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Eine Coburger Familie und das Abenteuer ihres Lebens
Eine Coburger Familie und das Abenteuer ihres Lebens. Hier sind Marc, Mira, Melinda und Marius Baumann (von links) in der Maranjab-Wüste im Iran.
Eine Coburger Familie und das Abenteuer ihres Lebens. Hier sind Marc, Mira, Melinda und Marius Baumann (von links) in der Maranjab-Wüste im Iran. // f4m-on-tour.com
Coburg – Die Baumanns unternehmen zurzeit eine spektakuläre Tour. 13 Monate lang geht es quer durch die arabische Welt nach Kathmandu – aber eigentlich ist das Ziel dieser Reise etwas ganz anderes.

Weiße Weihnachten? Für Melinda, Marc, Mira und Marius Baumann werden es in diesem Jahr wohl eher Wüsten-Weihnachten. Die Coburger Familie ist vor ein paar Tagen im Oman auf der arabischen Halbinsel angekommen. Aber nicht etwa per Flugzeug, sondern mit einem eigens umgebauten Feuerwehrauto. Die rund 21.000 Kilometer, die sie in den vergangenen vier Monaten mit „Fritzchen“ zurückgelegt haben, waren aber erst der Anfang. Insgesamt sind 13 Monate für dieses Abenteuer eingeplant – für das Abenteuer ihres Lebens.

Im August ging’s los. Hier sind die Baumanns – inklusive ihrem Fritzchen – noch in Coburg.
Im August ging’s los. Hier sind die Baumanns – inklusive ihrem Fritzchen – noch in Coburg. // f4m-on-tour.com

Im Gespräch erzählt Marc Baumann, wie es ihnen bislang ergeht – und was das eigentliche Ziel ihrer Reise ist. Marc Baumann hat 1991 am Gymnasium Ernestinum in Coburg sein Abitur gemacht. Einer seiner Schulkollegen war der heutige Redakteur Oliver Schmidt. Deshalb duzen sich die beiden.

Hallo Marc! Wie seid ihr denn, bitteschön, auf diese Idee gekommen? Euer Ziel ist ja Kathmandu in Nepal.

Marc Baumann: Wir haben zwar Nepal als Ziel, weil dort die Berge so faszinierend sind und wir einen etwas längeren Wanderpfad begehen wollen: den Annapurna Circuit im Himalaya. Unser eigentliches Ziel ist aber gar nicht Kathmandu, sondern die Reise an sich. Wir fahren deshalb ja auch nicht auf direktem Weg nach Nepal, sondern machen zurzeit noch diesen kleinen Abstecher in den Oman, wo wir Weihnachten verbringen wollen.

Das heißt: Der Weg ist das Ziel?

Ja. Uns geht es darum, durch das Reisen als Familie andere Länder, Kulturen und die Menschen dort kennenzulernen. Wir wollen unseren Kindern den Zugang zur Vielfalt der Welt öffnen. Wir möchten ihnen zeigen, dass die Menschen zwar verschieden sind, aber sie überall die gleichen Freuden und Probleme haben. Dass die Menschen grundsätzlich gut sind und wie wenig man zum glücklich sein braucht. Und wir wollen als Familie mehr Zeit miteinander verbringen und alles gemeinsam erleben.

Begegnungen mit Menschen sind den Baumanns auf ihrer Reise ganz besonders wichtig. Hier ist Vater Marc in Saudi-Arabien zu sehen.
Begegnungen mit Menschen sind den Baumanns auf ihrer Reise ganz besonders wichtig. Hier ist Vater Marc in Saudi-Arabien zu sehen. // f4m-on-tour.com

Toll! Aber warum habt ihr euch für diese Reise nicht einfach ein bequemes Wohnmobil gekauft, sondern erst noch mit viel Aufwand ein 40 Jahre altes Feuerwehrauto umgebaut?

Es gibt viele Möglichkeiten, so eine Reise anzugehen. Da wir nicht nur ein paar Wochen unterwegs sein und uns auch jenseits normaler Straßen bewegen werden, brauchten wir ein geländegängiges, robustes und leistungsfähiges Fahrzeug mit möglichst einfacher Technik. Ausgemusterte Fahrzeuge von Feuerwehr oder THW sind eine gängige Basis für so etwas. Sie sind in der Regel gut gewartet und haben zum Teil eine äußerst geringe Laufleistung.

Besser als ein Wohnmobil von der Stange

Außerdem ist die in diesen alten Fahrzeugen verbaute Technik relativ einfach und auch mal für härtere Einsätze – also abseits befestigter Straßen – ausgelegt. Falls doch mal etwas kaputt geht, kann es in der Regel überall auf der Welt relativ leicht repariert werden. Moderne Wohnmobile von der Stange können das alles leider nicht leisten. Daher haben wir unser eigenes Fernreisemobil gebaut, welches unseren persönlichen Anforderungen ans Reisen gerecht wird.

Was sind „persönliche Anforderungen“? Und was habt ihr alles ein-und umgebaut?

Wir sind zu viert mit zwei Teenagern unterwegs, die auch mal ihren persönlichen kleinen Rückzugsort brauchen. Eine Mindestgröße der Wohnkabine war also wichtig.

Rausgeflogen ist natürlich zum Beispiel die Feuerwehrpumpe. Das Fahrwerk wurde angepasst, eine geländegängige Einzelbereifung sowie eine Seilwinde, Sandbleche und Bergematerial sind dazugekommen. Das Fahrerhaus wurde gedämmt – gegen Schall, aber auch gegen Wärme und Kälte. Wichtig war auch, ein gewisses Maß an Autarkie gewährleisten zu können. Die Länder, die wir bereisen, kennen einerseits keine Campingplätze, andererseits wollen wir natürlich ohnehin so viel wie möglich freistehen.

Das Abenteuer ihres Lebens: Hier ist die Familie Baumann in Kuwait-City zu sehen.
Das Abenteuer ihres Lebens: Hier ist die Familie Baumann in Kuwait-City zu sehen. // f4m-on-tour.com

Um autark zu sein, braucht es aber so einiges.

„Fritzchen“, wie unser Auto heißt, verfügt über Solarpaneele mit einer Leistung von 1700 Watt (Peak) und über einen starken LiFePo-Akku mit über 7000 Watt. Damit ist schon mal die Energieversorgung gewährleistet. Dann haben wir eine Trinkwasseranlage mit einer Kapazität von 315 Litern an Bord. Diese Anlage kann bei Bedarf per Saugpumpe über Keramik-Vorfilter gefüllt werden, falls der Wasserdruck nicht ausreicht oder auf ein fließendes Gewässer zurückgegriffen werden muss. Vor dem Verzehr wird das Wasser dann nochmals per UV-Licht und schließlich durch Kohlefilter zu Trinkwasser.

Bereit für den Einsatz im Himalaya

Gekocht wird mit Gas oder zur Not elektrisch. Der ausfahrbare Gasgrill ist einfach und schnell bedienbar. Dazu haben wir einen nachfüllbaren 12-Liter-Gastank verbaut. Eine weitere Gasflasche kann außerdem zusätzlich angeschlossen werden. Geheizt wird mittels zweier Dieselheizungen, die mit einem Höhenkit zum Einsatz in größeren Höhen versehen sind. Hoffentlich funktioniert das! Immerhin werden wir auch im Bereich um die 5000 Höhenmeter unterwegs sein.

Wie sieht es mit Essensvorräten aus?

Wir haben einen großen Kühlschrank für Lebensmittel und eine große Kühlbox für Getränke. Natürlich haben wir auch etwas Proviant mitgenommen, aber hauptsächlich kaufen wir unsere Lebensmittel lokal dort ein, wo auch die Einheimischen einkaufen. In den meisten Ländern gibt es gleiche oder ähnliche Produkte, wie zu Hause. Nudeln und Reis sind zum Beispiel immer angesagt. Außerdem probieren wir gerne lokale Spezialitäten oder Früchte aus – manche sind ein Hit und manche nicht, aber wir mögen das Experimentieren.

Wie packt man eigentlich den Koffer für eine 13-monatige Reise?

Also Koffer kommen natürlich nicht zum Einsatz! Jeder von uns hat im Auto ein Fach für Kleidung und noch ein halbes Fach für Socken, Unterwäsche und Schlafanzug. Zugegeben: Dieser Platz ist sehr überschaubar. Wir haben wenig Klamotten dabei, hauptsächlich funktionale Kleidungstücke, die vielfältig verwendet werden können. Zusätzlich hat jeder drei Paar Schuhe: normale Schuhe und Wanderschuhe sowie Flipflops. Außerdem hat jeder zwei Jacken, Schal und Mütze. Sie kommen erst später zum Einsatz. In größeren Höhen kann es ja durchaus etwas frisch werden.

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„Dafür, dass wir jeden Tag gemeinsam auf wenigen Quadratmetern verbringen, ist es erstaunlich harmonisch. Meistens."

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Marc Baumann Familienvater auf Weltreise

Im restlichen Lagerraum haben wir Medikamente und ein paar Notfallsachen dabei. Außerdem Spiele sowie Sachen für Wasser und Strand: SUPs, Schnorchelsachen, Neoprenanzüge sowie viele Ersatzteile und Werkzeuge.

Melinda und Marc Baumann genießen diese etwas andere Auszeit.
Melinda und Marc Baumann genießen diese etwas andere Auszeit. // f4m-on-tour.com

Ihr seid jetzt schon seit August unterwegs. Was vermisst ihr bislang am meisten? Vielleicht Freunde und Verwandte? Oder Fernsehen schauen?

Heutzutage kann man über das Internet ganz gut Kontakt halten. Insofern ist der Abstand zu Freunden und Familie leichter zu ertragen als es früher war. Videotelefonie war bisher in jedem der 13 Länder möglich, die wir durchquert haben. Unser Fritzchen hat einen kleinen mobilen Beamer an Bord, so dass wir ab und zu auch Filmabende machen können.

Eigentlich fehlt uns nicht wirklich viel. Die Einschränkung der Privatsphäre ist wahrscheinlich das schwierigste Thema einer solchen Reise. Allerdings ist es dafür, dass wir jeden Tag gemeinsam auf wenigen Quadratmetern verbringen, erstaunlich harmonisch. Meistens. Man darf dabei nicht vergessen, dass wir mit zwei Teenagern unterwegs sind.

Die Stockbetten der Kinder haben Schiebetüren, die es ermöglichen, auch mal Zeit für sich zu haben. Für persönliche Dinge haben beide noch einen eigenen Hängeschrank. Wenn wir irgendwo stehen, fungiert außerdem die Doppelkabine auch als Rückzugsort, wenn man mal ein bisschen für sich sein möchte. 

Kinder vermissen den Schnee - und Kloß mit Soß’

Ab und zu fehlt unseren Kinder die heimische Küche – zum Beispiel Kloß mit Soß’. Und jetzt, wenn sich Deutschland in ein Winter-Wonderland wandelt, fehlt ihnen natürlich der Schnee und der dazugehörige Spaß.

Ihr kommt während eurer Reise ja durch etliche sehr fremde, ja exotische Länder. Hat man da nicht auch ein bisschen Angst oder zumindest Bammel?

Viele Berichte zeigen oft nicht das alltägliche Bild. Wir haben viel recherchiert und haben uns auch mit Reisenden ausgetauscht, die in diesen Ländern bereits unterwegs waren. Bammel haben wir deshalb eigentlich nicht. Wir gehen natürlich auch keine unnötigen Risiken ein und versuchen, unser Verhalten den jeweiligen Gepflogenheiten der Länder anzupassen. Schließlich sind wir Gäste.

Unsere bisherige Erfahrung zeigt, dass man in den Ländern, die wir bisher durchquert haben – das waren vor allem muslimisch geprägte Länder – als Gast stets herzlich willkommen ist und sehr oft eingeladen wird. Wenn es uns möglich ist, dann nehmen wir Einladungen auch gerne an, was uns stets interessante Einblicke in das alltägliche Leben in anderen Kulturkreisen ermöglicht. Der Kontakt zu den Menschen, die wir auf unserer Reise treffen ist für uns ein ganz wichtiger Bestandteil.

Woher nehmt ihr den Mut für diese Reise?

Ich weiß nicht, ob es mutig ist. Wir sind ja nicht die Ersten und sicher auch nicht die Einzigen, die auf diese Weise oder in diesen Gegenden unterwegs sind. Overlanding ist einfach eine etwas ungewöhnlichere Art zu reisen. Überraschungen, natürlich möglichst der positiven Art, sind klar erwünscht. Natürlich bedarf es auch intensiver Vorbereitungen und Planungen. Aber es bleibt so ziemlich das Gegenteil von Pauschalreisen. Denn mit Fritzchen kommen wir ja auch an Orte, an die man sonst gar nicht hinkommt.

Mit Fritzchen in der Wüste

Wir standen mit ihm bereits auf hohen Bergkämmen, in Wüsten, in Schluchten oder auch zwischen Hochhäusern mitten im Manama, der Hauptstadt von Bahrain. Die Tatsache, dass unser aktuelles Heim immer dabei ist, gibt uns auch jeden Tag das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Das Schöne ist außerdem, dass sich auch immer wieder nette Begegnungen ergeben – alleine auch dadurch, dass Fritzchen schon ein bisschen Aufmerksamkeit auf sich zieht!

In der Wildnis kann es aber auch „nette Begegnungen“ mit Tieren geben...

Ja! Wir konnten schon viele Tiere hautnah in ihrer natürlichen Umgebung erleben. Auf dem Mount Nemrut in der Türkei haben wir zum Beispiel Braunbären gesehen – und im Iran, in der Maranjab-Wüste, gab es viele Dromedare.

Wow! Einfach nur: wow! Für eure weitere Reise wünschen wir alles Gute! Und natürlich: Frohe Wüsten-Weihnachten!

Hintergrund Wer die Reise der Coburger Familie Baumann verfolgen möchte, hat dazu mehrere Möglichkeiten. Auf eigens dafür eingerichteten Internetseite gibt es aktuelle Berichte und viele Bilder. Unter dem Menüpunkt „Maps“ ist außerdem ein offener Link zu Polarsteps mit einer interaktiven Karte und weiteren Infos und Bildern. Außerdem lohnt ein Blick auf Instagram (f4m_on_tour) sowie Facebook („Fritzchen on Tour“). Ebenso gibt es einen Kanal bei YouTube - der Link befindet sich hier

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