Gerade erst hatte CEO Klaus Rosenfeld es angekündigt, nun soll es schon Realität werden: Schaeffler steigt in das Rüstungsgeschäft ein. „Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie“, hatte Rosenfeld noch im September der Börsen-Zeitung gesagt. Jetzt gibt es konkrete Pläne in Form einer Zusammenarbeit mit dem Münchner Start-up Helsing GmbH, einem Softwareunternehmen, das auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Rüstungssektor spezialisiert ist.
Schaeffler: Zusammenarbeit mit Münchner Start-up
Wie am Dienstag, 2. Dezember, bekannt wurde, haben die beiden Unternehmen beim Rüstungsgipfel in Berlin eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Bei der Zusammenarbeit soll es Medienberichten zufolge vor allem darum gehen, dass der Autozulieferer Helsing bei der Produktion von Drohnen unterstützen soll. „Die deutschen Autozulieferer können skalieren wie keine andere Industrie und beim Aufbau resilienter Lieferketten zügig unterstützen“, sagt der Helsing-Mitgründer und Co-Vorstandsvorsitzende Gundbert Scherf demnach.
Doch welche Auswirkungen hat dieser Schritt auf die lokalen Werke von Schaeffler? Werden in Kriegsgebieten bald Drohnen aus Herzogenaurach fliegen? Und was erwartet Beschäftigte nun? Viele Punkte, die Schaeffler auf Nachfrage von fraenkischertag.de vorerst unbeantwortet lässt. „Die Kooperation mit Helsing, einem hochinnovativen Unternehmen, das Know-how im Bereich KI mit Rüstungstechnologien verknüpft, ist für Schaeffler ein wichtiger Schritt, um unser Engagement im Verteidigungsbereich auszubauen“, schreibt ein Sprecher des Unternehmens stattdessen. Schaeffler setze auf seine „seit Jahren bewährte Kompetenz und Innovationskraft im Bereich der industriellen Fertigung“.
Einstieg in Rüstungsindustrie: Noch keine Details bekannt
Weitere Details zur Zusammenarbeit will das Unternehmen stand jetzt nicht teilen. Jedoch wolle der Autozulieferer „einen Beitrag leisten, die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas zu stärken und gleichzeitig für Beschäftigung zu sorgen“. Gerade die Beschäftigung könnte hier ein Schlüsselwort sein, denn wie viele andere Unternehmen in der Branche kämpfte auch der Herzogenauracher Konzern zuletzt gegen eine Krise an und kündigte unter anderem einen Stellenabbau an.
Dass das Unternehmen versuche, andere Marktfelder zu erschließen, um die Beschäftigung zu sichern, begrüße grundsätzlich auch der Betriebsrat. „Das Unternehmen ist sich seiner moralischen Verpflichtung durchaus bewusst“, sagt Grigore Beutura, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender in Herzogenaurach. Konkret sei ohnehin noch nichts. „Es werden jetzt erstmal verschiedene Felder geprüft, zum Beispiel auch in der KI oder Robotics. Man versucht, die eigenen Technologien in neue Marktfelder reinzukriegen.“ Denn in der Automobilbranche seien die Aufträge in der Tat rückläufig – wie auch bei vielen anderen Autozulieferern.
Ob Mitarbeiter in Herzogenaurach bald Teile für Drohnen fertigen werden, könne man derzeit überhaupt nicht sagen. „Das Thema ist noch so neu“, sagt Beutura. „Es wird erstmal geprüft, was überhaupt möglich ist. Dann wird die Qualifikation der Belegschaft geprüft.“ Priorität sei es grundsätzlich, die eigenen Mitarbeiter zu schulen, sollten sich neue Tätigkeitsfelder ergeben. „Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz, auch wenn es momentan im kleinen Rahmen einen Abbau gibt“, so der Betriebsrat.
Betriebsrat pocht auf Beschäftigung
Aus der Belegschaft gebe es bisher keine Bedenken. „Die Kooperation ist zwar konkret, aber noch kann keiner sagen, was da passieren soll, um welches Teilespektrum es geht“, erklärt Beutura. Von den Mitarbeitern habe er daher bisher keine Reaktionen mitbekommen. „Wir schauen, dass wir die Belegschaft bei Themen mitnehmen, wo sie mitdiskutieren können. Aber unser oberstes Ziel ist es, Beschäftigung ranzuschaffen – was ich auf jeden Fall verhindern will, ist ein massiver Personalabbau“, so der Betriebsrat mit Verweis auf andere Unternehmen, in denen der Stellenabbau in den vergangenen Monaten deutlich stärker ausgefallen sei, als bei Schaeffler.
In der kommenden Zeit müsse man die Optionen nun erst einmal in den Aufsichtsratssitzungen besprechen. Mit genaueren Informationen rechne Beutura dann vielleicht Anfang des kommenden Jahres. Eine Anfrage bei der Helsing GmbH zu den genauen Plänen der Zusammenarbeit blieb bis zur Veröffentlichung dieses Artikels unbeantwortet.















