe und stört globale Lieferketten. Mittendrin: der Landkreis Forchheim.

Konjunktur in Forchheim: Aufwärtstrend gestoppt

In diesem schwierigen Umfeld kämpfen auch die Firmen im Landkreis Forchheim um wirtschaftliche Stabilität. Und der Blick in die jüngsten Daten der IHK für Oberfranken Bayreuth zeigt: Der Landkreis ist zwar in manchem besser aufgestellt als die andere Region in Nordbayern. Aber er ist weit davon entfernt, Entwarnung geben zu können.

Die wirtschaftliche Situation der hiesigen Unternehmen trübt sich weiter ein, wie die jüngste Konjunkturbefragung zeigt. So bewerten die Firmenchefs sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch ihre Erwartungen für die kommenden zwölf Monate spürbar schlechter als noch zuletzt. 

Für Oberfrankens IHK-Präsidenten Michael Waasner ein „deutlicher Warnruf“. Statt einem vorhergesagten Aufschwung würden die Unternehmen „eine sich verschärfende wirtschaftliche Krise“ erwarten. Der lägen laut Waasner neue weltwirtschaftliche Unsicherheiten zugrunde, „aber auch ausbleibende politische Reformen in Deutschland“. 

Die gefährliche Konsequenz: Fast drei von zehn oberfränkischen Unternehmen gehen von einer sinkenden Belegschaft am Standort für die kommenden zwölf Monate aus – der höchste Wert seit Jahren.

Nahost-Konflikt als Brandbeschleuniger

Gut drei von vier Unternehmen sehen der IHK-Umfrage zufolge aktuell durch hohe Energiepreise (78 Prozent) sowie Rohstoffe und Waren (76 Prozent) ein Hemmnis für ihr Geschäft. Johanna Horzetzky, IHK-Außenhandelsexpertin, ergänzt: „Der Krieg im Nahen Osten macht einmal mehr deutlich, wie abhängig die Wirtschaft von den Geschehnissen in einzelnen Regionen ist. Die Politik muss Unternehmen daher aktiv bei Diversifizierungsprozessen unterstützen, um Abhängigkeiten abzubauen.“

Oberfrankens Wirtschaft extrem von Export abhängig

Abhängig von der Weltwirtschaft sein – kein neues Thema in der Region.  Fast jeder sechste Arbeitsplatz in Oberfranken hängt direkt oder indirekt am Exportgeschäft, in der Industrie ist es sogar jeder zweite. Dies zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Prognos-Studie im Auftrag des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK).

Ermitteln lässt sich dieser Wert über die sogenannte Exportrelevanz. Die bildet anders als die Exportquote (Waren und Dienstleistung, die ins Ausland verkauft werden) nicht nur den direkten, sondern auch den indirekten Anteil an exportierter Wertschöpfung ab.

Stichwort: Exportrelevanz
Stichwort: Exportrelevanz // Foto: Jan Woitas/dpa

Forchheim ist ein Exportmotor – mit Chancen und Risiken

Mit einer Exportrelevanz von 20 Prozent liegt Forchheim an der Spitze aller oberfränkischen Landkreise und Städte. Auch der bayernweite Durchschnitt liegt mit 18 Prozent darunter. Das jährliche exportrelevante Aufkommen an Einkommen-, Gewerbe- und Körperschaftsteuer beträgt im Kreis insgesamt 112 Millionen Euro – ein Wert, den ebenfalls keine andere oberfränkische Gebietskörperschaft übertrifft.

Aus dieser Erkenntnis lassen sich eine schlechte und eine gute Nachricht ableiten. Die schlechte: Exporterfolg ist kein Selbstläufer. Andreas Rösch, der Wirtschaftsförderer für den Landkreis Forchheim, sagt: „Nicht zuletzt wegen der weltweiten Krisen müssen sich die Unternehmen einerseits branchendifferenziert aufstellen – und länderdifferenziert.“ Nur dann können zunehmender Protektionismus und anhaltende Kriegswirren ausgehalten werden.

Doch vom Willen allein lässt sich noch nichts exportieren. IHK-Präsident Waasner fordert in diesem Zuge leichteren Zugang für Mittelständler zum Weltmarkt. „Wir brauchen schnellere Genehmigungen, verlässliche Energie- und Digitalinfrastruktur sowie gezielte Investitionsanreize. Sonst droht Wertschöpfung ins Ausland abzuwandern“, sagt er.

Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und Forchheimer Unternehmer
Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und Forchheimer Unternehmer // Foto: Thorsten Ochs/Oochsenfoto

Warum Forchheims Exportabhängigkeit auch eine gute Nachricht ist

Es gibt in Bayern einige Ausreißerregionen mit großer Exportrelevanz – allesamt Städte und Regionen mit Global Playern vor Ort. Erlangen (Siemens), Erlangen-Höchstadt (Schaeffler AG) und Ingolstadt (Audi) zum Beispiel. Und – das ist die gute Nachricht – auch im Landkreis Forchheim dürfte neben anderen Größen wie der Neunkirchener Achsenfabrik NAF allen voran der Medizintechnik-Konzern Siemens Healthineers maßgeblich an der Exportorientierung beteiligt sein.

„Die breite Ausrichtung unserer Unternehmen macht uns positiv abhängig vom Export“, sagt Wirtschaftsförderer Rösch. Anders als andere Kreise in Oberfranken sei Forchheim nicht komplett von der strauchelnden Automobilindustrie abhängig. Je breiter sich die Unternehmen auf Länder und Branchen ausrichten, desto resilienter sei eine Region für Konjunkturkrisen, so Rösch.

Andreas Rösch, Leiter der Wirtschaftsförderung im Landratsamt Forchheim
Andreas Rösch, Leiter der Wirtschaftsförderung im Landratsamt Forchheim // Foto: Ronald Heck/Archiv

Weiterhin an der breiten Industrieausrichtung arbeiten

Das geschieht aber nicht von allein und auch nicht allen von der Politik verordnet. Wenn große Märkte wie die USA oder China schwächeln, müssen sich Unternehmen Alternativen suchen. Afrika oder Südostasien zum Beispiel. Gleichzeitig sollten sie den Technologietransfer mit den zahlreichen Hochschulen in der Region weiter ausbauen und die Netzwerke innerhalb der Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim-Erlangen noch stärker nutzen.

Ein „Aber“ ist dabei eigentlich nicht zulässig. Ohne Export gibt es keine wirtschaftliche Stabilität im Landkreis – und ohne die schwindet der Wohlstand der gesamten Region. 

 

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