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Umstrittener Kita-Bau
Baupläne trotz Bürgerversammlung: So geht's weiter in Reuth
Mit einer Kita fürchten die Reuther eine Verschlimmerung der Verkehrssituation in der Engstelle an der Hutstraße.
Mit einer Kita fürchten die Reuther eine Verschlimmerung der Verkehrssituation in der Engstelle an der Hutstraße. // Martin Regner
Forchheim – In Reuth soll eine Kindertagesstätte entstehen. Weil die Anwohner nach wie vor Verkehrschaos fürchten, lädt die Stadt Forchheim bald zu einer Bürgerversammlung. Zeitgleich wird der Kita-Bau immer konkreter.

Selten erlangt der Bau einer Kindertagesstätte schon vorab derart große Aufmerksamkeit. Meist ist das nur dann der Fall, wenn die Kita aus irgendwelchen Gründen doch nicht kommt. Anders im Forchheimer Osten, genauer gesagt im Stadtteil Reuth. Dort erhitzen die Planungen einer sechsgruppigen Kita seit Monaten die Gemüter – vor allem die der Anwohner.

Aber nicht etwa die Kindereinrichtung als solche regt sie auf, sagen sie. Sondern weil sie fürchten, dass ihr asphaltiertes Nadelöhr – die einzige Zufahrtsstraße in das Wohngebiet auf der Reuther Hut – wegen der zu erwarteten Verkehrszunahme endgültig verstopfen könnte.

Anwohner fürchten um Sicherheit auf der Straße

Einer dieser Anwohner ist Walter Schrenker. Der Rentner möchte nicht als Querulant rüberkommen. „Ich kenne hier keinen, der gegen die Kita ist. Nur gegen die Erschließung.“ Seine Hauptkritik richtet sich gegen die Stadtverwaltung, die sich seiner Meinung nach – und diese Idee teilen mehrere Reuther – mehrere Fehler im bisherigen Planungsverfahren habe zuschulden kommen lassen und das Wohngebiet sehenden Auges unter die Räder kommen lasse.

Wie berichtet, zweifeln Anwohner beispielsweise stark an der Aussagekraft des eigens erstellten Verkehrsgutachtens und meinen, dass dies kaum die Realität abbilde. Dort hielten sich alle an die Regeln. Auch sei die Engstelle eigentlich viel länger als dort abgebildet, wird argumentiert. „Mir geht es um die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer“, erklärt Schrenker. Er habe anfangs gar überlegt, gegen den Bebauungsplan zu klagen, habe den Plan aber schnell wieder verworfen.

Lesen Sie hier, warum die Anwohner dagegen sind:

Andere fürchten um die Sicherheit der Kindergartenkinder und der anderen Anwohner entlang der Hutstraße. Beispielsweise dann, wenn die Zufahrtsstraße samt Engstelle einmal blockiert sein sollte und die Rettungskräfte umständlich einen anderen Weg finden müssten. Zumindest diese Bedenken kann Stadtbrandmeister Timo Sokol auf Anfrage ausräumen: „Straßenverkehrsrechtliche Anordnungen gehören zum Tagesgeschäft. Wir müssen dann eben einen anderen Weg finden. Aber das ist auch jetzt schon so – ob da eine Kita entsteht oder nicht, ändert daran nichts.“

Stadt Forchheim beruft Bürgerversammlung wegen Kita in Reuth ein

Zur Beruhigung der Gemüter reichen diese Aussage und weitere Erklärungsversuche auch vonseiten der Stadtverwaltung nicht aus. Ganz im Gegenteil. Das Konfliktpotenzial zumindest hat die Stadt erkannt und extra für dieses Thema eine Bürgerversammlung angesetzt. Im Einladungsschreiben formuliert Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) seine Intention so: „Wie soll der Neubau am Reuther Sportplatz aussehen? Wie ist die Verkehrsführung geplant? Welchen Herausforderungen müssen wir uns stellen? All das möchten wir Ihnen als Anwohnende und Interessierte gerne darlegen und mit Ihnen diskutieren.“

Der Termin der Bürgerversammlung, an dem Kirschstein selbst Rede und Antwort stehen will, ist für Freitag, 15. März, ab 18 Uhr, in der Grundschule Reuth angesetzt. Walter Schrenker dazu: „Da werde ich natürlich hingehen!“

Architekten stellen Planungen für Kita in Reuth im Ausschuss vor

Derweil schafft die Stadt weitere Tatsachen. Zumindest theoretische. Denn während auf der einen Seite des Tisches noch über grundsätzliche Vorbehalte gegen den Neubau debattiert wird, lugt auf der anderen Seite bereits die konkrete Planung der Kita über den Tellerrand. Kein Wunder, soll doch auf dem 9814 Quadratmeter großen Grundstück in der Hutstraße zwischen Sportplatz und Wohngebiet buchstäblich Großes entstehen.

Nun liegt der erste Vorentwurf des Büros Graf Architekten aus Burgthann vor, der Forchheims Stadtpolitik und allen interessierten Bürgern am Donnerstag in einer öffentlichen Sitzung des Hauptausschusses (7. März, 16.15 Uhr, Soccerhalle) vorgestellt wird.

So könnte die neue Kita in Reuth einmal aussehen, wenn es nach dem Vorentwurf der Architekten geht.
So könnte die neue Kita in Reuth einmal aussehen, wenn es nach dem Vorentwurf der Architekten geht. // Visualisierung: Graf Architekten

In der Sitzungsvorlage ist die Sprache von einem „zweigeschossigen Baukörper, welcher sich halb in den Hang schiebt. Der nordwestliche Teil des Gebäudes, in dem sich der halb öffentliche Bereich, sowie der Kindergarten befindet, ist zweigeschossig. Der südöstliche Teil des Gebäudes ist eingeschossig. Hier befindet sich der Krippenbereich.“ Durch die Hanglage könnten sowohl Kindergarten als auch Krippe ebenerdig begangen werden.

Auch Nachhaltigkeit soll eine Rolle spielen. Die Dachfläche soll begrünt werden, außerdem soll eine große PV-Anlage 60 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs abdecken. Die Wärmeerzeugung soll mittels Geothermie und Wärmepumpe funktionieren. Zudem sollen großzügig angelegte Außenanlagen zum Spielen und Verweilen einladen sowie entlang der Hutstraße 16 neue Parkplätze entstehen.

111 neue Kitaplätze - laut OB Kirschstein dringend benötigt

Gebraucht würde diese Kindereinrichtung mit insgesamt 111 Plätzen (75 Plätze für Kinder von drei bis sechs Jahren und 36 Plätze für Kinder unter drei Jahren) laut OB Kirschstein, weil in Forchheim dringend Kitaplätze benötigt würden. So auch in Reuth. „In den zurückliegenden Jahren wurden alternative Standorte zur Reuther Hut, wie in der Nähe des Feuerwehrhauses oder des Friedhofes, als nicht praktikabel beurteilt und verworfen“, schreibt Kirschstein zur Standortwahl. Der jetzige Platz sei bereits 2019 von einer politischen Mehrheit befürwortet worden.

Bis Ende des Jahres wolle die Stadt laut Plan die Entwürfe fertig, die Förderungen beantragt und die meisten Arbeiten ausgeschrieben haben. Den voraussichtlichen Baubeginn für das geschätzt zwölf Millionen Euro teure Bauprojekt kündigt die Stadt für Anfang 2025 an, fertig sein wolle man Ende 2026. Walter Schrenker und seine Nachbarn werden die Entwicklungen des Projekts indes genau beobachten, vor allem, was den Verkehr betrifft. Das letzte Wort ist hier sicherlich noch nicht gesprochen.

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