Rolf Beyersdorf, das ist Samba. Rolf Beyersdorf, das sind Spaß, gute Laune und immer wieder verrückte Ideen. Rolf Beyersdorf, man mag es kaum glauben, das ist ab diesem Donnerstag aber auch ein 60 Jahre alter Mann. Aus diesem Anlass haben wir uns mit ihm auf die Suche begeben: Kann über ihn eigentlich noch irgendetwas Neues erzählt werden?
Denn dass es zum Beispiel sein Leben ganz entscheidend geprägt hat, 1992 – zusammen mit Michael Häfner und Christof Pilarzyk – das Samba-Festival erfunden zu haben, dürfte den meisten hinlänglich bekannt sein. Und sonst? Wir haben zusammen mit ihm im Nähkästchen gekramt.
1. Der ungewöhnliche Spitzname
Wie wird „Mister Samba“ eigentlich richtig angesprochen? Da lacht er: „Also ,Sie‘ oder ,Herr Beyersdorf‘ sagt in Coburg, glaube ich, niemand zu mir!“ Wer ihn ein bisschen besser kennt, sagt außerdem nicht „Rolf“, sondern „Bujus“. Entstanden ist dieser Spitzname in der Grundschulzeit. „Da hatten wir viele gleiche Vornamen in unserer Klasse: Mehrere hießen Michael, viele Thomas, und es gab auch einige Rolfs.“ Zur besseren Unterscheidung wurden die Kinder deshalb mit ihrem Nachnamen angesprochen. Aber „Beyersdorf“ ist recht lang. Deshalb wurde abgekürzt, und der kleine Rolf war „der Beyers“. In der 2. Klasse, Rolf weiß es noch genau, machte sein Freund Rolf Jung daraus „der Bujus“ – und das hält bis heute an.
2. Doppelte Staatsbürgerschaft
„Samba ist mein Leben“, sagt Rolf Beyersdorf, der deshalb zumindest gefühlt als „Halb-Brasilianer“ durchgehen dürfte. In Wahrheit ist er aber Halb-Engländer, weil seine Mutter aus Cornwall stammt. Die sonnige Südwestspitze der britischen Insel ist für Rolf Beyersdorf bis heute „ein Sehnsuchtsort“. In seiner Kindheit und Jugend verbrachte er dort viele Monate – „das war immer eine super Zeit mit vielen Freunden und einer großen Familie.“Auf dem Papier hat Rolf Beyersdorf heute tatsächlich zwei Staatsbürgerschaften: die deutsche und die britische. Wenn er gefragt wird, als was er sich fühlt, antwort er: „Vom Kopf her deutsch, vom Herz englisch – und von der Seele brasilianisch.“
3. Fast auf der „Gorch Fock“, aber dann neben Markus Wasmeier
Am liebsten wäre Rolf Beyersdorf als Marinesoldat auf die „Gorch Forck“ gegangen. Doch dafür wäre Bedingung gewesen, sich für vier Jahre zu verpflichten. Das war ihm dann doch etwas zu lang. Stattdessen verbrachte Rolf Beyersdorf ab Oktober 1984 seine Grundwehrzeit bei den Gebirgsjägern (1. Gebirgsdivision in Mittenwald). Ein markantes Erlebnis aus dieser Zeit: Anfang 1985 ehrte die Bundeswehr in Berchtesgaden ihre erfolgreichsten Sportler des vergangenen Jahres – dazu gehörte auch Rolf Beyersdorf, der mit dem Team der Coburger Turnerschaft Bundessieger im Turngruppenwettstreit geworden war. „Bei dieser Ehrung war ich so ziemlich der einzige Nicht-Wintersportler“, erinnert er sich. Neben ihm standen Sportler wie Markus Wasmeier und Peter Angerer, die Medaillen bei den Olympischen Winterspielen gewonnen hatten.
4. Rolf Beyersdorf als Lehrer?
Nach dem Abitur am Ernestinum und der Bundeswehrzeit studierte Rolf Beyersdorf zunächst Sport und Englisch auf Lehramt fürs Gymnasium. Dass dann doch kein Lehrer aus ihm wurde, hat er rückblickend nur ein einziges Mal bereut: Als im Frühjahr 2020 der erste Lockdown kam und plötzlich auch hinter der Durchführung des Samba-Festivals ein Fragezeichen auftauchte, da wäre so ein – im Idealfall sogar verbeamteter – Job deutlich sicherer gewesen. Andererseits sagt Rolf Beyersdorf heute: „Wenn ich sehe, welche Herausforderungen während der Pandemie noch auf die Schulen zukamen, war ich doch wieder ganz froh, dass ich kein Lehrer geworden bin. Denn so etwas wie Home-Schooling wäre ja gar nicht mein Ding gewesen.“
5. Rolf Beyersdorf als Balletttänzer
Turnen, Akrobatik, Tanzen – das waren die ersten Lieblingssportarten von Rolf Beyersdorf. Da war der Weg zum Ballett gar nicht mehr weit, und tatsächlich: Im Alter von 21 Jahren begann er damit, sich nebenberuflich als Gast-Balletttänzer am Landestheater Coburg etwa dazu zu verdienen. Zwölf Jahre lang übte er diesen Nebenjob aus.
6. Rolf live in der ZDF-Show
Deutlich derber und verrückter als beim Ballett ging es bei der Samstagabend-Show „Spiel ohne Grenzen“ zu. Weil Rolf Beyersdorf ja für (fast) jeden Spaß zu haben ist, bewarb er sich 1980 um Aufnahme ins „Team Deutschland“ – und zwar für jene Sendung, die das ZDF live vom Coburger Schlossplatz sendete. „Bujus“ trainierte hart und schaffte es tatsächlich ins Team. Doch weil er sich kurz vorher verletzte, gehörte er nur zur Reserve und kam in der Show nicht zum Einsatz. Einerseits ärgert ihn das noch heute. Andererseits denkt Rolf Beyersdorf gerne an das monatelange Training zurück: „So fit wie damals war ich später nie mehr!“
7. Rolf, der Fast-Kanalschwimmer
Apropos „für jeden Spaß zu haben“ beziehungsweise „für jede sportliche Herausforderung zu haben“: 1995 wollte Rolf Beyersdorf mit einem Team befreundeter Sportler durch den Ärmelkanal schwimmen. Alles war bereits vorbereitet, doch am Ende scheiterte das Projekt an der fehlenden Erlaubnis von „Majesty’s Coastguard“, also der staatliche Küstenwache des Vereinigten Königreiches. Grundsätzlich sagt Rolf Beyersdorf: „Ja, ich probiere gerne etwas aus. Wenn ich etwas toll finde, springe ich auch sofort darauf an!“ Er gibt aber zu, dass in den vergangenen Jahrzehnten auch manchmal etwas schief gegangen ist – „aber die richtigen Entscheidungen haben zum Glück überwogen!“
8. Die Sache mit dem Pferd
Rolf Beyersdorf ist dafür bekannt, sich speziell beim Samba-Festival immer sehr schrill und gerne auch etwas verrückt zu kleiden. In besonderer Erinnerung ist ihm geblieben, als er sich an einem Samba-Sonntag zum Festivalumzug eine großen, weißen Pferdekopf aus Plüsch aufsetzte. Sein Gesicht schaute zwar darunter heraus, doch alle Blicke richteten sich eine Etage höher auf den Pferdekopf. So kam es, dass die Polizei ungeduldig wurde: „Wo bleibt denn der Veranstalter? Der Umzug darf sonst nicht starten.“ Daraufhin rief eine Stimme von knapp unterhalb eines weißen Plüschpferdekopfs: „Hallo, ich bin doch hier!“
HINTERGRUND: So feiert Rolf Beyersdorf
Zur Person Rolf Beyersdorf, geboren am 20. Oktober 1962, ist verheiratet mit der Brasilianerin Nini Beyersdorf, die ihm 1998 beim Samba-Festival in Coburg erstmals über den Weg gelaufen war. Die beiden sind seit 2003 ein Paar und haben eine gemeinsame Tochter. Aus seiner ersten Ehe hat Rolf Beyersdorf zwei Kinder, Nini Beyersdorf hatte vor der Beziehung mit „Bujus“ schon ein eigenes Kind.
Zur Feier Seinen 60. Geburtstag feiert Rolf Beyersdorf im Rahmen von „Voices of Brazil“. Bei dieser Veranstaltung am Freitag, 11. November, trifft im Kongresshaus der Karneval aus Rio auf die fränkische Fastnacht. Beginn ist um 18.30 Uhr, Infos unter samba-festival.de
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