Drei Wochen vor dem Pfingstkongress des Coburger Convents (CC) in Coburg gibt es im hessischen Marburg Aufregung um einen Fechtlehrgang. Um diesen durchführen zu können, war offenbar – wie auch schon in der jüngeren Vergangenheit – über ein Marburger CC-Mitglied eine Schulturnhalle angemietet worden.
Doch die Stadt Marburg hat diesen Mietvertrag wieder aufgelöst, weil man wohl jahrelang davon ausgegangen war, dass es sich um die Veranstaltung eines Sportvereins handelt, in dem der besagte CC-Mann auch Mitglied ist. Gegenüber der Frankfurter Rundschau hieß es dazu aus dem Marburger Rathaus: „Die Stadt war nicht über den Charakter des Lehrgangs als vereinsfremde Veranstaltung informiert – weder im aktuellen Fall noch für eventuell ähnliche Lehrgänge in der Vergangenheit.“
Auch Hannover hatte Bedenken
Das Bündnis „Studentische Verbindungen auflösen“ begrüßt die Entscheidung der Stadt Marburg. Außerdem wird in einer Stellungnahme an die Stadt Hannover erinnert, die 2021 versuchte, den Mietvertrag für eine Messehalle aufzulösen, als der CC dort einen – coronabedingt – kleinen Pfingstkongress veranstaltete. „Während andere Städte sich aufgrund der Weltanschauung einzelner Gruppierungen im Coburger Convent distanzieren (…), begrüßt die Stadt Coburg die rechtskonservativen bis rechtsextremen Männerbünde jährlich“, heißt es in der Stellungnahme.
Masha Mertens, Pressesprecherin des Bündnisses, legt noch nach: „Der Convent strotzt nur so von nationalistischen Ritualen und rückwärtsgewandtem Gedankengut. Die Stadt Coburg unterstützt dies dabei aktiv, indem sie dem Coburger Convent ganze Schulen zur Verfügung stellt und den zentralen Marktplatz für einen Fackelmarsch anbietet, der an die dunkelsten Zeiten Deutschlands erinnert.“
Appell an Stadt Coburg
In anderen Städten sei es eine „Selbstverständlichkeit“, dass Männerbünden wie dem CC die Räumlichkeiten aufgekündigt werden. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme des Bündnisses: „Wir fordern Coburg dazu auf, Hannover und Marburg zu folgen: Schmeißt den CC endlich aus der Stadt!“
Coburger OB bezieht Stellung
Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig hatte jüngst in einem Interview mit dem Coburger Tageblatt angekündigt, dem CC – wie schon im Vorjahr – erneut nicht den Rathausbalkon zur Verfügung zu stellen. Von dort aus wurde ansonsten am Abend des Pfingstmontags die Ansprache zum Abschluss des Fackelzugs gehalten.
Der OB hält den Fackelzug jedoch für „aus der Zeit gefallen“ und will ihn deshalb nicht unterstützen. Zugleich hat der Coburger Oberbürgermeister angekündigt, am Freitag den CC beim Einzug der Präsidierenden zu begrüßen. Außerdem werde er erstmals am Festkommers des CC teilnehmen, der am Montag unmittelbar vor dem Fackelzug im Festzelt auf dem Anger stattfindet.
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