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Spekulationen
Wird der Alte Lokschuppen Coburg zur Bauschuttdeponie?
Ein Lastwagen bringt Bauschutt aus der Leopoldstraße zum Alten Lokschuppen. Ob er dort nur zwischengelagert oder aber dauerhaft verbleiben soll, darüber darf spekuliert werden.
Ein Lastwagen bringt Bauschutt aus der Leopoldstraße zum Alten Lokschuppen. Ob er dort nur zwischengelagert oder aber dauerhaft verbleiben soll, darüber darf spekuliert werden. // Oliver Schmidt
Coburg – Seit Jahren liegt das Gelände am Alten Lockschuppen im Coburger Norden brach. Versuche, es neu zu nutzen, scheiterten bislang. Jetzt tut sich was.

Der Lastwagen muss die letzten hundert Meter im Schritttempo zurücklegen. Denn die Zufahrt über eine Stichstraße, die vom Kalenderweg zum Alten Lokschuppen abzweigt, ist nun einmal recht eng. Genau das ist auch einer der Gründe, warum das Areal im Coburger Norden seit mehr als zehn Jahren brach liegt. Doch nun tut sich offenbar etwas! Denn der Lastwagen, der sich voll beladen einen Weg zum Alten Lokschuppen bahnt und leer wieder davon fährt, wird an diesem Tag noch mehrmals vorbeikommen.

Lieferung aus der Leopoldstraße

Wie dem Coburger Tageblatt auf Nachfrage bestätigt wird, liefert der Lastwagen jede Menge Bauschutt an. Bauschutt, der von den umfangreichen Abrissarbeiten stammt, die derzeit auf dem ehemaligen Gelände des Diakonisch-Sozialen Zentrums (DSZ) in der Leopoldstraße noch in vollem Gange sind. Auf dem DSZ-Gelände ist der Neubau von 88 Mietwohnungen geplant. Und was ist auf dem Gelände des Alten Lokschuppens vorgesehen? Eine Bauschuttdeponie? Es wäre das traurige Ende einer langen, geradezu Bahn-historischen Geschichte.

Über 100-jährige Geschichte

1921 war der Alte Lokschuppen als Bahnbetriebswerk eröffnet worden. Als er in dieser Funktion nicht mehr benötigt wurde, diente er noch etliche Jahre als Maschinenhalle und Busdepot. Nach der Jahrtausendwende war er noch von einer Spedition als Werkstatt für Lastkraftwagen angemietet. Aber dann begann der Leerstand und leider auch der Verfall.

Abriss wurde gestoppt

Dramatische Ereignisse spielten sich im September 2011 ab: Plötzlich rollten Bagger an und rissen Teile des Gebäudes ein. Die Deutschen Bahn, die damals noch Eigentümerin des Geländes inklusive aller Gebäude war, behauptete, dass es sich um „Sicherungsmaßnahmen“ gehandelt hätte. Doch Zweifel an dieser Darstellung waren erlaubt. Zum Glück hatten damals aufmerksame Anwohner die Untere Denkmalbehörde der Stadt Coburg alarmiert. Diese schritt ein und stoppte die Abrissarbeiten beziehungsweise die „Sicherungsmaßnahmen“.

Bahn verkaufte das Gelände

Wenige Wochen später ließ die Deutsche Bahn die Katze aus dem Sack: Im November 2011 wurde beim dafür zuständigen Eisenbahnbundesamt der Abriss des denkmalgeschützten Lokschuppens beantragt. Kurios: Die Bearbeitung dieses Antrags dauerte lange, und es wurde auch nie bekannt, mit welchem Ergebnis er beschieden wurde. Zumindest der Bahn sollte das aber sowieso schon bald egal sein. Denn: Sie verkaufte das Areal an einen Privatmann. Bekannt wurde das im Herbst 2015 – sehr viel mehr wurde aber weder über den Käufer noch über dessen Pläne bekannt.

Alter Lokschuppen in Coburg: Das Gelände befindet sich seit 2015 in Privatbesitz.
Alter Lokschuppen in Coburg: Das Gelände befindet sich seit 2015 in Privatbesitz. // Oliver Schmidt

Zwischendurch gab es den Plan, rund um den Alten Lokschuppen Parkplätze zu schaffen. Doch diese Pläne scheiterten an der schwierigen Verkehrsanbindung. Neue Hoffnung kam deshalb im Februar 2022 auf. Damals war vom möglichen Bau einer neuen Erschließungsstraße die Rede.

Diese Straße hätte von der Rodacher Straße abzweigen und über das Gelände der ehemaligen Firma „Kohlen Puff“ (heute „Tafel“) verlaufen können. Noch viel spannender waren aber die Gesamtpläne, die offenbar mit dem Bau einer neuen Erschließungsstraße verfolgt wurden. Zumindest ließ die Stadt Coburg damals in einer Stellungnahme auf Tageblatt-Anfrage durchblicken, dass es um deutlich mehr geht als bloß um Parkplätze. So hieß es im Februar 2022: „Die (vom Eigentümer aufgezeigten) Nutzungsszenarien müssen noch vertieft überprüft und mit den Zielstellungen der Stadtentwicklung in Übereinstimmung gebracht werden.“ Besonders spannend: Der Alte Lokschuppen als Industrie- und Baudenkmal sollte – „soweit noch vorhanden und rettbar – in eine neue Nutzung baulich integriert werden.

Auf diesem Archivfoto ist ein bisschen vom Charme des Alten Lokschuppens in Coburg zu erkennen. Als im Februar 2022 über neue Nutzungspläne spekuliert wurde, hieß es auch, dass das Gebäude als „Industrie- und Baudenkmal“ erhalten werden soll.
Auf diesem Archivfoto ist ein bisschen vom Charme des Alten Lokschuppens in Coburg zu erkennen. Als im Februar 2022 über neue Nutzungspläne spekuliert wurde, hieß es auch, dass das Gebäude als „Industrie- und Baudenkmal“ erhalten werden soll. // Oliver Schmidt

Eine Stellungnahme zu den neuen Entwicklungen am Alten Lokschuppen war jetzt von der Stadt nicht zu erhalten. Eine Kontaktaufnahme zum Eigentümer war ebenfalls nicht möglich. So bleibt vorerst unklar, ob der aktuell angelieferte Bauschutt nur zwischengelagert wird, ob er dauerhaft bleiben soll oder ob künftig sogar noch weiterer Bauschutt von anderen Baustellen angeliefert wird.

UPDATE Inzwischen hat der Eigentümer Stellung genommen. Alle Hintergründe dazu lesen Sie hier:

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