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Landestheater Coburg
So tickt der neue Intendant
Neil Barry Moss, Landestheater Coburg
Neil Barry Moss wird neuer Intendant des Landestheaters Coburg. // Jochen Berger
Coburg – Er liebt Puccini, fährt gerne Rad und bekam vor wenigen Tagen einen überraschenden Anruf vom Oberbürgermeister: Mit Neil Barry Moss erhält das Landestheater einen Intendanten, der für Emotionen steht.

Donnerstag, kurz vor 9 Uhr: Neil Barry Moss kommt zum Globe geradelt. Der Operndirektor trägt eine Kappe, denn die Sonne scheint bereits stark an diesem Morgen.

Globe Coburg
Hier kommt Neil Barry Moss (rechts vor dem Eingang) am Donnerstagmorgen zum Globe geradelt. // Foto: Oliver Schmidt

Drinnen im Globe geht’s gleich heiter weiter. In der Hauptrolle: Neil Barry Moss!

Hartan verkündet Entscheidung

In Vertretung von Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) ist Coburgs Zweiter Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (CSU) erschienen, um der Belegschaft des Landestheaters etwas mitzuteilen, das einem „Paukenschlag“ gleichkommt. Ab der Spielzeit 2024/2025 wird es wieder einen Intendanten geben. Das hat der Verwaltungsausschuss des Landestheaters entschieden.

Neuer, alleiniger Mann an der künstlerischen Spitze: Neil Barry Moss. Der gebürtige Südafrikaner ist seit der Spielzeit 2023/2024 als Operndirektor am Landestheater Coburg tätig. Aber zum 1. September 2024 tritt er die Stelle an, die seit dem Weggang von Intendant Bernhard F. Loges im Sommer 2023 zunächst nicht mehr besetzt worden war.

Was ist das „Direktorenmodell“?

Stattdessen war die künstlerische Leitung in der Spielzeit 2023/2024 auf mehrere Schultern verteilt – und zwar auf die der vier Spartenleiter. Das sind: Matthias Straub (Schauspiel), Daniel Carter (Musik), Mark McClain (Ballett) und eben Neil Barry Moss (Oper). Weil alle vier die Bezeichnung „Direktor“ in ihrem Titel führen, wird diese Art der Leitung auch als „Direktorengremium“ oder „Direktorenmodell“ bezeichnet.

Landestheater Coburg
Dieses Quintett bestimmte in der Spielzeit 2023/2024 die Geschicke des Landestheaters Coburg (von links): Kaufmännischer Direktor Bernd Vorjans, Schauspieldirektor Matthias Straub, Ballettdirektor Marc McClain, Generalmusikdirektor Daniel Carter und Operndirektor (und künftiger Intendant) Neil Barry Moss. // Foto: Oliver Schmidt

In der Spielzeit 2023/2024, die zugleich die erste in der Interimsspielstätte namens Globe war, klappte die Zusammenarbeit der vier Direktoren offensichtlich sehr gut. Zumindest wurde im Spielplan eine gute Mischung gefunden, sodass erstaunlich viele Besucherinnen und Besucher angelockt werden konnten.

Mehr über die erste Spielzeit im Globe lesen Sie hier:

Das würdigt jetzt auch Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) in einer Stellungnahme: „Ich bedanke mich sehr herzlich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landestheaters, dem Ensemble, vor allem aber auch den vier Direktoren sowie der technischen und kaufmännischen Leitung für ihr herausragendes Engagement in der vergangenen Spielzeit.“  Die gesamte Belegschaft habe die Herausforderungen des Umzugs und der neuen Bedingungen angenommen und „hervorragend gemeistert“. Sauerteig wörtlich: „Der Erfolg spricht für die Qualität unseres Theaters.“

Für eine langfristige Perspektive

Trotzdem hat sich der Verwaltungsausschuss des Landestheaters entschieden, sich nach nur einer Spielzeit vom „Direktorenmodell“ wieder zu verabschieden und zum klassischen Modell mit einem Intendanten an der Spitze zurückzukehren.

In einer Presseinformation der Stadt Coburg ist davon die Rede, dass auf diese Weise eine „langfristige Perspektive“ geschaffen werden soll. Das „Direktorenmodell“ war zunächst nur auf zwei Jahre angesetzt, wäre also im Sommer 2025 ausgelaufen. Neil Barry Boss hat jetzt einen Intendantenvertrag bis zum Sommer 2027 unterschrieben. Somit wird er auch noch im großen Jubiläumsjahr für die künstlerische Gesamtleitung verantwortlich sein: 2027 feiert das Landestheater Coburg sein 200-jähriges Bestehen. 

Wer ist Neil Barry Moss?

Neil Barry Moss ist zwar erst seit der Spielzeit 2023/2024 fest am Landestheater. Eine erste, bis heute unvergessene Spur hinterließ er aber bereits in der Spielzeit 2022/2023: Damals inszenierte er als Gast-Regisseur „Fausts Verdammnis“ von Hector Berlioz in der Morizkirche. Seit dieser umjubelten Produktion ist in Coburg bekannt, dass Neil Barry Moss für große Emotionen steht.

Neil Barry Moss, Landestheater Coburg
Neil Barry Moss (rechts) im Gespräch mit Studienleiter Roland Fister. // Jochen Berger

In einem Interview mit dem Coburger Tageblatt hat Neil Barry Moss im November 2022 erklärt, dass ihn seine Zeit in Verona sehr geprägt habe. Er hatte zunächst in Kapstadt Operngesang, Musik- und Theaterwissenschaft studiert sowie anschließend noch Regie und Dramaturgie in Verona. „Durch meine Zeit in Verona hat Puccini mich eingefangen und sehr geprägt“, sagte Neil Barry Moss. Seine Lieblingsopern seien „Il Trittico“, „Butterfly“ und „Turandot“ – alle drei sind von Puccini.

Neil Barry Moss
Neil Barry Moss wird neuer Intendant des Landestheaters Coburg. // Jochen Berger

Im selben Interview vom November 2022 hatte Neil Barry Moss auch über seine Vision fürs Theater gesprochen: „Es ist Zeit, die Klassiker im Programm zu repräsentieren, spannende Künstlerinnen und Künstler einzuladen, die zusammen mit einem gepflegten Ensemble uns allen im positiven Sinn den Atem rauben können.  Theater wurde erfunden, um Menschen zu berühren.“

Menschen für Theater begeistern

Grundsätzlich möchte Neil Barry Moss möglichst viele Menschen fürs Theater begeistern. Wichtig ist ihm dabei das Gesamterlebnis. Im Juni 2023 sagte er dem Coburger Tageblatt: „Es geht nicht nur um die Stücke auf der Bühne, sondern auch um das, was in den Pausen passiert.“

Für die Demokratie

Ganz aktuell, im Juli 2024, hatte Neil Barry Moss in einem Tageblatt-Interview auf den hohen Stellenwert verwiesen, den Kultur seiner Meinung nach habe: „Kultur ist teilweise die einzige Chance, die wir haben, die Demokratie zu bewahren. Das beginnt mit einer Investition in unserer Jugend. Jede Generation ist es wert und jede und jeder, die/den wir erreichen können, ist ein Gewinn. Nicht nur für die Kultur als solche, sondern für unsere Coburger Gesellschaft.“

Anruf vom Oberbürgermeister

Damit, dass ihn der Verwaltungsausschuss des Landestheaters zum neuen Intendanten beruft, hatte er aber wohl selbst nicht gerechnet. So wird Neil Barry Moss in der Pressemeldung der Stadt wie folgt zitiert: „Der Anruf des Oberbürgermeisters am Freitag war eine große Überraschung für mich. Ich freue mich und bedanke mich für das Vertrauen des Theaterausschusses. Mir ist bewusst, wie wichtig die Aufgabe ist: Wir wollen im Landestheater gemeinsam viel erreichen und uns als Kulturschwerpunkt der Region verankern.“

Neil Barry Moss
Neil Barry Moss vor dem inzwischen verwaisten Landestheater Coburg (Foto aus dem Juni 2023) // Jochen Berger

Außerdem betont der künftige Intendant: „Mein Herz schlägt für das Haus und die Stadt und ich freue mich sehr, zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieses Kapitel unsere Geschichte zu schreiben und die Zukunft des Hauses besonders im Hinblick auf das Jubiläumsjahr gemeinsam zu gestalten.“

Einen Ausblick auf die kommende Spielzeit des Landestheaters Coburg lesen Sie hier:

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