Beim Automobilzulieferer Valeo wird es zu einem massiven Stellenabbau kommen. Andreas vom Bruch, der Pressesprecher des Unternehmens, bestätigte am Dienstag auf Anfrage des Coburger Tageblatts und des Fränkischen Tags, dass bundesweit 430 Arbeitsplätze wegfallen werden.
Kahlschlag am Standort in Ebern
Von diesem personellen Kahlschlag wird besonders der Standort in Ebern (Unterfranken, Landkreis Haßberge) betroffen sein. Andreas vom Bruch bestätigte auf Anfrage die Zahl von 280 Arbeitsplätzen, die dort wegfallen werden.
Wie viele Arbeitsplätze fallen in Bad Rodach weg?
Gerüchte, wonach auch in Bad Rodach (Oberfranken, Landkreis Coburg) Arbeitsplätze wegfallen, wurden von Andreas vom Bruch zwar grundsätzlich bestätigt. Die kursierende Zahl, wonach es sich um knapp 100 Arbeitsplätze handeln könnte, bestätigte er hingegen nicht. - Wie zu hören ist, soll die Zahl deutlich niedriger liegen.
In der Branche wird außerdem erzählt, dass auch an den Valeo-Standorten in Erlangen (Mittelfranken) sowie Bietigheim-Bissingen Personal abgebaut werden soll. Andreas vom Bruch wollte jedoch lediglich bestätigen, dass „mehrere Standorte in Deutschland“ betroffen sind. Der Standort in Kronach soll sich allerdings nicht darunter befinden.
Valeo: Bundesweit fast 10.000 Mitarbeitende
Valeo hat in Deutschland insgesamt knapp 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 28 Standorten. Dabei handelt es sich sowohl um Produktionsstandorte als auch um Standorte für die Bereiche Forschung und Entwicklung.
Die einzelnen Standorte unterscheiden sich mitunter sehr.
Das Problem mit dem Verbrenner
So werden am Standort in Ebern Gummi- und Metallkomponenten hergestellt. Außerdem ist in Ebern die Klein- und Mittelserien-Produktion im Bereich der Kupplungs-, Brems- und Sonderhydraulik angesiedelt. Problem: Diese Produktpalette ist zum Teil sehr auf Autos mit Verbrennermotoren ausgerichtet. Das wiederum bedeutet: In Zeiten, in denen die E-Mobilität immer mehr Fahrt aufnimmt, bekommt ein solcher Standort Probleme mit der Wettbewerbsfähigkeit.
Standort Ebern soll erhalten bleiben
Andreas vom Bruch erklärte auf Anfrage, dass am Standort in Ebern eine umfangreiche Umstrukturierung erforderlich sein werde. Zugleich betonte er aber: „Der Produktionsstandort Ebern bleibt erhalten!“ Nur müsse er eben wieder wettbewerbsfähig gemacht werden. Ebenso solle es auch weiterhin ein Zentrum für Forschung und Entwicklung in Ebern geben.
Mit derzeit noch rund 1.100 Mitarbeitenden zählt Ebern zu einem der größten Valeo-Standorte. Vom Abbau der 280 Arbeitsplätze werden laut Andreas vom Bruch sowohl die Produktion als auch die Forschung und Entwicklung betroffen sein.
Gespräche mit dem Betriebsrat
Erste Gespräche mit dem Betriebsrat, wie der Stellenabbau sozialverträglich gestaltet werden kann, haben bereits stattgefunden. Andreas vom Bruch verweist in diesem Zusammenhang auf mögliche (Vor-)Ruhestandsregelungen. Außerdem sei denkbar, dass Mitarbeitende, die vor allem im Home-Office arbeiten, an anderen Standorten eine neue Betätigung finden.
Rahmenbedingungen für Bad Rodach sind günstiger
Der Valeo-Standort in Bad Rodach hat gegenüber Ebern einen entscheidenden Vorteil: Die Klimasystem-Komponenten, die in der Thermalbadstadt produziert werden, können in Verbrenner-Autos genauso Verwendung finden wie in E-Autos.
Zudem verfügt der Standort Bad Rodach über ein Kompetenzzentrum für Spritzgießverfahren sowie über einen als innovativ geltenden Entwicklungsbereich für Steuerelemente im Fahrzeuginnenraum.
Kann Markus Söder helfen?
Dass die Situation bei Valeo angespannt ist, war nicht zuletzt in der vergangenen Woche live im Bayerischen Fernsehen zu verfolgen.
Die Sendung „Jetzt red i“ kam am Vergangenen Mittwoch aus Bad Rodach, und zu Gast war Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Gleich als Erster in der Sendung meldete sich Markus Geflitter zu Wort, der Betriebsratsvorsitzende von Valeo in Bad Rodach. Er zeigte sich in großer Sorge um die derzeit noch knapp 900 Arbeitsplätze bei Valeo in der Thermalbadstadt. Denn als Automobilzulieferer sei Valeo in einer Branche unterwegs, in der zurzeit ein enormer Kostendruck herrsche – und die Konkurrenz in Fernost sei ebenfalls enorm. „Wir müssen die Transformation schaffen“, forderte Geflitter. Was er damit meinte: Es müssten Zukunftstechnologien her, damit Valeo auch morgen und übermorgen noch Produkte liefert, die im Wettbewerb stehen.
Markus Geflitter berichtete in diesem Zusammenhang von einem entsprechenden Förderantrag, der mittlerweile in der Staatskanzlei liege und hoffentlich „schnell und unbürokratisch“ abgesegnet werde. Tilmann Schöberl, der Moderator von „Jetzt red i“ schlug Söder daraufhin eine sehr unkomplizierte Bearbeitung des Antrags vor: „Absegnen und zurückschicken!“
Söder ging in der Sendung zwar davon aus, dass der Förderantrag nicht in „seiner“ Staatskanzlei liege, sondern im Wirtschaftsministerium. Dennoch hatte er eine hoffnungsvolle Botschaft parat: „Das müsste klappen!“
Der jetzt bekannt gewordene Stellenabbau dürfte noch einmal zusätzlich verdeutlichen, dass Valeo diese Unterstützung dringend benötigt.
Bitter für Bad Rodach
Für Bad Rodach wäre ein Stellenabbau bei Valeo auch deshalb bitter, weil sich mit der Haba-Familygroup ja auch der zweite große Arbeitgeber in der Stadt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindet.
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