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Hin und Her für die Arbeit
So pendelt Erlangen-Höchstadt: Ein Ort überrascht besonders
Blick auf die A73 bei Möhrendorf während des Feierabendverkehrs. Im Landkreis Erlangen-Höchstadt gibt es 90.000 Pendler. Die meisten fahren mit dem Auto zur Arbeit.
Blick auf die A73 bei Möhrendorf während des Feierabendverkehrs. Im Landkreis Erlangen-Höchstadt gibt es 90.000 Pendler. Die meisten fahren mit dem Auto zur Arbeit. // Adelheid Wagner
Erlangen-Höchstadt – Rund 90.000 Menschen sind jeden Tag im Kreis Erlangen-Höchstadt unterwegs zur Arbeit. Der große Datencheck zeigt, wer wohin pendelt. Eine Stadt hat fast so viele Pendler wie Einwohner. 

Schon wieder eine Baustelle auf der A 73? Schienenersatzverkehr für die S1? Wer kennt das nicht? Pendeln gehört für viele zum eher unangenehmen Teil des Alltags. Wie stark eine Region jeden Tag aufs Neue in Bewegung gerät, wird erst beim Blick auf die Zahlen des Pendleratlas deutlich: Auf den Straßen und im ÖPNV sind jeden Tag etwa 90.000 Menschen im Kreis Erlangen-Höchstadt unterwegs (bei 140.000 Einwohnern). Die Pendlerdaten werden regelmäßig von der Bundesagentur für Arbeit erhoben. Sie beziehen sich auf die Zahlen der Wohn- und Arbeitsorte der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. 

Autofahrer in Erlangen-Höchstadt: So pendelt der Landkreis

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt leben etwas mehr als 62.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das geht aus den jüngsten Zahlen für das Jahr 2024 hervor (Stand Juni 2024). Rund 40.000, knapp zwei Drittel davon pendeln für die Arbeit in einen anderen Landkreis.

Im Vergleich dazu liegt der Anteil derjenigen, die zu ihrer Arbeitsstelle in den Landkreis „einpendeln“, bei circa 31.600 Beschäftigten. Es gibt also mehr Menschen, die den Landkreis zum Arbeiten verlassen, als ihn zum Arbeiten aufsuchen.  Den kleinsten Anteil der Pendler machen die 20.000 Binnenpendler aus, die im Landkreis wohnen und arbeiten.

Der Unterschied zwischen Ein- und Auspendlern wird als sogenannter „Pendlersaldo“ gemessen. Für den Landkreis beläuft er sich gerundet auf -8.343. Im Vergleich zu den Pendlerzahlen der Vorjahre lassen sich keine nennenswerten Unterschiede feststellen. 

Einpendler und Auspendler: Wer kommt? Wer geht?

Die meisten Menschen (6400), die zum Arbeiten in den Kreis Erlangen-Höchstadt kommen, wohnen in der Frankenmetropole Nürnberg. Platz 2 der Einpendelnden belegen die Erlanger (4530), dicht gefolgt von 4490 Einpendelnden aus Forchheim. 

Die meisten der Kreisbewohner sind in den großen Städten der Region beschäftigt. Am häufigsten pendeln (15.910) Beschäftigte aus dem Kreis Erlangen-Höchstadt in die kreisfreie Stadt Erlangen. 9300 Auspendler haben ihren Arbeitssitz in der Frankenmetropole Nürnberg, mit Abstand folgt Forchheim als dritthäufigstes Auspendlerziel. 

Adidas, Schaeffler und Puma locken die Pendler

Die Zahlen der Pendlerstatistik ergeben für den Landkreis ein kohärentes Bild: Für die meisten Orte ist der Pendlersaldo negativ. Es gibt also mehr Auspendler als Einpendler. Der größte negative Pendelsaldo gehört zu Eckental mit -2.900. Das bedeutet, dass 2.900 mehr Menschen aus Eckental auspendeln als einpendeln (2.200 Einpendler gegenüber 5.100 Auspendlern, bei fast 15.000 Einwohnern).

In welchen Ort die meisten Beschäftigten in den Kreis Erlangen-Höchstadt pendeln, ist nicht schwer zu erraten: 19.790 Menschen bewegen sich für die Arbeit Richtung Sneaker, Raubkatzen und Maschinenbau nach Herzogenaurach – und das bei 26.000 Einwohnern. In Herzogenaurach sind einige der größten Arbeitgeber der Region, die Sportartikelhersteller Adidas und Puma sowie der Automobil- und Maschinenbauzulieferer Schaeffler angesiedelt. 

Weiter Orte mit einem positiven Pendlersaldo sind Gremsdorf (640) und Vestenbergsgreuth (780). Würde man auch die kreisfreie Stadt Erlangen berücksichtigen, weist die Universitätsstadt mit einem Wert von 42.790 den höchsten Pendlersaldo auf (65.290 Einpendler gegenüber 22.500 Auspendlern bei 120.000 Einwohnern).

Was die Zahlen nicht verraten

Da für die Pendlerstatistik der Bundesagentur für Arbeit allein die Wohn- und Arbeitsorte der Beschäftigten ausschlaggebend sind, ist diese nur bedingt aufschlussreich über das tatsächliche Verhalten der Pendelnden. „Die Zahlen sagen nichts darüber aus, wie häufig jemand tatsächlich zu seinem Arbeitsort pendelt“, sagt Heiko Rüger, Mobilitätsforscher am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Auch Veränderungen oder Auswirkungen von Homeoffice oder Mobile Office würden in der Erhebung nicht erfasst. 

Heiko Rüger forscht seit 15 Jahren zum Thema  Mobilität.
Heiko Rüger forscht seit 15 Jahren zum Thema Mobilität. // Heiko Rüger

Noch keine Aussagen über Coronapandemie-Auswirkungen

Aus diesem Grund sei es auch schwierig, verlässliche Aussagen darüber zu machen, ob und wie die Jahre der Corona-Pandemie sich (auch dauerhaft) auf die Pendlerzahlen in Deutschland ausgewirkt haben könnten. Laut dem Mobilitätsforscher ist „der Zusammenhang zwischen Homeoffice-Nutzung und Pendeln komplex und für Deutschland bislang aufgrund fehlender Daten kaum untersucht.“ Durch Daten aus Australien konnte man zeigen: Arbeiten im Homeoffice sei mit einer Reduktion der wöchentlichen Pendelzeit um durchschnittlich 14 Prozent verbunden. 

Erlangen-Höchstadt: Die Mehrheit pendelt mit dem Auto

Die meisten Erwerbstätigen pendeln mit dem Auto (68 Prozent). 14 Prozent benutzen öffentliche Verkehrsmittel. Nur 10,5 Prozent nehmen das Fahrrad und zu Fuß gehen nur 6,7 Prozent in Deutschland. An der Dominanz des Autos hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts geändert. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts von 2020 hervor. Nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung legten Beschäftigte im Jahr 2023 im Schnitt 17,2 Kilometer auf dem Weg zur Arbeit zurück. Im Schnitt brauchen diese für den einfachen Weg zur Arbeit etwa 30 Minuten.

Auf dem Land geht Pendeln schneller

Unterschiede lassen sich zwischen dem Pendeln in Städte und auf dem Land feststellen: In der Stadt pendelt man länger. „Durch das Mehr an Verkehr in Städten braucht man für die gleiche Strecke deutlich länger als auf dem Land“, sagt Rüger.

Auch beim Thema Pendeln lassen sich Geschlechterunterschiede feststellen: Männer pendeln in Deutschland mehr als Frauen. Das Phänomen wird laut Rüger „Gender-Commuting-Gap“ genannt und ließe sich auf Geschlechterrollen in der Gesellschaft in Bezug auf Haushalt, Familie und Kinderbetreuung zurückführen. „Nach der Geburt des ersten Kindes geht die Pendelstrecke bei Frauen um etwa 30 Prozent zurück. Bei den Männern sieht man hier gar keinen Unterschied“, erklärt er.

 

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