Während Arbeitnehmer in der Metall- und Elektrobranche andernorts für höhere Löhne streikten, fanden sich in Herzogenaurach am Donnerstag um 12 Uhr mittags viele Mitarbeiter von Schaeffler zu einer Betriebsversammlung ein. Anlass hierzu war die am Anfang der Woche erfolgte Ankündigung der Geschäftsführung, am Hauptsitz des Unternehmens zahlreiche Stellen streichen zu wollen. Laut Betriebsrat sollen von dieser Entscheidung rund 700 Arbeitsplätze betroffen sein. Grund für die Entscheidung des Unternehmens ist primär die Fusion mit Vitesco, wenngleich auch generelle Marktprobleme eine Rolle spielen.
Schaeffler Herzogenaurach: 700 Mitarbeiter bangen um Jobs
„Es wurde kurz emotional“, erklärt Hanna Köhler, Betriebsratsvorsitzende für den Standort Herzogenaurach. Zwar sei es im Rahmen der Fusion zu erwarten gewesen, dass Doppelstrukturen im Bereich IT oder im Bestellwesen aufgelöst würden. Mit der Ankündigung, so viele Stellen streichen zu wollen, habe die Unternehmensspitze jedoch eine rote Linie überschritten. Folglich sei die Versammlung auch etwas länger ausgefallen als geplant – fast drei Stunden. Teilgenommen hatten am Standort fast 1700 Kollegen, rund 100 weitere hätten sich von den Außenstandorten in Nürnberg und Erlangen hinzugeschaltet.
Nicht gut angekommen sei die Ankündigung auch, nachdem am „Day One“ der Fusion durch die Führung noch die Losung „Stronger Together“ ausgerufen worden sei. „Am Ende reicht es doch wohl nicht, um alle in der neuen Organisationsstruktur unterzubringen“, sagt die Betriebsrätin. Zusammenhalt sehe anders aus.
Verhandlungen über Abbau sollen möglichst schnell beginnen
„Wir werden um jede Stelle kämpfen“, kündigt Köhler an. Tatsächlich sei jedoch vieles noch unklar. „Neue Informationen, wie der Abbau stattfinden soll, gibt es seitens des Arbeitgebers noch nicht“, erläutert sie. Vorgestellt worden seien lediglich bereits bekannte Präsentationen.
Unbekannt sei folglich, wie sich das Unternehmen den Abbau vorstelle. Ob beispielsweise ein Altersteilzeit- oder Abfindungsprogramm infrage komme. „Das gilt es jetzt zu verhandeln“, berichtet Köhler. Bereits in den nächsten Tagen sollen diese Verhandlungen starten. Wie lange diese wohl andauern würden, kann sie nicht sagen. „Schaeffler ist auch bei den derzeit laufenden Tarifverhandlungen dabei und die sind bekanntlich zäh“, sagt sie.
Schaeffler: Wie viele Mitarbeiter müssen gehen?
Unklar sei übrigens auch, wie viele Mitarbeiter tatsächlich infolge der Fusion gehen müssten. Sowohl bei Vitesco als auch bei Schaeffler gebe es noch alte Abbauprogramme, die bis jetzt nicht abgeschlossen seien. Es stelle sich folglich die Frage, ob diese im Rahmen der Umstrukturierungsmaßnahmen miteinbezogen werden oder auf die Zahl der abzubauenden Stellen obendrauf gerechnet werden.
Es gebe jedoch auch gute Nachrichten. „Herzogenaurach bleibt Headquarter“, berichtet Köhler. Das habe die Geschäftsführung versprochen. Auch die bereits geplanten Investitionen in den Standort würden wie geplant stattfinden. Und auch die Produktion werde weitgehend unangetastet bleiben.
Schaeffler gibt kein Statement zur Versammlung
Tatsächlich wirkten die meisten Mitarbeiter, die das Werksgelände nach der Versammlung verließen, gefasst. „Das ist bei uns üblich so“, scherzte eine Schaeffler-Mitarbeiterin auf Nachfrage. Die Produktionsmitarbeitenden seien deutlich streitlustiger als die im Büro.
Auf eine Anfrage bei der Schaeffler Unternehmensgruppe bezüglich eines Statements zu der Betriebsversammlung heißt es, dass die Betriebsversammlung eine Veranstaltung der Arbeitnehmervertretung sei. Für eine Position des Unternehmens verweise man auf die offizielle Pressemitteilung bezüglich der Maßnahmen vom Dienstag.
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