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Verzwickte Verkehrslage
Feuerwehr Höchstadt: Wo es im Notfall eng werden kann
Die Zufahrt zur Kapuzinerstraße in Höchstadt: Hier musste der Fahrer der Drehleiter aufgeben, ein Abbiegen war nicht möglich.
Die Zufahrt zur Kapuzinerstraße in Höchstadt: Hier musste der Fahrer der Drehleiter aufgeben, ein Abbiegen war nicht möglich. // Martin Regner
Höchstadt – Feueralarm, jetzt ist Eile gefragt. Schließlich geht es um Sekunden. In Höchstadt allerdings kommt die Feuerwehr an manchen Stellen kaum oder gar nicht durch. Wo im Stadtgebiet es besonders zwickt.

Wer die Feuerwehr ruft, hofft, dass sie ganz schnell da ist. Schließlich ist ein Notfall eingetreten, womöglich sind sogar Menschenleben durch ein Feuer oder durch einen Unfall in Gefahr. Die Feuerwehrleute springen in Höchstadt in ihre Fahrzeuge in der Feuerwache an der Großen Bauerngasse, brausen mit Blaulicht und Signalhorn los – und bleiben dann in engen Kurven und zugeparkten Gassen hängen. 

Das sollte eigentlich nicht passieren, ist in Höchstadt aber jeden Tag möglich, wie sich bei einer Testfahrt mit der Drehleiter zusammen mit dem Fränkischen Tag erweist. Das Ziel: Die neuralgischen Stellen in der Stadt finden. Am Steuer: Feuerwehrmann Philipp Graf, der verzwickte Situationen, die der Feuerwehr wertvolle Zeit kosten, schon oft erlebt hat. 

Philipp Graf ist ein erfahrener Feuerwehrmann und hat die Dimensionen der Drehleiter immer im Blick. Bei Einsatzfahrten geht es manchmal nur um Zentimeter, die über das Durchkommen entscheiden.
Philipp Graf ist ein erfahrener Feuerwehrmann und hat die Dimensionen der Drehleiter immer im Blick. Bei Einsatzfahrten geht es manchmal nur um Zentimeter, die über das Durchkommen entscheiden. // Martin Regner

Los geht es am Feuerwehrhaus und von dort zunächst in die Innenstadt. Aber schon beim Einbiegen in die historische Altstadt von Höchstadt zeigt sich das erste Problem: An der Kreuzung der Spitalstraße mit der Bamberger Straße und der Hauptstraße staut sich wie üblich der Verkehr. Die Autofahrer in der Kreuzung können der Drehleiter nur langsam Platz machen, weil die zum Ausweichen nötigen Fahrspuren alle mit anderen Fahrzeugen belegt sind. Aber immerhin, es geht noch vorwärts. 

Abbiegen in die Kapuzinerstraße war nicht möglich

Falls das Ziel der Drehleiter allerdings ein Feuer in der Kapuzinerstraße gewesen wäre, wäre die Fahrt schon wenige Meter weiter ganz zu Ende gewesen. Denn wegen zwei im Kreuzungsbereich zur Hauptstraße geparkten Autos ist es unmöglich, mit dem Drehleiterfahrzeug in die Kapuzinerstraße abzubiegen. Schließlich ist es 2,5 Meter breit. Vorne hängen die Leiterspitze und der Rettungskorb über, insgesamt ist das Leiterfahrzeug 10,5 Meter lang. 

Philipp Graf am Steuer muss sich geschlagen geben, hier ist kein Durchkommen. Bei einem echten Notfall müssten die Feuerwehrleute sich jetzt tragbare Leitern aus anderen Einsatzfahrzeugen schnappen und diese zu Fuß zur Einsatzstelle transportieren, erklärt der Höchstadter Feuerwehrkommandant Benjamin Obexer. Die tragbaren Steckleitern bleiben in ihrer Verwendbarkeit und in ihrem einsatztaktischen Nutzen aber weit hinter der Drehleiter zurück. 

Ähnlich schaut es aus, falls die Drehleiter für einen Einsatz in der Kirchgasse gebraucht worden wäre. Hier verhindert ein Baugerüst gegenüber der Abzweigung aus der Hauptstraße, dass Philipp Graf weit genug nach rechts ausholen kann, um dann nach links in die schmale Kirchgasse abbiegen zu können. 

Auf der Umfahrungsstrecke stehen weitere Hindernisse

In der Konsequenz muss Graf einen längeren Umweg durch die schmalen Gassen und Straßen der Altstadt einschlagen, der zunächst weiter durch die Hauptstraße und dann über die Obere Brauhausgasse und die Gerbergasse in die Marktbrunnenstraße führt. Google-Maps gibt für die gesamte Ausweichstrecke eine Fahrtzeit von drei Minuten an – die ein normales Auto brauchen würde. 

 

Doch das ist rein theoretisch. In der Praxis ist eine Feuerwehr-Drehleiter naturgemäß weniger schnell und wendig als ein Pkw, schließlich handelt es sich dabei um einen 18-Tonner. Und dann steht an der Ecke der Gerbergasse mit der Marktbrunnenstraße auch noch auf der einen Straßenseite ein rot-weißer Pfosten und auf der anderen Straßenseite vor einem Haus ein weißer Kleintransporter. Jetzt muss Philipp Graf erst langsam rangieren, um die Kurve zu bekommen, was weitere Zeit in Anspruch nimmt. Falls der Kleintransporter nur ein Stück weiter vorne abgestellt worden wäre, wäre die Stelle komplett unpassierbar für das Drehleiterfahrzeug gewesen. 

Marktbrunnenstraße, Ecke Gerbergasse: Zwischen dem Pfosten (rechts im Bild) und dem abgestellten Kleintransporter blieb gerade genug Platz, um mit etwas Rangieren noch durchzukommen.
Marktbrunnenstraße, Ecke Gerbergasse: Zwischen dem Pfosten (rechts im Bild) und dem abgestellten Kleintransporter blieb gerade genug Platz, um mit etwas Rangieren noch durchzukommen. // Martin Regner

Wie sich Philipp Graf erinnert, hat es vor rund zwei Jahren in genau dem Haus, vor dem jetzt der Kleintransporter steht und die Durchfahrt der Feuerwehr behindert, schon einmal gebrannt. 

Vorne und hinten bleiben nur rund 10 Zentimeter

Nun führt die „kleine Stadtrundfahrt“ der Drehleiter in einer Schleife weiter über die Straße „Schranne“, bevor es über ein kurzes Stück der Hauptstraße endlich von Osten her in die Kirchgasse weitergehen kann. Auch hier ist zum Abbiegen nicht viel Platz; vorne und hinten bleiben jeweils nur geschätzte zehn Zentimeter Zwischenraum zwischen dem Fahrzeug und den Hauswänden. Eine Anfahrt direkt von der Großen Bauerngasse in die Kirchgasse von Osten her wäre nicht möglich gewesen: Dafür reicht die Durchfahrtshöhe des historischen Stadttors nicht aus. 

Szenenwechsel, Philipp Graf hat die Drehleiter inzwischen in ein Höchstadter Wohngebiet gesteuert. Auch hier geht es mitunter eng zu, einerseits weil die Wohnstraßen bei ihrem Bau nicht für Durchgangsverkehr gebaut worden sind und größere Nutzfahrzeuge hier die Ausnahme bilden sollten. Andererseits aber auch deswegen, weil Autos auf geriffelten Sperrflächen parken (wie etwa hinter dem Hallenbad) oder weil hochgewachsene Hecken und Gebüsche in den Straßenraum hinein ragen. 

Vorne ragt noch die Leiterspitze und der Rettungskorb über, was das Rangieren mit der Drehleiter mitunter zur Herausforderung macht.
Vorne ragt noch die Leiterspitze und der Rettungskorb über, was das Rangieren mit der Drehleiter mitunter zur Herausforderung macht. // Martin Regner

Hier kommt zum Tragen, dass der Drehleiterfahrer bei Kurvenfahrten und beim Abbiegen immer einkalkulieren muss, dass vorne ja noch rund eineinhalb Meter Leiterspitze und Rettungskorb überstehen. Und genau aus diesem Grund geht bei der Testfahrt in der Straße „Am Spratzer“ erneut nichts mehr: Auf der einen Seite steht ein geparktes Auto am Straßenrand, auf der anderen Seite bleibt der Rettungskorb an einer hohen Hecke hängen. Weiterfahren? Unmöglich! 

Die Leiterspitze und der Rettungskorb benötigen viel Freiraum. Am Spratzer in Höchstadt war wegen einer hohen Hecke nicht mehr genug davon da, um weiterzufahren.
Die Leiterspitze und der Rettungskorb benötigen viel Freiraum. Am Spratzer in Höchstadt war wegen einer hohen Hecke nicht mehr genug davon da, um weiterzufahren. // Martin Regner

Feuerwehrkommandant Obexer appelliert deswegen an Haus- und Grundstücksbesitzer, ihre Bäume und Hecken am Straßenrand regelmäßig zurückzuschneiden. Und an Autofahrer, ihre Fahrzeuge mit Bedacht abzustellen. Denn wenn es aufgrund solcher Begebenheiten zu Verzögerungen bei der Anfahrt der Feuerwehr kommt, „dann ist das immer ein Zeitverlust. Und Zeit kann unter Umständen über Leben und Tod entscheiden.“ 

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