Brückenneubau
Haager Brücke ein Kunstwerk wie Elbphilharmonie?
Bereits im Bau befindet sich die Haager Brücke über die Wiesent. Auf die Betonbrücke möchte der örtliche Schmied Hubert Hunstein nicht nur ein einfaches Geländer setzen, sondern ein Kunstwerk.
Bereits im Bau befindet sich die Haager Brücke über die Wiesent. Auf die Betonbrücke möchte der örtliche Schmied Hubert Hunstein nicht nur ein einfaches Geländer setzen, sondern ein Kunstwerk.
Foto: Thomas Weichert
F-Signet von Thomas Weichert Fränkischer Tag
Wiesenttal – Der Schmied Hubert Hunstein will die Betonbrücke bei Haag über die Wiesent verschönern. Ein „Balkon“ soll einen atemberaubenden Blick bieten.

Laut eigenem Bekunden hatte der örtliche Schmied Hubert Hunstein sein bestes Hemd angezogen, als er mit seinen Skizzen für ein Geländer der neuen Betonbrücke nach Haag zur Sitzung des Marktgemeinderats Wiesenttal erschien. Es soll nicht nur ein einfaches Brückengeländer werden, sondern ein Kunstwerk, das mit der Elbphilharmonie konkurrieren könnte.

Die Arbeiten an der neuen Brücke über die Wiesent bei Haag laufen.
Die Arbeiten an der neuen Brücke über die Wiesent bei Haag laufen.
Foto: Thomas Weichert

Im Vorfeld war Hunstein, dem schon einige Kunstwerke im Markt Wiesenttal wie der Corpus Christi an der Fassade der katholischen Kirche in Muggendorf zu verdanken sind, mit dem Bürgermeister und einigen Gemeinderäten nach Bamberg gefahren, um sich dort historische Brückengeländer anzusehen. Hunstein, der seine Kunstschmiede selbst in Haag hat und täglich über die besagte Betonbrücke fährt, will durch ein neues kunstvolles Geländer auf der Brücke „Wohnzimmercharakter“ erzeugen.

Bank im Brückengeländer

Es soll nicht nur ein schmiedeisernes Geländer werden, sondern mit einer Art „Balkon“ Wanderer und Touristen zum Verweilen auf der Brücke mit Neideckblick einladen. Man kann quasi über der Wiesent auf einer Bank im Brückengeländer sitzen. Zweimal 20 Meter lang soll das Brückenkunstwerk werden und in der Spitze bis zu drei Meter hoch, in gebürsteter und geölter massiver Kunstschmiedeeisenausführung und mit ebenfalls geöltem Holzhandlauf.

„Das kann wirklich ein Traum werden und ein Highlight für die ganze Region“, sagte der Kunstschmiedemeister. Würde so ein Brückengeländer ausgeschrieben werden, müsste er es für 80.000 Euro anbieten. Für die Marktgemeinde Wiesenttal hat er sich jedoch selbst eine Kostenobergrenze von 50.000 Euro netto gesetzt – quasi ein Schnäppchen für einen „echten Hunstein“.

Im Mai 2022 erfolgte der Spatenstich für die neue Betonbrücke bei Haag, die die marode Holzbrücke über die Wiesent ersetzen wird.
Im Mai 2022 erfolgte der Spatenstich für die neue Betonbrücke bei Haag, die die marode Holzbrücke über die Wiesent ersetzen wird.
Foto: Paul Pöhlmann

Inklusive Bürgermeister Marco Trautner (CSU/FW) waren alle Gemeinderäte begeistert von Hunsteins Plan, der bisher nur aus ein paar Bleistiftzeichnungen besteht. „Das würde da unten gut hinpassen“, erklärte Trautner, es wäre ein „touristischer Mehrwert“.

Der springende Punkt wird jedoch der Preis sein, weil ein einfaches Brückengeländer knapp die Hälfte kostet. Vizebürgermeister Konrad Rosenzweig (CSU) war am Anfang skeptisch. Nach den Ausführungen des Schmieds wäre so ein Geländer jedoch ein Alleinstellungsmerkmal für den Markt Wiesenttal.

20 Brücken zu unterhalten

Trautner erinnerte aber auch daran, dass der Markt an die 20 Brücken zu unterhalten habe, und die nächste, die gemacht werden müsse, die zur Neideck sein werde. „Du hast einen Traum, aber den Traum können wir nicht bezahlen“, meinte Dritter Bürgermeister Günter Schürer (CSU) in Richtung Hunstein.

In der weiteren Debatte ging es um die Mehrkosten. Rosenzweig hätte für einen „Original Hunstein“ mit Kosten von 150.000 Euro gerechnet. „Es täte uns vielleicht gut, wenn wir uns auch einmal etwas leisten“, sagte Rosenzweig, der schon Fernsehteams an der Brücke sieht .

Auf der Brücke bei Haag in der Fränkischen Schweiz soll nach den Vorstellungen eines Schmiedes ein Geländer als Kunstwerk entstehen.
Auf der Brücke bei Haag in der Fränkischen Schweiz soll nach den Vorstellungen eines Schmiedes ein Geländer als Kunstwerk entstehen.
Foto: Thomas Weichert

Wie Gerhard Kraus (BGS) meinte, fahren über diese Brücke nur ein paar Bulldogs und das Müllauto. Allerdings wäre so ein Geländer schon ein perfektes Schmuckstück. Die Mehrkosten für die Kunst müsste aber die Gemeinde bezahlen. Wie Kraus meinte, sollte man mal bei der Oberfrankenstiftung anfragen. Gegen die Stimmen von Thomas Schmeußer (CSU), Florian Baumgärtner (BMW) und Günter Schürer beschloss der Rat schließlich, dass die Verwaltung nach Fördermöglichkeiten für die Mitfinanzierung suchen soll.

 

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