Sie haben Einfluss, ihr Curriculum Vitae ist eine Aneinanderreihung namhafter, weltbekannter Firmen. In ihren Reihen häufen sich die Alumni von Eliteuniversitäten und die akademischen Titel: In Aufsichtsräten kommen oft die mächtigsten Menschen der Wirtschaft zusammen.
Das zeigt sich bei den großen Unternehmen in Erlangen und Erlangen-Höchstadt. Vor kurzem hatte der Sportartikelgigant Adidas aus Herzogenaurach mit einem Neuzugang seines Aufsichtsrats Schlagzeilen gemacht: Das Unternehmen holt den deutschen Medienmogul und Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, in seinen Aufsichtsrat.
Der Fränkische Tag hat untersucht, wer in den Aufsichtsräten von Adidas, Puma, Schaeffler und Siemens sitzt. Die Analyse zeigt eine kosmopolitische Wirtschaftselite sondergleichen:
- Adidas: Springer-Chef und vermögendster Mann Ägyptens
- Puma: Wie wird neuer Großaktionär Anta im Aufsichtsrat mitmischen?
- Schaeffler: Technikprofis und wohlhabende Unternehmenserben
- Siemens: Hier wacht der mächtigste Aufsichtsrat Deutschlands
Adidas: Springer-Chef und vermögendster Mann Ägyptens
Die Zusammensetzung des Aufsichtsrats von Adidas (insgesamt 16 Mitglieder) wird sich mit dem Beschluss der ordentlichen Aktionärshauptversammlung im Mai verändern. Adidas will Mathias Döpfner wegen seiner „Führungserfahrung“ und seiner Expertise in den Bereichen „Markenbildung, digitaler Transformation und Unternehmensführung“.
Die mag Döpfner haben. Schließlich machte ihn Verlegerin Friede Springer 2020 zum Vorstandsvorsitzenden des Medienkonzerns Axel Springer (u.a. Bild, Die Welt). Zu seinen wirtschaftlichen Erfolgen gehören die Übernahme von ProSiebenSat.1 durch Springer für 3 Milliarden Euro im Jahr 2005, als auch die Ausrichtung des Medienkonzerns auf den digitalen Markt.
Mit dem Namen Döpfner sind auch Kontroversen über politische Aussagen sowie seine Beziehungen zu US-Tech-Milliardären wie Elon Musk und dem rechtslibertären Peter Thiel verbunden.
„Ägyptischer Milliardär überwacht bald Adidas“
„Ägyptischer Milliardär überwacht bald Adidas“, titelte die Bild-Zeitung Anfang März über die nächste gewichtige Entscheidung bei Adidas. Laut Adidas ist der ägyptische Unternehmer und Investor Nassef Sawiris seit 2016 Aufsichtsratsmitglied. Nun wird er den scheidenden Vorsitzenden Thomas Rabe (Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann und CEO der RTL Group) ersetzen. Der 65-jährige Unternehmer gilt als einer der reichsten Männer Afrikas. Forbes schätzt sein Vermögen auf 9,1 Milliarden US-Dollar.
Erfolgreich wurde Sawiris mit seinem Konzern OCI, der global mit Industriechemie und Düngemitteln handelt. Seiner Investmentgesellschaft NNS gehören laut Börseninformationen (finanzen.net) zudem rund 6,5 Prozent der Adidas-Aktien.
Beim Blick durch die Lebensläufe der Adidas-Aufsichtsräte fällt unter anderem auf: Jing Ulrich. Sie ist erfahrene Finanzmanagerin mit internationaler Expertise und langjähriger Aufsichtsratstätigkeit bei der US-Bank J. P. Morgan und gilt laut Forbes als „inoffizielle Stimme Chinas“ und wichtige Vermittlerin für den chinesischen Markt. Weitere interessante Mitglieder sind der ehemalige Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber, die ehemalige US-amerikanische Leichtathletin und dreifache Olympiasiegerin Jackie Joyner-Kersee sowie Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff.
Puma: Wie wird neuer Großaktionär Anta im Aufsichtsrat mitmischen?
Mit sieben Mitgliedern, drei Frauen und vier Männern, macht das Gremium des Sportartikelherstellers Puma den im Vergleich kleinsten Aufsichtsrat aus. Hier sitzen ebenfalls hochausgebildete Personen, wie die Harvard-Alumna Héloïse Temple-Boyer. Sie ist Unternehmerin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der französischen Finanzholding Artémis und die aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende bei Puma.
Fraglich, ob das so bleiben wird. Denn im Januar gab Puma bekannt, dass der chinesische Sportartikelriese Anta Sports für ca. 1,5 Milliarden Euro rund 29 Prozent der Puma-Anteile von Artémis übernimmt. Damit wurde auch eine Veränderung des Aufsichtsrats angekündigt, aber keine genaueren Details.
Ein weiterer Unternehmer mit Verbindungen zum Luxusgütersegment ist Jean-Marc Duplaix. Der 55-jährige Franzose sitzt in Kontrollgremien von Modeunternehmen wie Yves Saint Laurent und ist laut Puma stellvertretender CEO des Luxusgüterkonzerns Kering S.A. Der gehört wiederum mehrheitlich zu Artémis. Ob Duplaix in Pumas Aufsichtsrat bleiben wird, steht nach aktuellen Informationen ebenfalls nicht fest.
Weitere interessante Aufsichtsratsmitglieder von Puma sind: die ehemalige italienische Weitspringerin Fiona May Oly (zwei Weltmeistertitel und zwei olympische Silbermedaillen) als Vertreterin der Anteilseigner sowie der ehemalige Dyson-CEO Roland Krüger.
Schaeffler: Technikprofis und wohlhabende Unternehmenserben
Die Qualifikationen der 20 Aufsichtsratsmitglieder des Zulieferers Schaeffler aus Herzogenaurach sind deutlich techniklastiger. Im Vergleich zu den Sportartikelherstellern tauchen hier viele Personen mit akademischen Titeln auf (je zwei Doktortitel und zwei Professoren).
Beim Who-is-who der Unternehmensnamen fällt der Lebenslauf von Managerin Sabine Bendiek auf: Die Technikkonzerne Siemens, Dell und das Softwareunternehmen SAP sind Stationen, sowie der Posten als ehemalige Chefin von Microsoft Deutschland.
Überdies scheint Bendiek auch politischen Einfluss zu haben. Wie die Tagesschau im September 2025 berichtete, war bzw. ist sie Teil des beratenden Beirats von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) für den Einsatz der 500 Milliarden Sondervermögen der Bundesregierung.
Georg Schaeffler ist einer der reichsten Menschen der Welt
Im Kontext des Namens Schaeffler setzt dieser Mann Maßstäbe: Georg Friedrich Wilhelm Schaeffler ist Gründer-Erbe und mit 80 Prozent Beteiligung Hauptgesellschafter des Konzerns und sitzt dem Aufsichtsrat der Schaeffler AG vor.
Dem nicht genug, wird der Wirtschaftsanwalt vom Forbes Magazin auf ein Vermögen von 19,2 Milliarden Dollar geschätzt. Vor wenigen Tagen berichteten überregionale Medien, dass sich durch die Beteiligung am Automobilzulieferer Continental AG das Vermögen von Schaeffler und seiner Mutter Maria-Elisabeth Schaeffler zum Vorjahr verdoppelt habe. Damit gehört Schaeffler nicht nur zu den zehn reichsten Personen Deutschlands, sondern auch zu den reichsten Menschen der Welt (Platz 144 im jüngsten Forbes Ranking).
Siemens: Hier wacht der mächtigste Aufsichtsrat Deutschlands
Der Konzern Siemens hat seinen Hauptsitz in München und seinen größten Unternehmensstandort mit mehr als 20.000 Mitarbeitenden in Erlangen. Das Unternehmensgremium besteht aus 20 Personen, davon acht Frauen und zwölf Männer. Bei Siemens liegt die Anzahl der akademischen Titel mit sechs Doktorinnen bzw. Doktoren in diesem Vergleich am höchsten.
Siemens-Urenkelin im Aufsichtsrat
Wie bei Schaeffler ist hier ebenfalls eine Unternehmenserbin vertreten: Nathalie von Siemens ist Ururenkelin des Unternehmensgründers. Die 54-Jährige ist promovierte Philosophin und war sieben Jahre lang Geschäftsführerin und Vorstandssprecherin der Siemens Stiftung. Seit 2015 ist von Siemens im Aufsichtsrat der Siemens AG wie auch bei der Siemens Healthineers AG.
Werner Brandt bei Siemens: „mächtigster Aufsichtsrat Deutschlands“
Wer bei Siemens außerdem wacht, das ist Deutschlands wohl notorischster Aufsichtsratschef: Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Werner Brandt saß schon so vielen Aufsichtsräten vor (RWE, Siemens, ProSiebenSat.1 Media, Deutsche Lufthanse, Innogy, Qiagen, Osram Licht), dass das Handelsblatt ihn im Jahr 2017 zum „mächtigsten Aufsichtsrat Deutschlands“ kürte.
Neben dem „mächtigsten Aufsichtsrat“ gehört zu Siemens einer der teuersten Unternehmensräte im Land. Das ist laut dem Wirtschaftsmagazin Capital Jim Hagemann Snabe. Nach einem Bericht aus dem Jahr 2025 lag der 60-Jährige mit einer Vergütung von 602.000 Euro auf dem fünften Platz der bestbezahlten Aufsichtsräte unter den Dax-Konzernen. Nebenbei bemerkt ist Snabe ehemaliger Co-CEO des Technikunternehmens SAP und derzeit Mitglied im Stiftungsrat des Weltwirtschaftsforums.
Weitere interessante Personen im Aufsichtsrat von Siemens sind Jürgen Kerner, zweiter Vorsitzender der IG Metall, Regina E. Dugan, die u.a. bei den Tech-Konzernen Meta und Alphabet Inc. (Muttergesellschaft von Google) arbeitete, und Kasper Rørsted, der ehemalige CEO von Adidas.


















