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Souvenirs
Coburger Kartenspiel: Luther sticht sie alle!
Gurken-Alex, König Leopold, Herzogin Auguste Sophie und Martin Luther im Kartenspiel.
Gurken-Alex, König Leopold, Herzogin Auguste Sophie und Martin Luther im Kartenspiel. // Fotos: Hans Weidlich, Collage: Micho Haller
Coburg – Hans Weidlich versucht, seine Heimat durch die Brille des Touristen zu sehen. Was würde der in Coburg gern kennenlernen wollen? Und: Welches Erinnerungsstück würde ein Tourist gern mitnehmen?

Seine Website nennt er tourist-in-coburg.de, sein neuestes Projekt heißt „Kultige Coburger“. Diese kultigen Coburger erscheinen auf Spielkarten: Prinz Albert ist der Herzkönig, seine Gemahlin Queen Victoria selbstverständlich Herzdame. König Leopold I., beider Onkel und Ehestifter, gibt den Herzbuben. Die Rolle des Jokers hätte weniger für ihn gepasst – Leopold überließ wenig dem Zufall. Aber auch als Joker tauchen (im Romméspiel) prominente Coburger auf: Prinz Friedrich Josias, der zur rechten Zeit zur Stelle war, als napoleonische Truppen Coburg hätten verwüsten können; der Stadtheilige Mauritius und Zar Ferdinand von Bulgarien. „Er hatte den Beinamen ,Foxy Ferdi‘, weil er bisweilen ziemlich gerissen war und so auch Vorteile erarbeitet hat“, sagt Hans Weidlich.

Jede Farbe eine Epoche

Hans Weidlich mit dem übergroßen Prinz-Josias-Joker.
Hans Weidlich mit dem übergroßen Prinz-Josias-Joker. // Simone Bastian

Kreuz, Pik, Herz und Karo heißen die Farben, und jede steht für eine andere Coburger Epoche. Kreuz symbolisiert für Renaissance und Reformation – mit Luther als Buben, Herzog Johann-Casimir als König und der Veste als Ass. Die Frauengestalt unterm Kreuz ist eine anonyme Hexe – denn Johann Casimir ließ Hexen verfolgen. Die Farbe Pik zeigt Herzogin Auguste Sophie von Sachsen-Coburg-Saalfeld als Dame, ihren Sohn Herzog Ernst I. als König, dessen Sohn und Nachfolger Ernst II. als Buben und passend als Ass die Ehrenburg.

Victoria und Gurken-Alex

Queen Victoria, Prinzgemahl Albert und Onkel Leopold bilden die Herzfamilie. Als Schloss hätte Rosenau dazu gepasst, aber das liegt ja nicht in Coburg. Deshalb ist Callenberg das Herz-Ass, immerhin damals schon im Besitz der Herzogsfamilie. Doch auch Schloss Rosenau findet sich auf den Karten: Das Motiv für die Rückseiten stammt aus dem Blauen Salon – es ist das Netzgewölbe der Decke. Die Farbe Karo schließlich ist den bürgerlichen Coburgern gewidmet, mit dem Coburger Rathaus, Anna B. Eckstein, Friedrich Rückert (König) und dem Gurken-Alex.

Persönlichkeiten werden erklärt

Rund ein Jahr lang hat Weidlich an dem Kartenspiel gearbeitet. Er hat nicht nur die Bilder für die Karten fotografiert und bearbeitet, er hat in Helge Jost Kienel auch einen Mitstreiter gefunden, der für jede Persönlichkeit eine Kurzbeschreibung verfasst hat. Wer das Romméspiel kauft, erhält die Biografien der „Kultigen Coburger“ als Broschüre dazu. Wer das Skatspiel mit 36 Karten erwirbt, erhält einen Link einer Website, wo die Karten erklärt werden.

Die Website, die er selbst gern hätte

Die Souvenir-Spielkarten seien sein „Herzensprojekt“, sagt Weidlich. Die Idee dazu hatte er schon vor vier Jahren, legte sie aber zunächst auf Eis. Seit fünf Jahren schon betreibt der ehemalige Berufsschullehrer seine Website tourist-in-coburg.de, zunächst nebenher, wie er sagt. Dort finden sich Führungen und Stadtrallyes, die ihren Ursprung in einer Arbeit für seine Tochter haben. Den kleinen Plan der Highlight-Tour können Nutzer kostenlos herunterladen, der Plan mit Erklärungen kostet eine kleine Gebühr. Aber das sei „nicht zum Geldverdienen“, wie er betont. Er sei selbst gern Tourist, habe viele Stadtführungen andernorts mitgemacht und wolle eine Website über Coburg anbieten, wie er sie selbst gerne finden würde, wäre er denn ein Besucher. Daher, erzählt Weidlich, engagiere er sich auch bei den Heimatbotschaftern und wolle im Herbst eine Ausbildung zum Bike-Guide machen. Und die Website sei nach wie vor im Aufbau.

Die Spiele sind in Coburger Fachgeschäften wie in der Buchhandlung Roßteutscher erhältlich. Auch die Touristinfo in der Herrngasse habe sich bereiterklärt, das Skatspiel zu verkaufen, erzählt Weidlich. Beide Kartenspiele sind auch online erhältlich über seine Website.

Schafkopfspiel in Planung

1000 Skat- und 1000 Rommédecks hat er drucken lassen und hat bislang alles komplett selbst finanziert. Zum Vergleich: Hersteller ASS Altenburger hat im Jahr 2020 allein 40 Millionen Kartendecks produziert. Und während Weidlich einerseits noch ein bisschen unsicher hofft, dass er diese speziellen Coburger Spiele auch verkaufen kann, denkt er schon über eine Schafkopfvariante nach, mit Eichel, Grün, Herz und Schellen. Welche Figuren er da verwenden will, verrät er noch nicht. Nur, dass er die Karten im Comic-Stil gestalten will. „Ich mache das in kleinen Schritten“, sagt er.

 

 

 

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