Es ist die klassische Situation, wie man sie zum Beispiel aus dem Kino kennt: In riesiger Vorfreude auf einen tollen Film setzt man sich bereits eine halbe Stunde vor Beginn auf einen besonders schönen Platz. Doch dann, eine Minute vor der Vorstellung, kommt ein zwei Meter großer Kerl, noch dazu mit Baseballkappe auf dem Kopf, und setzt sich auf den Platz direkt in der Reihe davor. Na toll! Die Aussicht auf den tollen Film ist plötzlich: futsch.
Wichtiger Werbeeffekt für Coburg
Auch die Vorfreude aufs Globe ist riesig. Der Rundbau, der zurzeit auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Coburg entsteht und zunächst dem Landestheater als Interimsspielstätte dienen wird, ist bereits jetzt ein echter Hingucker. Auch für alle Menschen, die in einem ICE oder anderen Zug sitzen, der am Güterbahnhof vorbeifährt. Diesem zusätzlichen Werbeeffekt sowohl fürs Globe als auch für Coburg wird in Marketingkreisen eine durchaus hohe Bedeutung beigemessen. Doch in der vergangenen Woche ist nun eine Situation eingetreten, die an den Klassiker mit dem Zwei-Meter-Mann aus dem Kino erinnert: Auf einem Gleis beim Güterbahnhof hat die Deutsche Bahn zahlreiche neue Regionalzüge zwischengeparkt. Die bislang so schöne Aussicht aufs Globe ist dadurch: futsch.
Tja, des einen Freud’ ist manchmal des anderen Leid. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn hatte dem Tageblatt erklärt, dass man sehr froh sei, eine derart praktische Abstellmöglichkeit wie die am ehemaligen Coburger Güterbahnhof zu haben. Dort sei sogar so viel Platz, dass in den kommenden Wochen noch weitere Regionalzüge auf den dortigen Gleisen geparkt werden sollen. Immerhin: Sie werden nicht erst Anfang Dezember wieder verschwinden, wenn sie mit dem Fahrplanwechsel ihren Dienst auf den Linien des Franken-Thüringen-Expresses aufnehmen. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte dem Coburger Tageblatt auf Nachfrage, dass die Regionalzüge „nur“ bis November dort geparkt werden.
Das bedeutet aber natürlich trotzdem: Der Blick aufs Globe ist nicht nur bis zur geplanten Eröffnung des Rundbaus Anfang Oktober futsch, sondern er wird es auch noch in den ersten Wochen des Theaterbetriebs sein. Na toll!
Ein Laie könnte jetzt vielleicht vorschlagen, dass die Regionalzüge doch einfach auf anderen Gleisen geparkt werden. Aber der Bahn-Experte Gerd Weibelzahl vom Kreisverband Coburg im ökologischen Verkehrsclub Deutschland erklärt im Gespräch mit dem Tageblatt, dass dies technisch gar nicht möglich ist. „Es gibt Gleise, auf denen gefahren werden kann, und es gibt Gleise, die nur als Abstellanlage dienen.“ Die „Fahrgleise“ im Bereich des Coburger Güterbahnhofs würden sich aber nun einmal ausschließlich auf der Seite in Richtung Weichengereuth befinden.
Theater oder Gaskessel?
Angesprochen auf den kuriosen Konflikt mit dem Globe-Blick gibt sich Gerd Weibelzahl ganz diplomatisch: „Coburg kann sich doppelt freuen: aufs Globe und auf neue Regionalzüge. Und am Güterbahnhof wird jetzt eben beides nebeneinander präsentiert!“ Als glühender Bahn-Fan sagt Weibelzahl aber auch ganz grundsätzlich: „Ich freue mich wirklich sehr, dass die neuen Regionalzüge rechtzeitig fertig sind.“ Das sei in der Vergangenheit nämlich nicht immer der Fall gewesen.
Weil Gerd Weibelzahl aber auch gerne mal ins Theater geht, gibt er noch folgende Anregung mit auf den Weg: „Ich finde, das Globe ist ein sehr interessanter Bau. Aber wenn ein Fremder zum ersten Mal daran vorbeikommt oder vorbeifährt, könnte derjenige auch denken, dass es sich vielleicht um einen Gaskessel handelt…“ Sprich: Gerd Weibelzahl schlägt vor, dass – spätestens, wenn der Blick wieder frei ist – noch in irgendeiner Weise erklärt wird, um was genau es sich bei diesem markanten Gebäude handelt.
HINTERGRUND: Verkehrsclub fordert Bahn-Haltepunkt am Globe
Aktuell mag es fürs Globe sehr ärgerlich sein, dass in direkter Nachbarschaft noch zahlreiche Gleise liegen: Nur deshalb konnte es jetzt zum „Blickachsen-Problem“ kommen. Aber vielleicht kann sich dieses Überbleibsel des alten Coburger Güterbahnhofs auch noch mal als Vorteil erweisen. Gerd Weibelzahl vom Kreisverband Coburg im Verkehrsclub Deutschland (VCD) wird zumindest nicht müde, für einen Bahn-Haltepunkt am Güterbahnhof zu werben. Dieser wäre nicht nur für Besucher des Globes sowie des dort entstehenden Gewerbegebiets und Kreativquartiers interessant, sondern zum Beispiel auch für Mitarbeiter der Firma Brose, die sich ja gleich auf der anderen Seite der Itz befindet.
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