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Interview mit Metzgerei Faber
„Wir entscheiden freiwillig und sind nicht dazu gezwungen“
Geschäftsführer Thomas Faber und Johanna Nemeth stehen am Montag, 23. März 2026, in den Geschäfsträumen der Firma Faber Feinkost in der Münnerstädter Straße in Bad Kissingen. Nach 125 Jahren schließen die beiden die Filiale in der Innenstadt von Bad Kissingen.
Geschäftsführer Thomas Faber und Johanna Nemeth stehen am Montag, 23. März 2026, in den Geschäfsträumen der Firma Faber Feinkost in der Münnerstädter Straße in Bad Kissingen. Nach 125 Jahren schließen die beiden die Filiale in der Innenstadt von Bad Kissingen. // Daniel Peter (Daniel Peter)
Bad Kissingen – Die Metzgerei Faber konzentriert sich auf den Standort am Ostring und hat die Filiale in der Bad Kissinger Innenstadt geschlossen. Thomas Faber und Johanna Nemeth erklären die Hintergründe.

Anfang April 2026 hat die Metzgerei Faber ihren Standort in der Innenstadt von Bad Kissingen geschlossen, um sich auf den Betrieb am Ostring zu fokussieren. Im Gespräch mit dieser Redaktion erklären Thomas Faber (49) und Ehefrau Johanna Nemeth (45), die das Traditionsunternehmen mit mehr als 125 Jahren Geschichte führen, ihre Beweggründe. Dabei wird deutlich: Faber will freiwillig auf Entwicklungen in der Branche reagieren, um nicht vielleicht irgendwann dazu gezwungen zu sein.

Nach mehr als 125 Jahren hat die Metzgerei Faber ihren Standort in der Innenstadt von Bad Kissingen geschlossen. Was macht das emotional mit Ihnen?

Johanna Nemeth: Es gibt einfach Dinge, die sich wandeln. Und am Ende führen wir alle ja einen Betrieb in erster Linie aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Für die Leute ist das natürlich manchmal schwierig zu verstehen und dass es keine Freudenschreie hervorruft, ist uns natürlich auch bewusst.

Thomas Faber: Dass uns viele Kunden in der Innenstadt gewissermaßen nachweinen, ist für uns ja auch ein positives Zeichen und wir sind sehr dankbar für die vielen treuen Kunden, die jetzt schon auch am Ostring weiterhin bei uns einkaufen. Aber wir entscheiden das ja freiwillig und sind nicht dazu gezwungen. Das ist ein wesentlicher Punkt. Wir treffen diese Entscheidung schlichtweg danach, was und welchen Standort wir für die Zukunft für sinnvoll halten. Dahinter steckt natürlich ein sehr großer und langer Kontext.

Mit welchen Inhalten?

Faber: Enormer Fachkräftemangel, hohe Betriebskosten, anstehende Investitionen, verändertes Einkaufs- und Konsumverhalten, Ernährungsgewohnheiten, Frequenzverhalten in der Innenstadt, all diese Themen. Das sind sehr viele unterschiedliche Faktoren, die in so eine Entscheidung hineinspielen. Wenn man es noch weiter fassen will, haben wir auch noch das Thema Corona, das viele Parameter irreversibel verändert hat.

Inwiefern?

Faber: Wir haben 2019 den Bistro- und Imbissbereich in der Innenstadt umgebaut. Vier Monate später wurden uns die Betriebe zugesperrt. Und danach haben wir auf einmal eine neue, andere Entwicklung der Innenstädte und des Konsumverhaltens gesehen, Stichwort Home-Office. Als wir 2019 entschieden haben, in den Standort zu investieren, hat davon ja noch kein Mensch gesprochen.

Vor drei Jahren haben Sie auch den Feinkostladen und die Metzgerei in der Innenstadt modernisiert. Auch, um zur Belebung der Innenstadt beizutragen. Wurde dieser Wunsch von der Realität überholt?

Faber: So würde ich es nicht sehen. Aber ehrlicherweise können wir einen Betrieb natürlich nicht auf Dauer nach romantischen Vorstellungen davon führen, wie vielfältig eine Innenstadt sein muss und unsere Situation danach ausrichten.

Nemeth: Es ist ja keine Entscheidung gegen die Innenstadt, die wir treffen. Sondern für eine andere unternehmerische Ausrichtung. Wenn man all diese Faktoren sieht, vor allem den riesigen Bereich Fachkräftemangel, dann weiß man doch, wo die Reise hingeht.

Wohin?

Faber: Wir engagieren uns seit Jahren im Bayerischen Verband der Metzger beim Thema Nachwuchsförderung und haben sehr viel im Bereich Lehrlingsgewinnung versucht. Aber am Ende siehst du eben, was an Früchten von dem Baum fällt, an dem du kräftig rüttelst. Was bleibt denn wirklich an Nachwuchs? Wenn man das hochskaliert, kann auch in den nächsten Jahren nicht viel nachkommen. Das ist kein Faber-Problem, sondern eines für das gesamte Handwerk.

Geschäftsführer Thomas Faber und Johanna Nemeth sprechen am Montag, 23. März 2026, in den Geschäfsträumen der Firma Faber Feinkost in der Münnerstädter Straße in Bad Kissingen mit Main-Post-Redakteur Simon Snaschel. Nach 125 Jahren schließen die beiden die Filiale in der Innenstadt von Bad Kissingen.
Geschäftsführer Thomas Faber und Johanna Nemeth sprechen am Montag, 23. März 2026, in den Geschäfsträumen der Firma Faber Feinkost in der Münnerstädter Straße in Bad Kissingen. Nach 125 Jahren schließen die beiden die Filiale in der Innenstadt von Bad Kissingen. // Daniel Peter (Daniel Peter)

Was also tun?

Faber: Wir reagieren, indem wir jetzt aus freien Stücken heraus eine Entscheidung treffen konnten. Noch einmal: Wir entscheiden uns nicht gegen einen Standort in der Innenstadt. Sondern für eine Fokussierung und Spezialisierung auf unseren Hauptstandort am Ostring. Und die kann ich nur wahrnehmen, wenn ich in den verschiedenen Bereichen eines Betriebes gucke, wie ich meine Kompetenzen bündeln und langfristig sichern kann.

Können diesen Weg alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgehen?

Faber: Es werden natürlich schon signifikant weniger. Aber das ist ja auch eine logische Folge in einem solchen strukturellen Veränderungsprozess.

Die beschriebene Fokussierung ist eine Lösung für Ihr Unternehmen. Wie Sie schon sagen, klagt aber die gesamte Branche. Wie kann sich die grundsätzliche Situation bessern?

Nemeth: Wir werden weiterhin aktiv bleiben, auf Messen gehen und Azubis suchen. Gerade dieses Jahr fängt auch wieder ein Koch-Auszubildender bei uns an. Es braucht nachhaltig ein breites, attraktives Spektrum, um junge Menschen zu gewinnen. Aber solange nicht in der Mitte der Gesellschaft ankommt, dass man heute mit einer soliden Handwerkslehre sehr gutes Geld verdienen kann, wird es schwierig.

Faber: Ich glaube, dass man im Handwerk heutzutage durchaus eine goldene Zukunft haben kann. Aber das ist noch nicht überall durchgesickert und wir alleine können diesen Wandel auch nicht vollziehen.

Geschäftsführer Thomas Faber und Johanna Nemeth sprechen am Montag, 23. März 2026, in den Geschäfsträumen der Firma Faber Feinkost in der Münnerstädter Straße in Bad Kissingen mit Main-Post-Redakteur Simon Snaschel. Nach 125 Jahren schließen die beiden die Filiale in der Innenstadt von Bad Kissingen.
Geschäftsführer Thomas Faber und Johanna Nemeth sprechen am Montag, 23. März 2026, in den Geschäfsträumen der Firma Faber Feinkost in der Münnerstädter Straße in Bad Kissingen. Nach 125 Jahren schließen die beiden die Filiale in der Innenstadt von Bad Kissingen. // Daniel Peter (Daniel Peter)

Es geht ja nicht alleine ums Geld. Das Bild vom Metzgerberuf ist sicher auch nicht das Beste.

Nemeth: Ja, das ist leider definitiv so. Und es dauert, bis sich das wandelt. Da muss auch eine gewisse Schmerzgrenze in der Gesellschaft erreicht sein, bis man nicht mehr denkt, dass das schicke, feine Geld im Büro verdient wird. Ich glaube, erst wenn es noch ein wenig mehr wehtut, wird das Handwerk wieder ansehnlicher werden. Wir für unseren Teil können nur daran arbeiten, dass das Image sich wandelt – was der Metzgerverband Bayern zum Beispiel ja auch schon lange tut.

Die Probleme in der Großindustrie könnten demnach beim Imagewandel helfen?

Faber: Ja. Wobei die Leute, die von dort kommen, gehaltsmäßig natürlich möglicherweise andere Vorstellungen haben. Warten wir ab, wo die Reise in unserer Volkswirtschaft hingeht.

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